- 13:30 DiePresse.com.Moderator
Wir begrüßen in unserem Live-Chat Wissenschaftsministerin Beatrix Karl. Sie beantwortet ihre Fragen zum Bologna-Prozess, zu Studiengebühren und der Bildungspolitik. Stellen Sie ihre Fragen!
- 13:31 Beatrix Karl
Ich freue mich, heute hier chatten zu dürfen und heiße alle Teilnehmer herzlich willkommen!
- 13:33 argentina
Sehr geehrte Frau Karl, können Sie mir kurz und bündig erklären, was für Sie das Ziel universitärer Bildung ist?
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Universitäten haben beides zu bieten: Ausbildung UND Bildung. Ausbildung soll für den Arbeitsmarkt qualifizieren, Bildung geht darüber hinaus. Bildung soll insbesondere durch die Einheit von Forschung und Lehre vermittelt werden.
- 13:37 MrMister023
Sehr geehrte Frau Minister Karl Mir schwirrt seit einiger Zeit die Idee im Kopf herum die Studiengebühren leistungsabhängig einzufordern, also die Höhe der Gebühren abhängig von der Prüfungsaktivität des Studenten zu machen. Was halten sie davon?
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Das ist ein interessanter Ansatz, die Administration stelle ich mir aber sehr schwierig vor. Die Leistungskomponente wird ohnehin bereits über die Leistungsstipendien berücksichtigt. Generell halte ich es aber für wichtig, dass Leistung an den Universtitäten eingefordert und auch erbracht wird.
- 13:40 ChristopherTafeit
Eine Frage: Es wird ja immer über "Bologna" gewettert. Was genau hat denn "Bologna" nun tatsächlich gebracht bzw. nicht gebracht?
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Bologna bietet den Studierenden mehr Chancen durch die Förderung von Mobilität und Internationalität. Leider ist aber an manchen Universitäten die Umsetzung schlecht erfolgt. Hier gilt es, nachzubessern. Und ich habe deshalb auch das Programm "Bologna Reloaded" vorgestellt, das zehn Maßnahmen zur Verbesserung der Umsetzung des Bologna-Modells an den österreichischen Universitäten vorsieht.
- 13:42 evklides
Der Bolognaprozess wurde in Deutschland nicht mit dem gleichen Kadavergehorsam seitens der Unis angegangen. Ist man in Österreich darauf vorbereitet, dem Diplomstudium wieder die Chance -- wie in Deutschland -- zu geben?
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Die Umsetzung des Bologna-Modells hat auch in Deutschland zu Kritik und zu Studentenprotesten geführt. Bei der Bologna-Konferenz letzte Woche hat sich auch klar gezeigt, dass in vielen Ländern Umsetzungsprobleme aufgetreten sind. Diese Probleme wurden auch klar und deutlich angesprochen und es herrscht Konsens darüber, dass Maßnahmen zur Verbesserung der Umsetzung gesetzt werden müssen.
- 13:44 bäumchen
sg frau karl, die umsetzung ihres zehn-punkte-programms für die verbesserte bologna-umsetzung liegt bei den rektoren - wie wollen sie diese motivieren, denn mir scheint, diese wollen vor allem eines: mehr geld.
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Die Rektoren werden in die Umsetzung dieses Zehn-Punkte-Programms miteingebunden. Es bedarf einer gemeinsamen Kraftanstrengung aller Verantwortlichen an den Universitäten. Es wird daher eine Task Force eingerichtet, der Vertreter der ÖH, der Universitätenkonferenz, der FH-Konferenz, der Senate und Curricular-Kommissionen angehören werden. Gemeinsames Interesse muss es sein, die Qualität der Studienpläne zu verbessern.
- 13:47 clarap
Sehr geehrte Frau Karl Wieso erhalte ich mit einem Mag in Kunstgeschichte einen Befähigungsnachweis im Gastgewerbe und mit einem Bakk in Wirtschaft nicht? Warum wird der Bakk nicht als ein ausreichender Abschluss angesehen?
