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Burgtheater-Chef zeigt "große Sympathien"

15.11.2009 | 19:02 | NORBERT MAYER UND MARTINA SALOMON (Die Presse)

Zwischen 22.30 und 23 Uhr überließ der neue Wiener Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann am Samstagabend protestierenden Studenten die Bühne – was auf geteilte Reaktionen im Publikum stieß.

WIEN. Es ist seine erste Saison, und der neue Wiener Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann setzte Samstagabend auch gleich sein erstes politisches Statement. Zwischen 22.30 und 23 Uhr überließ er protestierenden Studenten die Bühne – was auf geteilte Reaktionen im Publikum stieß: Es gab Applaus und Buhrufe. Hartmann selbst wagte sich allerdings nicht auf die Bühne.

Von der „Presse“ am Tag danach auf die Aktion angesprochen, ließ der Burgtheaterdirektor ausrichten: „Wir haben in den letzten Tagen darüber diskutiert, wie wir den Problemen der Studenten auf unserer Bühne ein Forum geben können. Denn das Burgtheater hat große Sympathien für ihre Anliegen. Bildung und Kultur gehören im Kern zusammen. Die Studenten sind die Zukunft unseres Staates und nicht zuletzt eine große Besuchergruppe des Burgtheaters. Insofern sind wir der überraschenden Demonstration gestern Abend auf der Bühne freundlich begegnet. Wir denken daran, das Burgtheater für Studenten, Politiker und Fachleute als Diskussionsforum zu öffnen, und werden am Montag Stellung zu weiteren Vorhaben nehmen.“

Ganz so überraschend kann die Aktion jedoch nicht gewesen sein, denn der ORF war (im Gegensatz zu den Zusehern) vorinformiert und mit Kameras vor Ort.

Und so besetzten rund 150 Studenten – unter ihnen viele Landsmänner und -frauen des Deutschen Hartmann – die Bühne, auf der eigentlich gerade „Lorenzaccio“ von Alfred de Musset gegeben wurde. Ganz nahtlos passten Demonstranten und Stück nicht zueinander, ging es bei Musset doch um einen Tyrannenmord durch einen grüblerischen Dandy, den die Tat letztlich nicht befriedigt – in der Burg allerdings ohnehin mehr als Faschingsschwank denn als Drama inszeniert.

Das passte dann auch wieder besser zu den Studenten, deren durchs Megaphon gebrüllte Botschaften kaum verständlich waren– was nicht nur an der Akustik lag. Zwischen Applaus und Buhrufen des Publikums verlangten sie „Bildung statt Ausbildung“ und einen freien Studienzugang. „Rudi Dutschke (der legendäre 68er-Studentenführer) wird aus denen keiner“, ätzte man im Publikum. Andere fanden die studentische Darbietung amüsant. Zum Schluss regnete es Flugblätter in den Zuschauerraum.

Im für die Burg ressortzuständigen Unterrichtsministerium heißt es auf „Presse“-Anfrage: „Wenn Hartmann solche Signale als Teil seines künstlerischen Konzepts sieht, ist das legitim. Das fällt in die Autonomie der Bundestheater. Die Politik mischt sich da nicht ein“, so Sprecher Nikolaus Pelinka.

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