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Höbelt: Protest mit Themenverfehlung

02.11.2009 | 18:34 |  (Die Presse)

Geschichteprofessor Höbelt glaubt, dass nicht mehr Geld, sondern weniger Bürokratie an Unis nötig ist.

Die Altachtundsechziger-Romantik, die seine Professorenkollegen angesichts protestierender Studenten befällt, teilt Lothar Höbelt, Geschichteprofessor an der Universität Wien, überhaupt nicht. Seine Einschätzung im „Presse“-Gespräch: Die Demonstranten seien keineswegs repräsentativ für die Studierenden. Zweitens: „Die Studenten haben es momentan tatsächlich schwer, aber das liegt nicht am Geld, sondern an überkomplizierten und überregulierten Strukturen“ – was wiederum eine Folge der „Habt-Acht-Mentalität“ der Universitäten gegenüber Regierungsvorgaben sei. Man bemühe sich, die „Bologna-Ordnung“ (die das Studium ab 2010 europaweit einheitlich in Bachelor und Master teilt) auf Punkt und Beistrich zu erfüllen.

Bei der Umstellung der Studienordnung hätte jeder einzelne Lehrende seine Sonderwünsche deponiert, herausgekommen seien unadministrierbare und auch für die Studenten unzumutbare Studienpläne. Ein Sonderproblem sei die elektronische Anmeldung für Lehrveranstaltungen. Das Programm breche regelmäßig zusammen, deshalb belegten die Hörer sicherheitshalber so viele Seminare wie möglich.

An den Universitäten pralle das schlechteste aus beiden Welten – Business und Bürokratie – zusammen, findet Höbelt. Jede Uni habe Büro, Sekretär und Marketingabteilung, aber keine Kapazitäten für den Betrieb. Die Lehrenden wiederum erhofften sich dank der Proteste mehr Geld: „Das ist genauso, als ob die Industriellenvereinigung die Bauarbeiter vorschickt.“ Und der Ansturm der Deutschen? „Die kommen, weil Wien den Ruf hat, lustig zu sein – nicht, weil unsere Universitäten so hervorragend sind.“ mon


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