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Die Anerkennung des Bakk ist ein ganz wichtiger Punkt. Mich stört, dass der Bakk im öffentlichen Dienst nicht als vollwertiger akademischer Abschluss anerkannt wird. Die zuständige Ministerin, Frau Heinisch-Hosek, hat die Einsetzung eines Arbeitskreises angekündigt. Diesen Arbeitskreis gibt es bis jetzt aber leider noch nicht. Mein Ziel ist die vollwertige Anerkennung des Bakk.
- 13:49 evi_hart
Durch die Bachelor Studiengänge werden in verschiedensten Studienrichtungen ehemals vierjährige Diplomstudien in ein dreijähriges Bachelorstudium gezwängt? Das sehe nicht nur ich so, sondern auch einige Kollegen von mir. Wie ist Ihre Meinung dazu?
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Das ist einer der großen Umsetzungsfehler, die passiert sind. Das "Hineinquetschen" eines vierjährigen Diplomstudiums in ein dreijähriges Bakk-Studium führt zu einer inhaltlichen Überlastung des Studiums, die es künftig nicht mehr geben soll. Auch darum wird es in der Umsetzung meines Zehn-Punkte-Programms gehen.
- 13:52 Unternehmer247
Frau Ministerin, die Wirtschaft braucht innovative und kritische AbsolventInnen. Wie sollen die StudentInnen das und Nachhaltigkeit lernen, wenn sie in ein enges Korsett aus STEPs gezwängt werden und Lehrinhalte nicht mitbestimmen dürfen?
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Die Ausgestaltung der Studienpläne fällt in die Zuständigkeit der Curricular-Kommissionen, in denen auch Studierende vertreten sind. Und das heißt, dass Studierende bei der Erstellung der Studienpläne sehr wohl mitbestimmen. Dennoch sind Fehler passiert, die es nun zu beheben gilt. Genau darauf zielt mein Zehn-Punkte-Programm ab.
- 13:54 mcermak
S.g. Frau Karl. Österreich ist ein Land das im internation.Wettbewerb vor allem mit gut ausgebildeten Menschen Punkten kann. Warum bekennt sich die österreichische Politik nicht dazu und stattet die Bereiche Bildung u. Wissenschaft mit einem x-fachen Budget aus?
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Die Investitionen in Bildung, Wissenschaft und Forschung sind ohne Zweifel von großer Bedeutung. Die Budgetverhandlungen werden noch geführt werden und ich werde um jeden Cent für unsere Hochschulen kämpfen.
- 13:56 kritischer_student
Durch Ihre Aussagen zum Thema Zugangsbeschränkungen in einem "News"-Interview haben Sie viele Studierende gegen sich aufgebracht (-> "Ausbuhstunde" im Semperdepot). Wie denken Sie heute darüber? Fühlen Sie sich von den Studierenden falsch verstanden?
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Ich fühle mich insofern falsch verstanden, als immer behauptet wird, ich will flächendeckende Zugangsbeschränkungen. Ich habe immer nur für die Massenstudien Zugangsregelungen gefordert. Darüber hinaus will ich für die Studierenden ein freiwilliges Angebot zur Feststellung der Motivation, Eignung und Neigung für ein bestimmtes Studium schaffen.
- 13:59 Markus Neuner
Sehr geehrte Frau Bundesminister! Durch den Wegfall der Studiengebühren kamen immer mehr Studierende aus dem benachbartem Ausland zu uns. Fänden sie es richtig das es gerade für diese Gruppe wieder Studiengebühren geben soll?
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Die OECD hat in einer jüngsten Studie die weitgehende Abschaffung der Studienbeiträge kritisiert. Ich habe immer gesagt, dass ich Studienbeiträge für richtig halte, dass das momentan aber kein Thema ist.
- 14:03 kritischer_student
Da wir schon bei den Studiengebühren angelangt sind: Aus welchen Gründen halten Sie diese für sinnvoll? Als "Motivation" können sie z.B.: nicht gedacht sein - ich kenne niemanden, den die 363,36 € pro Semester motiviert haben...
