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Andreas Altmann: "Höhere Studiengebühr wäre sozial"

08.11.2009 | 19:24 | HEDWIG SCHUSS (Die Presse)

Andreas Altmann, Geschäftsführer der Fachhochschule MCI Innsbruck, spricht sich für Beiträge der Studierenden, aber gegen Zugangsquoten aus.

„Die Presse“: Haben Sie Verständnis für Studierende, die derzeit bundesweit Hörsäle besetzen?

Andreas Altmann: Ich verstehe, dass die Studierenden nicht zufrieden sein können. Der Ruf nach mehr Geld ist aber nur eine Variante zur Lösung. Das Problem, das die Studierenden beklagen, ist vielmehr ein ordnungspolitisches und strukturelles. Wenn man keine Studienbeiträge einhebt und gleichzeitig auch keine Zugangsbeschränkungen hat, dann sind es heuer vielleicht nur sieben Prozent Studierende aus Deutschland, aber es werden unter der Voraussetzung, dass das Studium bei uns weiter gratis bleibt, jedes Jahr mehr.

Sind Quoten für ausländische Studierende da ein probates Mittel?

Altmann:
Nein. Die Regelungen zur Erfüllung der Quoten sind ein eher fragwürdiges Mittel. Für den Ökonomen gibt es weitaus elegantere Mittel. Bei Ressourcenknappheit ist das beste Zuteilungskriterium immer noch der Preis. Die ökonomische Sicht lässt sich über Stipendien durchaus mit sozialen Gesichtspunkten verknüpfen. Dass an österreichischen Unis nur Österreicher studieren sollen, kann ich allerdings nicht ganz verstehen. Gegen Touristen haben wir ja auch nichts, die lassen wir auch sehr gern unser Bier trinken und sogar in unseren Betten schlafen. Der Unterschied zu den Hochschulen ist nur der, dass im Tourismus niemand auf die Idee käme, diese Leistungen gratis bereitzustellen. Ich halte ausländische Studierende für eine große Bereicherung. Wir sind es den Tirolern sogar schuldig, dass sie nicht nur unter Tirolern studieren. Das lässt sich auch auf ganz Österreich übertragen.

Studiengebühren lösen also das Problem?

Altmann: Wenn das Studium bei uns wie auch in allen anderen Ländern etwas kostet, dann wird auch das Fluchtverhalten nach Österreich aufhören. Darum sage ich: Lasst uns die Leistungen bepreisen und die Preise sogar erhöhen und um soziale Maßnahmen ergänzen. Der Gesetzgeber sollte sich im Übrigen verpflichten, die Beiträge dem Hochschulwesen zur Verfügung zu stellen und sie nicht für andere Dinge abzuschöpfen.

Sind Studiengebühren und ein freier Zugang zur Bildung ein Widerspruch?

Altmann:
Das Gegenteil ist der Fall. Wenn man Studiengebühren abschafft, gibt es nur einen Einzigen, der gefördert wird: nämlich den, der es sich so oder so leisten kann. Denn der sozial Schwache bekommt die Beiträge ohnedies ersetzt. Würde man die Studiengebühren auf – sagen wir eine Hausnummer – 5000 Euro im Semester erhöhen und allen, die es sich nicht leisten können, diese Beiträge ersetzen, dann würden nur die finanziell besser Gestellten ins System einzahlen und mit ihren hohen Beiträgen sogar mehr Stipendien für alle ermöglichen. Höhere Studienbeiträge wären also sogar sozialer als geringere oder gar keine Beiträge.

Am MCI zahlen die Studierenden Studienbeiträge, ohne zu murren. Haben Sie andere Studierende als die Unis?

Altmann: Unsere Studierenden bestehen aus einer Vielzahl von Individuen, das lässt sich nicht verallgemeinern. Aber ich gehe davon aus, dass die Studierenden bei uns eine gute Leistung erhalten. Es gibt eine deutlich höhere Tendenz, den Wert eines Studiums zu erkennen, zu respektieren und den eigenen Beitrag zu leisten. Viele unserer Studierenden sind auch schon berufstätig und haben einen pragmatischeren Zugang, weil sie wissen, dass das Geld eben nicht auf Bäumen wächst oder aus dem Bankomaten kommt.


Sie beklagen eine undifferenzierte Debatte rund um die Studiengebühren. Welche Differenzierung würden Sie sich wünschen?

Altmann:
Ja. Es wäre zum Beispiel legitim zu sagen, ein Bachelorstudium soll nur geringe Studienbeiträge kosten, ein Masterstudium hingegen höhere. Oder aber auch zu sagen, der zweite oder dritte Master kostet entsprechend mehr, oder ab einem gewissen Lebensalter kostet ein Studium mehr. Oder ist es wirklich Aufgabe der öffentlichen Hand jedem Bürger bis zur (Früh-)Pensionierung einen Studienabschluss nach dem anderen „auf Regimentskosten“ zu bezahlen?

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