Wien. Es war eine überraschende Geste der Akzeptanz: Als der Wiener Uni-Rektor Georg Winckler am Freitagabend das Audimax betrat, kam Applaus unter den Besetzern auf. Bereits seit sechs Wochen drängen sie auf ein persönliches Gespräch mit dem Rektor, gestern kam Winckler der Forderung nach, im Schlepptau unter anderem die Chefs von Uni-Rat und Senat. Die Szenerie erinnerte dabei an die ersten Tage der Besetzung. Erstmals seit Langem waren die Bankreihen wieder gefüllt, viele fanden nicht einmal einen Sitzplatz.

Die anfängliche Freundlichkeit wich bald einer harten Konfrontation: „Wir lassen uns nicht abspeisen“, hatten die Studenten klar gestellt. Der Abzug sei nicht verhandelbar. Man wolle dem Rektor nur die Meinung sagen, so der Tenor vor der Veranstaltung.
Was dann folgte, war ein mehr als einstündiges Frage-Antwort-Spiel, das durch die strengen Regeln der Besetzer nicht unbedingt erleichtert wurde. Wer sprechen wollte, musste sich in einer Rednerliste eintragen lassen, die nach dem Reißverschlussprinzip basisdemokratisch und geschlechtergerecht erstellt werden sollte.
Eine wirklich lösungsorientierte Diskussion war dann nicht möglich – zu breit war dafür die Themenpalette, die von der Umstellung auf das Bachelor-Master-System über Wincklers Vorstellungen zur Demokratisierung der Uni bis hin zu den im Audimax übernachtenden Obdachlosen reichte. Die Taktik des Rektors: Mit möglichst vielen Worten möglichst wenig zu sagen – und in Bildungsfragen Solidarität mit den Studenten zu demonstrieren. Der Senat etwa sicherte einmal mehr eine Überarbeitung der Studienpläne zu.
„Politik zieht sich zurück“
Die Schuld an vielen der Missständen verortete Winckler in der Politik: Es könne nicht sein, „dass die Politik sich zurückzieht und so tut, als sei das alles nur ein Problem, das die Unis allein zu lösen haben“, so Winckler, der mehrfach die Unterfinanzierung der Hochschulen kritisierte. Den Studenten war das zu wenig – was immer öfter zu verärgerten Zwischenrufen führte: „Sie beantworten die Fragen nicht. Schieben Sie die Verantwortung nicht immer auf andere“, so die Vorwürfe.
Der Rektor wollte sich das nicht gefallen lassen und verschärfte die Gangart. „Einige von Ihnen glauben wohl, was hier im Audimax beschlossen wird, gilt“, so Winckler unter lauten Buh-Rufen der Besetzer. „Ich aber bekenne mich zu den Gesetzen.“ Mit dem Vorhaben, die Studenten zum Einlenken zu bewegen und zu einer anderen Form des Protests zu überreden, musste die Uni-Leitung zwangsläufig scheitern. „Wir haben keine andere Möglichkeit, auf uns aufmerksam zu machen“, so die Studenten. Was vom Abend blieb? Zumindest eine Spende von zehn Euro. Die steckte Winckler in eine Box, die herumgereicht wurde, um für die Proteste zu sammeln.
Mobilisierung im Austria Center
Leichter hatte es Winckler da am Vormittag. Da tauchte er plötzlich in einer Jus-Vorlesung im Austria Center auf, das die Uni als Ausweichquartier nutzt. Er wolle sich versichern, „dass es allen hier gut geht“, so Winckler, bevor er ansetzte, gegen die Besetzer zu mobilisieren: „Seien Sie keine schweigende Mehrheit“, lautete der Appell an die Erstsemestrigen. Auf große Resonanz stieß das nicht – seine Meinung wollte auch auf Drängen des Rektors keiner kundtun. Dafür gab es hier auch zum Abschied freundlichen Applaus.
