Innsbruck. Der Uni-Rat steht im Verdacht, Frauen zu diskriminieren, die frühere Vizerektorin wird der Urkundenfälschung verdächtigt, und der Bundes-Gleichbehandlungskommission droht eine Anzeige wegen Amtsmissbrauchs: Die internen Unstimmigkeiten an der Medizin-Uni Innsbruck ziehen immer weitere Kreise. Die Protagonisten tragen die Selbstzerfleischung der Hochschule öffentlich zur Schau. Seit einem Jahr ist der Rechtsstreit zwischen der Uni und Margarethe Hochleitner, die sich bei der Rektorswahl vom Uni-Rat übergangen sah, anhängig – mit immer neuen Höhepunkten.
Nachdem Hochleitner mit ihren Beschwerden bei der Uni-internen Schiedskommission und im Wissenschaftsministerium abgeblitzt war, wandte sie sich an die Gleichbehandlungskommission (B-GBK), die ihr mittels Gutachten zu Schadenersatz verhelfen sollte.
Diese Woche wurde die Klägerin plötzlich zur Verdächtigen: Hochleitner habe Auszüge aus dem internen Protokoll der B-GBK „zusammenkopiert“ und (mit Briefkopf des Kanzleramts versehen) per Mail in Umlauf gebracht. Das betreffende E-Mail liegt der „Presse“ vor. Hochleitner habe auf diese Weise versucht, eine „außenwirksame Entscheidung“ der B-GBK, die den Parteien zugestellt worden sei, vorzugaukeln. Das könne der Ex-Vizerektorin durchaus als Urkundenfälschung ausgelegt werden, heißt es in einer Stellungnahme des Uni-Rats, die der „Presse“ vorliegt.
Auch die B-GBK steht nun in der Kritik: Diese habe das Vorgehen der Professorin anzuzeigen, heißt es. Sonst drohe der Kommission selbst eine Anzeige wegen Amtsmissbrauchs. Die B-GBK blockt ab: Man wolle zu dem Fall „überhaupt nichts mehr sagen“, eine offizielle Stellungnahme sei nicht geplant, heißt es auf „Presse“-Anfrage.
„Nur Einschüchterungsversuche“
Hochleitner weist im „Presse“-Gespräch den Vorwurf der Urkundenfälschung zurück: Sie vertraue nun darauf, dass Österreich „ein Rechtsstaat ist“. Ihr Anwalt kritisiert den Uni-Rat: Dieser sei in der Sache gar nicht vertretungsbefugt und versuche es deshalb mit „Einschüchterungsversuchen“.
Die Auseinandersetzung ist nur eine von mehreren in den vergangenen Jahren. Die Uni sah sich mit einem Wissenschaftsskandal konfrontiert und entließ den Rektor wegen finanzieller Versäumnisse. Der Uni-Rat wiederum fand sich wegen angeblich überhöhter Honorare und Sitzungsgelder in den Medien. Der Ruf der Medizin-Uni leidet nachhaltig.