Auch in der Stadt Salzburg haben sich am Donnerstag zahlreiche Studenten an dem bundesweiten Aktionstag "Freie Bildung für alle" beteiligt. Höhepunkt war am Nachmittag eine "Prozession" unter dem Titel "Hahn trägt die Bildung zu Grabe", bei der ein Sarg vom Gebäude der Gesellschaftswissenschaften durch die Altstadt zum Mirabellplatz getragen wurde. Laut Polizei beteiligten sich rund 400 Personen an der Demonstration, an deren Spitze ein "Kardinal" schritt. In Fürbitten machten die Studenten ihre Forderungen kund.
"Scheinheiliger Hahn, Faymann, Pröll, Scheinheilige Schmidt und Burgstaller handle für uns", skandierten Teilnehmer durch ein Megafon ihre "Litaneien". Glockengeläut, Weihrauch, zwei "Geistliche" und Transparente begleiteten den durch einen Baldachin geschützten "Kardinal". "Wir haben uns versammelt, um das Ableben der freien Bildung in Österreich angemessen zu betrauern", hieß es bei der Auftaktkundgebung am Rudolfskai.
Trauerprozession
Während der "Trauerprozession", bei der auch Bibelverse zitiert wurden, wiederholten die Studenten immer wieder ihre Forderungen: Freier Hochschulzugang, ausreichende Finanzierung der Universitäten, barrierefreies Studium europaweit, Demokratisierung der Universitäten, freie Bildung vom Kindergarten bis zur Universität, keine Unterwerfung der Unis unter dem Diktat der Wirtschaft, zu allen Zeiten vertretbare Anstellungsverhältnisse sowie angemessene Gehälter der Uni-Mitarbeiter. Die Studenten hoffen allerdings, dass "wir den Sarg nicht wirklich bestatten müssen".
Ein Student, der zufällig vorbei kam, drückte seinen Unmut über die Demonstration aus: "Langsam nervt das, die Vorlesungen werden verschoben, schön langsam wird es eng." Seit vergangenen Mittwoch ist ein Hörsaal der Gesellschaftswissenschaften in Salzburg von Studenten besetzt. "Jeden Tag wird ein bestimmtes Thema erarbeitet. Die Besetzung ist erst dann zu Ende, wenn unsere Forderungen erfüllt sind", erklärte Ben Lillard vom Salzburger Presseteam der Plattform "Uni brennt!".
Info-Stand im Einkaufszentrum
Bereits am Vormittag machten die Studenten auf ihre Anliegen bei einem Info-Stand im Salzburger Einkaufszentrum "Europark" und auf dem Wochenmarkt "Schranne" beim Mirabellplatz aufmerksam. Dort verteilten 15 Aktivisten selbst gefertigte Bachelorzeugnisse und Bewertungspunkte unter den Marktbesuchern. Da universitäre Bildung aufgrund der "Untätigkeit, Ignoranz und Kurzsichtigkeit" von Wissenschaftsminister Johannes Hahn (V) und Bundeskanzler Werner Faymann (S) ohnehin nichts mehr wert sei, "können wir die Zeugnisse ja auch gleich billig verscherbeln", meinte eine Plattform-Vertreterin.