Die Besetzungen an der Uni Wien und der Akademie der Bildenden Künste gingen auch am Freitag weiter.
Die Besetzer des Audimax sind am Freitagnachmittag auf die Straße gegangen. Mehrere hundert Studenten zogen vom Portal der Hauptuni über den Ring in Richtung Wissenschaftsministerium und skandierten dabei "Der Hahn gehört gerupft". Danach wollen sie zur Akademie der Bildenden Künste, die seit Dienstag aus Protest gegen die Leistungsvereinbarungen besetzt ist.
Zunächst gab es unter den Demonstranten Verwirrung darüber, wohin oder ob man sich überhaupt von der Universität wegbewegen solle. Schließlich nahm ein Teil der Studenten an der Demonstration teil, der andere hielt das Audimax weiterhin besetzt. Laut den Organisatoren halten derzeit rund 1000 Studenten den größten Hörsaal der Uni Wien besetzt.
Verhandlungen mit dem Rektorat der Uni Wien, das die Besetzer zur Räumung des größten Hörsaales bewegen will, habe es noch keine gegeben. "Das hören wir immer nur aus den Medien", betonte ein Protestteilnehmer. Rektor Georg Winckler könne sich aber gerne vor das Plenum stellen und mit den Studenten diskutieren. Zielscheibe der Proteste sei aber ohnehin nicht Winckler, "der ist eigentlich ein - unter Anführungszeichen - armes Schwein, weil er selbst finanziell beschnitten wird".
Scharfe Kritik an Hahn
Stattdessen solle Wissenschaftsminister Johannes Hahn (VP) endlich anerkennen, dass sich die Proteste gegen ihn richten. "Es geht um bundespolitische Fragen, der einzig legitime Ansprechpartner für uns ist Hahn. Wenn sich jemand bei uns melden muss, dann er", betonte der Besetzer. Hahn hatte am Vormittag am Rande einer Pressekonferenz aber von einem lokalen Protest gesprochen: "Die Besetzung ist an der Universität Wien. Die Uni Wien muss entscheiden, was sie unternimmt."
Protest im Audimax soll weitergehen
Laut Angaben einer der Organisatorinnen haben 200 bis 250 Studenten die Nacht im Audimax verbracht. Der Protest soll weitergehen "wir bleiben hart und werden Open End hierbleiben". Protestiert wird generell für "freie Bildung für alle", nicht anfreunden kann man sich auch mit den derzeit diskutierten Zugangsbeschränkungen.
Laut Schätzung des Rektorats sind bei der Besetzung Sachschäden in Höhe von 50.000 bis 100.000 Euro entstanden. Laut einer Sprecherin des Rektorats sind Beleuchtungskörper und Glastüren zu Bruch gegangen, Hörsaalbänke wurden beschädigt.
Proteste mit Happening-Charakter
Wie übliche Studentendemos mit einem gemeinsamen Marsch und einer Abschluss-Kundgebung läuft der Protest diesmal nicht ab. Dieser hat zum Teil eher Happening- und Partycharakter mit Musik und Alkohol. Die HochschülerInnenschaft (ÖH) unterstützt die Studenten zwar, tritt aber nicht selbst als Organisator auf. Die Protestierenden sind sogar so basisdemokratisch, dass täglich ein neuer Pressesprecher bestimmt werden soll.
Keine Räumung
Johann Jurenitsch, Vizerektor der Universität Wien, hatte am Donnerstagnachmittag entschieden, dass der Hörsaal nicht geräumt werden soll. Die Polizeibeamten, die alle Zugänge zum Auditorium Maximum kurzfristig abgeriegelt hatten, wurden gegen 17 Uhr wieder abgezogen.
Der Protest begann als Demonstration der Akademie der bildenden Künste gegen die Einführung des Bachelor-Systems mit rund 200 Teilnehmern im Sigmund-Freud-Park vor der Votivkirche. Im Anschluss kam es zu einem Demonstrationszug durch die Universität. An der Rektoratskanzlei stoppte der Zug, drei Sicherheitsleute bezogen Stellung, die Studenten marschierten schließlich weiter.
Unzumutbare Studienbedingungen
Nicht nur Kunststudenten kamen zur Kundgebung, auch Studenten anderer Richtungen machten ihrem Unmut Luft. So protestierten unter anderem auch Hörer der Studienrichtung Internationale Entwicklung, die "unzumutbare Studienbedingungen" beklagten. "Wir haben nur eine halbe Professorenstelle für 2500 Studenten," beklagte sich eine junge Frau. "Wir wollen fest angestellte Lehrende, nicht nur externe, die gleich wieder gehen."

Die Studenten skandierten Slogans wie "Bildung für alle - und zwar umsonst!" oder "Bringt den Gio Hahn zu Fall" und versammelten sich schließlich im Audimax, wo sie eine Vorlesung auflösten. Dort richtete man sich offenbar auf einen längeren Aufenthalt ein.
Zu den Protesten hatten die HochschülerInnenschaften (ÖH) der Akademie und der Universität Wien aufgerufen. Unterstützt wurden sie unter anderem von der IG Bildende Kunst und den Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS).