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Hahn-Nachfolge: Marek, Maier und Fekter wollen nicht

27.10.2009 | 18:49 | RAINER NOWAK (Die Presse)

Nachdem Wiens ÖVP-Chef Johannes Hahn nach Brüssel geht, hat Bundesparteichef Pröll offenbar einen neuen Wiener Spitzenkandidaten. Oder nur ein Pokerlächeln.

WIEN. Josef Pröll ist entweder ein gnadenloser Optimist, oder er weiß etwas, was sonst keiner weiß. Denn der ÖVP-Chef wirkt dieser Tage nicht, als habe er gerade seinen Spitzenkandidaten für die - schon rein stimmenmäßig - wichtigste Wahl dieser Legislaturperiode nach Brüssel verloren. Und zwar nachdem der Koalitionspartner seinen eigentlichen Kandidaten für die EU-Kommission, seinen einstigen Mentor Wilhelm Molterer, verhindert hatte. Nein, Pröll lächelt so, als habe er gerade eine wichtige Personalentscheidung erfolgreich über die Bühne gebracht.

Falls es ein Bluff ist, spielen auch andere in der Partei mit: „Er hat einen Kandidaten mit größerem Potenzial als Johannes Hahn für die Wiener Wahl", heißt es da. Immerhin müsse Pröll die Wahl mit einem Plus schaffen, nur so könne er das Image des Siegers nach der EU-Wahl, Vorarlberg und Oberösterreich behalten, während SP-Gegenspieler Werner Faymann von Minus zu Minus falle. 2005 kam die Wiener ÖVP nur auf 18,77 Prozent. „Jetzt muss Pröll die Wiener Rochade sehr ruhig spielen", meint ein Vertrauter des Niederösterreichers mit Wohnsitz in Wien.

Genau das geht in der Wiener ÖVP aber nicht ganz so leicht, denn wenn die Partei, die unter Erhard Busek 1983 auf stolze 34,8 Prozent gekommen ist, für eines bekannt ist, dann sind das Obmanndebatte und Intrige. Erst Hahn konnte die Partei einigermaßen befrieden, aber kaum ist sein Wechsel nach Brüssel bekannt geworden, preschen schon die ersten vor: Othmar Karas, der als heimlicher Spitzenkandidat die EU-Wahl für die ÖVP gewonnen hat, wird von vielen als mögliches konservatives Zugpferd für jene Partei genannt, die sich unter Hahn so gerne „liberal" gab. Karas kann auf Unterstützung von mächtigen Bezirksvorstehern zählen, aber auch auf das Wohlwollen vieler anderer wie Ingrid Korosec vertrauen. Alleine: Nach einem jungen Projekt klingt das nicht.

Kein Wunder also, dass Pröll und mit ihm Hahn auf Zeit spielt: Landesparteiobmann will der Neokommissar bleiben: „Ich bin ja erst gewählt worden und die Periode läuft vier Jahre. Es gibt keine Veranlassung, schnelle Schritte zu ziehen", sagte Hahn gegenüber „Wien heute". Den Spitzenkandidaten solle aber ein(e) andere(r) geben. Raiffeisen-General Ferry Maier, der schon Glück und Elend der Wiener ÖVP miterleben durfte, schließt im Gespräch mit der „Presse" dezidiert aus, Spitzenkandidat zu werden: „Ich habe vor 15 Jahren gesagt, ich kann mir nicht mehr vorstellen, Berufspolitiker zu werden, daran hat sich nichts geändert."

Marek müsste man zwingen

Generell findet man trotz Prölls breiten Lächelns vor allem VP-Politiker, die für den Job absagen: Die immer wieder genannte Staatssekretärin Christine Marek, die als Wunschkandidatin vieler in Wien gilt, will sich nicht erweichen lassen. Dass sie dazu „überredet" werden kann, schließt man in ihren Umgebung aus - „nur gezwungen". Ähnlich deutlich formuliert es ein Sprecher von Innenministerin Maria Fekter, auf ein mögliches Wiener Engagement der Oberösterreicherin angesprochen: „Ganz sicher nicht. Auf keinen Fall." Nachsatz: „Als Innenministerin kann sie für Wien auch viel mehr tun."

Als Ministerin könnte auch Katharina Cortolezis-Schlager mehr für Wien tun, dann nämlich, wenn sie Hahn im Wissenschaftsressort nachfolgt. Für die Spitzenkandidatur könnte der Neopolitikerin auch Begeisterung in den eigenen Reihen fehlen. Fest steht zudem: An die Spitze der ÖVP-Liste werde kein Quereinsteiger kommen, sondern ein Profi, heißt es.

Womit als Kandidaten doch wieder Veteranen infrage kommen. Ursula Stenzel könnte sich den Wahlkampf vorstellen. Wolfgang Schüssel hätte auch Zeit.

Vielleicht ist Pröll aber einfach nur ein guter Schauspieler.

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