Wien. „Ärgerlich, sinnlos und sehr nachteilig für uns“ sei die Audimax-Besetzung, meint Pharmazie-Student Michael Schauer. „Die zerstören mehr, als sie weiterbringen.“ Seine Kommilitoninnen Claudia Vater und Sarah Wimmer sind derselben Ansicht: „Es ist eine Frechheit, dass dort alles verklebt und verschmiert wird, Vorlesungen ausfallen oder verlegt werden.“ Eigentlich hätte ihre Vorlesung auch im Audimax stattfinden sollen. Doch die Uni Wien hat nun kurzfristig den Saal C im Austria Center Vienna, einem tristen Großbau auf der Donauplatte, angemietet. Von acht bis zehn Uhr fand dort gestern Vormittag die Vorlesung „Einführung in die Rechtswissenschaften“ statt, von zehn bis 13Uhr „Biologie für PharmazeutInnen“.
„Es ist saukalt hier“, klagt eine Studentin. Eine andere meint, ihr sei die Verlegung grundsätzlich egal, „aber es gibt keine Tische zum Schreiben hier“. Die meisten haben eher zufällig via Internet erfahren, dass ihre Vorlesungen in den 22. Wiener Bezirk verlegt werden. Die Kosten dafür sollen 16.000 Euro pro Tag betragen.
Manche Studenten haben aber auch Verständnis für die Audimax-Besetzung. „Ich finde es gut, wenn sich die Studenten für ihre Rechte einsetzen“, sagt die Pharmazeutin Isabell Yeter. Am Anfang sei es schon eine „Chaotenaktion“ gewesen, findet der Jurist Tibor Szalachy, „aber es entwickelt sich“. Mittlerweile würden auch ausländische Medien von den Protesten in Wien berichten, das könne der Sache der Studenten nur guttun.
Am Juridicum hingegen herrscht Business as usual. Etliche Jus-Studenten schauen aus Interesse im Audimax der Hauptuni vorbei. Nikolaus Scherak war einer von ihnen – er kehrte ernüchtert zurück: „Es ist zwar sinnvoll, Probleme anzusprechen, aber Lösungen hat dort niemand.“ Scherak, der sich auch bei der liberalen Studentenfraktion engagiert, ist für Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen.
„Studieren statt blockieren“
Samir Al-Mobayyed, Chef der Aktionsgemeinschaft, kann den Unmut der Studenten zwar verstehen, „mit der Vorgehensweise sind wir aber nicht einverstanden“. Es gebe bei den Besetzern ja nicht einmal einen wirklich Verantwortlichen, mit dem man reden könne.
Und auf Facebook gibt es mittlerweile schon eine Neigungsgruppe „Studieren statt blockieren“ – mit über 7000 Fans, die sich gegen die Audimax-Belagerer wenden.