SP-Kanzler Werner Faymann macht sich unter den protestierenden Studenten keine Freunde: Er denkt laut über Zugangsregelungen nach. Mit Vizekanzler Pröll will er sowohl über neue Beschränkungen als auch über etwaige Änderungen bei den Aufnahmetests sprechen. Der Kanzler ist zwar dafür, mehr Studienplätze zu schaffen, aber selbst das würde angesichts des Andrangs nicht reichen. Er wolle daher keine "Illusionen" schaffen, die er nicht erfüllen könne, so der Kanzler. "Schockiert" von Faymanns Aussage ist ist der Verband Sozialistischer StudentInnen.

"Purer Zynismus" ist Faymanns Vorstoß aus Sicht der ÖH. "Faymann hat anscheinend gar nichts aus den Protesten der vergangenen Tage gelernt", sagte die ÖH-Vorsitzende Sigrid Maurer. Die SPÖ habe in den vergangenen zehn Jahren Vogel-Strauß-Politik betrieben, nun wache sie auf "und begeht genau dieselben fatalen Fehler" wie die ÖVP.
In dem weiterhin von Studenten besetzen Audimax der Uni Wien wird Faymann nicht erscheinen - der Dialog mit den Studenten sei die Sache von VP-Minister Johannes Hahn. Dieser lehnt es aber auch ab, mit einem Hörsaal von protestierenden Studenten zusammenzutreffen. Der Minister will aber "diese autonomen Gruppen" einladen, Delegierte für Gespräche zu nominieren. Nach der kürzlich gewährten Finanzspritze von 34 Mio. Euro sieht Hahn nun auch die Rektoren gefordert. Nicht wenige der Kritikpunkte würden sich an die Unis selbst richten. Und: "Man kann nicht nur immer nach der Politik schreien", so Hahn.
Mittlerweile gibt es eine erste Umfrage zu den Studentenprotesten. Für 42 Prozent der Österreicher sind sie berechtigt, besagt eine Umfrage des Klagenfurter Humaninstituts. Ein Drittel der Bevölkerung hat zu dem Thema jedoch keine klare Meinung.
Vorlesungen weiter im Austria Center
Die Uni Wien scheint nicht mit einer baldigen Räumung des Audimax zu rechnen. Zumindest noch Dienstag und Mittwoch werden große Lehrveranstaltungen wieder im Austria Center abgehalten. Noch unklar ist, wie mit der Besetzung des C1, des größten Hörsaals am Campus im Alten AKH, umgegangen wird. Das Rektorat hofft darauf, dass die ÖH die Besetzer ehestmöglich zu einer Räumung überreden kann.

Die Besetzer haben es sich mit Sofas rund um den C1 mittlerweile gemütlich gemacht. Im Hörsaal selbst steht am späten Vormittag und frühen Nachmittag übrigens "Lernzeit" auf dem Programm. Die Studenten sollen dort "Raum und Ruhe zum Lernen" haben.