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Ich hatte während meiner Zeit als Professorin immer wieder mit Studierenden zu tun, die noch schnell die letzte Prüfung machen wollten bzw. die Diplomarbeit schnell korrigiert haben wollten, um nicht mehr zahlen zu müssen. Das heißt, die Studierenden waren tatsächlich motiviert, ihr Studium schneller abzuschließen. Die Vergleichszahlen zeigen aber nicht nur eine Verkürzung der Studiendauer, sondern auch ein Sinken der Drop-out-Rate. Die Zahl der Absolventinnen und Absolventen hat sich hingegen nicht verringert. Aus Sicht der Universitäten hatten Studienbeiträge den Vorteil der besseren Planbarkeit, da die Zahl der aktiv Studierenden deutlicher war.
- 14:05 Sprachminister
Sie sprechen immer von "freiwilligen Eignungsüberprüfungen". Warum nicht verpflichtend? Dann wären die Unis nicht mit so vielen Platzverschwendern überfüllt.
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Es gibt zahlreiche Studienfächer, die nicht überfüllt sind, zum Beispiel an den technischen Universitäten. Im Moment gehen 60 Prozent der Studienanfänger in bloß zehn Prozent der Studienfächer. Wir brauchen daher auch Maßnahmen im Bereich der Studienwahl-Entscheidung. Hier muss man bereits in der Schule ansetzen. Deshalb sollen Modelle wie etwa der Studien-Checker und die MaturantInnen-Beratung durch die ÖH ausgeweitet werden.
- 14:08 tda_
Zur freiwilligen Selbstreflexion (Eignung/Neigung/...) war ja schon seit längerer Zeit der viel kritisierte (und kostenpflichtige) Studienchecker angedacht. Haben sie hier neue Pläne?
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Der Studienchecker hat sich sehr bewährt und soll daher ausgedehnt werden. Schülern und Lehrern entstehen dabei keine Kosten.
- 14:10 ruzl13
Meiner Meinung nach beruht eine gute Spitze doch meist auf einer breiten Basis. Wieso nutzt man die Chance nicht, dass es gerade so viele potentielle Studenten gibt, und schafft mehr Studienplätze, anstatt den Zugang zu beschränken?
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Zum einen geht es darum, die Qualität für die Studierenden und Lehrenden sicherzustellen. Zum anderen gilt es auch zu berücksichtigen, dass mehr Studierende nicht zwangsläufig zu mehr Absolventinnen und Absolventen führen. In den Massenstudien sind die Drop-out-Raten sehr hoch, es gibt Kock-out-Prüfungen, wo teilweise 70 bis 80 Prozent der Studierenden hinausgeprüft werden. Solche Knock-out-Prüfungen sind intransparent und den Studierenden nicht zumutbar.
- 14:16 DerHausverstand
Was halten Sie davon, das Gefälle im Ansehen von Abschlüssen in Medizin gegenüber allen anderen Fächern abzuschaffen, indem das Diplom-Medizinstudium mit einem Master und nicht einem Doktor abschliesst?
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Es besteht zwar nunmehr die Möglichkeit, im Gesundheitsbereich Bachelor-Studien anzubieten und im Anschluss zB einen Master im Bereich Gesundheitsökonomie, Medizinrecht oder Medizintechnik zu machen. Die ärztliche Ausbildung wird aber nicht auf das Bologna-Modell umgestellt.
- 14:17 tda_
Es wird ja ein Mediziner-Mangel prognostiziert. Laut der letzten Aussagen soll keine neue Med-Uni in Linz gebaut werden sondern die Kapazitäten der derzeitigen Med-Unis ausgebaut werden. Gibt es dazu schon konkrete Pläne?
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Ich warte noch die letzten Studien betreffend den künftigen Ärztebedarf ab und werde dann die diesbezüglichen Gespräche führen.
- 14:20 Michi_Austria
Sehr geehrte Frau Karl. Unterstützen Sie die Gesamtschule?
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Die Gesamtschule gibt es bereits und zwar ist das die Hauptschule auf dem Land und das Gymnasium in der Stadt. Entscheidend ist nicht das Türschild, sondern wie der Unterricht tatsächlich abläuft. Hier ist es zB von Bedeutung, dass Begabungen, Talente und Defizite erkannt und gefördert bzw. ausgeglichen werden.
