Bei der Therapie gemütlich hinsetzen, ein Buch lesen und – der Rückenschmerz ist stark gelindert. Niedersetzen, eine Zeitung nehmen und – der Arthroseschmerz lässt nach. Hinlegen, vielleicht ein wenig dösen und – der osteoporotische Knochen ist wieder stärker. Solches verspricht die – zumindest für Österreich – relativ neue Methode MBST. Das bedeutet so viel wie Multibiosignaltherapie und beruht auf dem Prinzip der Kernspinresonanz. Sie ist vielen als diagnostisches Verfahren MRT (Magnetresonanztomografie) bekannt. Bei der Bildgebung allerdings ist die Feldstärke rund 10.000-fach stärker als bei der MBST, die mit weitaus schwächeren Magnetfeldern und Radiofrequenzen auskommt.
Energie für das Gewebe
Reinhard Weinstabl, Facharzt für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie arbeitet an der Wiener Privatklinik seit 2005 mit MBST-Geräten – keine Angst, keine enge Röhren, sondern neuerdings sogar offene Spulen, in die man Füße oder Hände legt, oder die Osteo-Liege in Form eines Betts. „Freilich braucht man bis zu zehn Behandlungen, ehe eine Wirkung eintritt. Einfach erklärt funktioniert das folgendermaßen: Über Schwingungsfrequenzen in dreidimensionalen Magnetfeldern nehmen Wasserstoffkerne des Körpers Energie auf und geben sie anschließend an umliegendes Gewebe wieder ab. So wird das Wachstum von Knorpel- und Knochengewebe stimuliert.“
Gute Erfahrungen bei Osteoporose
Die Kernspinresonanz-Therapie wirkt, so der Professor. Das zeigen viele Untersuchungen an Sporthochschulen, Krankenhäusern und Universitätskliniken. Es gäbe bereits Erfahrung über einen Zeitraum von zehn Jahren, an mehreren tausend Patienten. Weinstabls Erfahrungen: „Ich habe die Knochendichte bei Patienten mit Osteoporose vor und nach der Behandlung in einem unabhängigen Institut prüfen lassen. Sechs Wochen nach der Behandlung war der Knochendichtewert signifikant besser. Und das bei nahezu 100 Prozent.“ Ähnlich positive Erfahrungen hat auch der deutsche Orthopäde und Professor Christian Melzer aus Bad Düben gemacht, in einer eher kleinen Studie mit 54 Patienten. „Die Hälfte erhielt Scheinbehandlungen, also Placebo, die andere Hälfte zehn MBST-Behandlungen. Bei Letzteren zeigte sich eine signifikante Zunahme des Knochenmineralgehalts sechs Monate nach der Therapie.“
Bei Arthrose, so Mediziner Weinstabl, sprächen 70 Prozent der Patienten auf MBST an. „Sie berichten von weniger Schmerzen und mehr Beweglichkeit.“ Auch Knochenbrüche und Sehneneinrisse heilen nach Angaben von Weinstabl schneller, helfen könne MBST auch bei degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen, Meniskusbeschwerden und gewissen Sportverletzungen. Die Behandlung besteht aus mehreren Sitzungen in offenen Geräten und kostet 760 bis 1000 Euro, die Kassen zahlen nicht.
Der Unfallchirurg und Sportarzt Peter Valentin aus Klosterneuburg spricht von „sensationellen Ergebnissen bei Knorpelschäden. Selbst bei Osteonekrosen, also abgestorbenen Knochenbezirken, die erfahrungsgemäß immer operiert werden müssen, hat MBST überraschende Erfolge erzielt.“
Die Theorie zur Praxis liefert unter anderem Werner Kullich, Dozent und Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Rehabilitation interner Erkrankungen in Saalfelden, wo seit über sieben Jahren die Auswirkungen der therapeutischen Kernspinresonanz auf den menschlichen Organismus beziehungsweise auf zelluläre Prozesse untersucht werden.
Rückenschmerzen gebessert
Unter anderem gab es vor drei Jahren eine kontrollierte Studie an 120 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen. „Zusätzlich zum standardmäßigen Rehabilitationsprogramm erhielten die Probanden MBST-Behandlungen. Bei der Hälfte der Teilnehmer aber war die Chipkarte für das Kernspinresonanzgerät so präpariert, dass sie de facto keine Behandlung erhielten, also nur Placebo. Weder Arzt noch Patient wusste, wer Placebo und wer die echte Behandlung bekam.“ Das Ergebnis in Kürze: In beiden Gruppen gab es Schmerzlinderung, bei der Verumgruppe war sie aber noch deutlicher ausgeprägt. Bei einer weiteren Befragung nach einem halben Jahr waren die Effekte bei der MBST-Gruppe noch deutlich verbessert, bei der Placebo-Gruppe gab es entweder keine Verbesserungen oder sogar Verschlechterungen.
Bei Fingergelenksarthrosen
Noch bessere Ergebnisse erbrachte eine ebenfalls placebokontrollierte und doppelblind durchgeführte Studie an Patienten mit Hand- und Fingergelenksarthrosen, die Kullich gemeinsam mit dem Kärntner Arzt Michael Ausserwinkler durchführte. „Die Schmerzintensität konnte durch die Kernspinresonanz signifikant vermindert werden, die Handfunktion besserte sich deutlich.“
Kullich forscht aber auch an Zellkulturen, „ich überprüfe, welche Auswirkungen Kernspinresonanz (KSR) auf die Zelle hat. Wir haben 600 Gene untersucht und Folgendes gesehen: Prinzipiell ist jede Zelle in der Lage, Wachstumsfaktoren zu bilden. Durch die therapeutische KSR werden nun einerseits bestimmte Gene angeschaltet, die für Wachstumsfaktoren verantwortlich sind.“ Zudem werde Energie auf Knorpel- und Knochenzellen übertragen. „Die Zelle reagiert, indem sie ihre Stoffwechselaktivität ankurbelt. Und das, so nehmen wir an, hat positive Effekte auf Knorpel und Knochen und induziert reparative Vorgänge.“ Es gäbe auch erste Hinweise hinsichtlich positiver Einflüsse auf Entzündungsmechanismen.
Wirkt bei älteren Personen besser
Bedenken, dass MBST auch Krebszellen aktiviert, teilt Kullich nicht: „Weder unsere noch andere Forschungsarbeiten deuten darauf hin.“ Es gäbe bisher auch keinerlei Hinweise auf irgendwelche anderen Nebenwirkungen von MBST.
Zu diesem Schluss kommen auch alle anderen Studien zur Kernspinresonanz, von denen nur noch eine erwähnt sei: Das Labor für Biophysik der FH Aachen-Jülich belegte erstmals den Langzeiterfolg dieser alternativen Therapie bei Kniearthrose an 39 Patienten. Insgesamt weist die Studie auf eine anhaltende Verbesserung mit zum Teil deutlicher Schmerzlinderung auch noch nach vier Jahren hin.
Interessant dabei: „Die Therapie wirkte tendenziell besser bei Frauen, bei älteren Menschen und bei sportlich wenig bis nicht aktiven Patienten“, vermerken die Autoren in der Fachzeitschrift Orthopädische Praxis.
