Pro
Sie müssen sich um einen Seminar- oder Laborplatz raufen. Sie drängen sich in den überfüllten Hörsaal hinein. Sie haben es mit verärgerten, auch mit überforderten Uni-Lehrern zu tun: Würden Sie dann Ja und Amen zur Uni-Welt anno 2009 sagen? Oder würden Sie die Forderungen der demonstrierenden Studenten nach mehr Geld und Ressourcen für die Unis unterstützen? Das sind wohl nur rhetorische Fragen, natürlich sollen unsere Unis ihrem Auftrag nachkommen können. Das ist jetzt vielfach nicht mehr gewährleistet.
Die zweite Hauptforderung der Hörsaalbesetzer zielt direkt auf das Selbstverständnis der Universitäten ab: Die Wissenschaft und ihre Lehre sind frei, gibt Artikel 17 des Staatsgrundgesetzes vor. Tatsache ist aber, dass mit der Einführung des dreigliedrigen Studiensystems (mit dem Bachelor als erster Stufe) die Studienpläne weiter reglementiert und an den Anforderungen der Wirtschaft orientiert wurden. Mit dem Ruf „Zurück zum freien Studium“ haben vor 18 Tagen die Proteste an der Akademie der bildenden Künste begonnen. Dass dieser Aufschrei von anderen kurzlebigeren Forderungen überdeckt wurde, ist zu bedauern. Nachdenken sollte man über diese Forderung dennoch.
Contra
Ein besetztes Audimax. Eine „Volxküche“ (mit x! wow!) gleich nebenan. Studenten, die „Uni brennt“-Buttons basteln. Und die üblichen linken Sektierer, die sich dort seit Jahrzehnten herumtreiben. Nahezu rührend, wie Medien von „Heute“ bis „Falter“ dem postpubertären „Jetzt spielen wir ein wenig Studentenrevolte, weil das in unserem Alter halt so sein muss, und fühlen uns ganz bewegt dabei“-Spektakel Bedeutung zuzuschreiben versuchen.
Bloß wissen die Audimaxisten selbst nicht so recht, wie sie aus der Nummer ohne Gesichtsverlust wieder rauskommen sollen. Ob sich nicht manche insgeheim eine Räumung durch die Polizei wünschen? Dann wäre wenigstens der Märtyrerstatus gesichert. So allerdings wird der Protest langsam, aber doch an den Widersprüchen zugrunde gehen. Die ermüdenden, selbstzerfleischenden Debatten, ob man nun zu Hahns Rundem Tisch hingehen darf oder nicht, kann man sich lebhaft vorstellen – Fundis gegen Realos im Audimax-Milieu.
Vielleicht können sie ja später einmal darüber lachen, die Revoluzzer von heute. Hoffentlich auch über ihre Forderungen wie „Freie Gestaltung des Studiums“ oder „Selbstorganisation des universitären Lebens“. Bei so viel Weltfremdheit fehlt eigentlich nur noch: „Die Fantasie an die Macht!“