- 14:22 kripale
Österreich ist im Bereich Forschung leider kein Musterland; es gibt kaum Professoren die in ihrem Fach zur absoluten Weltspitze gehören. Was können wir tun, um vielleicht einmal in ein paarJahrzehnten einen Nobelpreis nach Österreich zu holen?
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Wir stehen im europäischen Vergleich bei der Forschungsquote sehr gut und befinden uns unter den Top 3. Wir haben auch Top-Forscher vorzuweisen, wie zB die Professoren Zeilinger, Blatt, Penninger. Erst kürzlich wurde eine österreichische Wissenschaftlerin, Frau Professor Nowotny, Präsidentin des europäischen Forschungsrates.
- 14:25 koert1000
Als einer in der Lehre eingebundener fällt mir auf, daß in Physik und Mathe die Schulbildung schlechter geworden ist, da hier immer mehr Studierende große Probleme haben. Das senkt das Niveau der techn. Ausbildung. Wären da Eingangstest eine Lösung?
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Hier halte ich es für wichtig, im Schulbereich anzusetzen. Gerade im Bereich Technik und Naturwissenschaften müssen wir auch schon bei den Schülerinnen und Schülern mehr Interesse wecken. Ich unterstütze daher zahlreiche Projekte, bei denen es darum geht, Schülerinnen und Schüler für Forschung und insbesondere für Naturwissenschaften und Technik zu begeistern.
- 14:28 mailat
Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Wieso haben sie im Vorfeld des Bolognagipfels bewusst die Eskalationsstrategie gewählt? Was bezwecken sie damit?
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Ich habe nicht bewusst eine Eskalationsstrategie gewählt. Ich habe ganz im Gegenteil immer meine Dialogbereitschaft auch gegenüber den Studierenden betont und bin nach wie vor dialogbereit.
- 14:31 Luka
Mein Studium auf der WU Wien verzögert sich aufgrund von Kapazitätsengpässe in SBWLs um 1-2 Sem.!Folge:Verlust von Familienbeihilfe! +keine Garantie dass man im folgenden Semester einen Platz bekommt!Für mich zwar zu spät,aber sofort Beschränkungen!
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Die Situation an den Massenstudien ist für die Studierenden und Lehrenden tatsächlich unzumutbar. Ich hoffe, dass im Sinne der Betroffenen bald Abhilfe geschaffen werden kann.
- 14:33 himmermann
Sie waren gleich nach ihrem Amtsantritt ein Liebling der Boulevardmedien - diese schreiben Ihnen sogar optische Ähnlichkeit mit dem deutschen Model Claudia Schiffer zu. Gefällt Ihnen dieser Vergleich und die positive Berichterstattung darüber?
ANTWORT VON Beatrix Karl:
Der Vergleich mit Claudia Schiffer fällt unter journalistische Freiheit.
- 14:36 Beatrix Karl
Vielen Dank für die spannende Diskussion. Leider konnten nicht alle Fragen beantwortet werden. Umso wichtiger ist, dass sich auch die "Presse" in ihrem neuen Format "Studierenden-Ombudsmann" der Probleme der Studierenden annimmt.
ANTWORT VON Beatrix Karl:
- 14:47 DiePresse.com.Moderator
Wir bedanken uns bei Ministerin Beatrix Karl für die interessante Diskussion. Leider konnten nicht alle Fragen beantwortet werden. Für Ihre Fragen zum Thema Universitäten laden wir im Rahmen des Studierenden-Ombudsmanns zum Chat am Mittwoch, dem 17. März. Die Antworten geben der bildungspolitische Referent der ÖH, Lukas Kohl, und der sozialpolitische Referent der ÖH, Stefan Tacha.
diepresse.com
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Beatrix Karl: ''Studienbeiträge momentan kein Thema"
15.03.2010 | 16:47 | (DiePresse.com)
livechat Wissenschaftsministerin Beatrix Karl meint im "DiePresse.com"-Chat, sie halte Studiengebühren zwar für richtig, momentan seien diese aber kein Thema. Sie verteidigt den Bologna-Prozess und will Maßnahmen zur vollen Annerkennung des Bakk setzen.
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