Die Spitzen mehrerer Universitäten kamen heute zusammen, um von Regierung und Parlament Nägel mit Köpfen zu fordern. Einen Tag nach der von Wissenschaftsminister Hahn (ÖVP) veranstalteten Mammutkonferenz wollte die Universitätenkonferenz (uniko) die Aufbruchsstimmung nutzen und forderte eine verbindliche Roadmap zur Uni-Finanzierung.
Gleichzeitig machte Uni-Wien Rektor Georg Winckler sanften Druck in Richtung der protestierenden Studenten. Man habe zwar davon profitiert, dass diese die Öffentlichkeit auf die Probleme der Unis aufmerksam machten, aber mittlerweile hätten sie durch die Besetzungen 500.000 Euro an zusätzlichen Kosten verursacht. Winckler will den Studenten zwar kein Ultimatum stellen, doch der größte Hörsaal der Uni Wien soll nun nach etwa fünf Wochen endlich wieder für Vorlesungen zur Verfügung stehen.
Der Rektor gibt sich kompromissbereit, was die Nutzung anderer Räume oder auch des Audimax in der vorlesungsfreien Zeit betrifft. Bald sollen Gespräche dazu stattfinden. Winckler plädierte aber für "weniger kostenintensive" Protestformen, dies würde auch auf anderen Universitäten funktionieren.
Roadmap zur Uni-Fananzierung
Im Gegensatz zur Audimax-Besetzung, die die Uni Wien also selber lösen will, muss für Rektor Winckler bei den anderen Problemen hauptsächlich die Politik die Verantwortung übernehmen. Regierung und auch Parlament sollen nun endlich ihr Versprechen, zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für den tertiären Bildungsbereich aufzuwenden, in die Tat umsetzen. Dies wurde zwar schon einige Male beschlossen, aber einen konkreten Zeitplan vermissen die Universitäten noch immer.
"Man könnte sich gefrotzelt fühlen"
Um es der Politik zu erleichtern, haben die Rektoren bereits den Entwurf für ein entsprechendes Gesetz vorbereitet, das eine jährliche Steigerung des Uni-Budgets von 2,772 Mrd. Euro im Jahr 2010 auf 3,634 Mrd. Euro im Jahr 2015 vorsieht. Dies übergaben die Rektoren bereits beim Hochschuldialog an Hahn, der allerdings meinte,, dass Österreich ohnehin auf gutem Weg sei. Die Rektoren sehen das ganz anders. "Hätte man nicht so hohen Respekt vor Regierung und Parlament, könnte man sich gefrotzelt fühlen".
Das Geld sei nicht nur notwendig, um die Studienbedingungen zu verbessern, sondern soll auch in den Ausbau der Doktoratstudien und der Spitzenforschung sowie in Infrastruktur und Uni-Bauten investiert werden, sagte der Präsident der Universitätenkonferenz, Christoph Badelt
Bachelor-Studien werden überprüft
Während sich die protestierenden Studenten erst gestern beim Hochschuldialog darüber ärgerten, dass es bei der Diskussion "immer nur um Geld ginge", hat die Universitätenkonferenz nun auch Überprüfungen der Curricula einzelner Studien angekündigt. Studenten haben in den vergangenen Wochen stark kritisiert, dass die Studienpläne vieler Bachelor-Studien überfrachtet seien und der Inhalt der Magisterstudien einfach in die kürzere Bachelor-Ausbildung übernommen wurde. Audimax-Besetzer werden aber wohl nicht bei der Planung dieser Studien mitwirken. Denn sind - im Gegensatz zur ÖH - keine legitimierten Interessensvertreter.