Ausgerechnet Karl Lagerfeld, der nach seiner eigenen Abmagerungskur mit extrahohen Hemdkragen den verstörenden Eindruck erweckt, er müsse entweder seinen Kopf stützen oder seine Falten verpacken, ätzte jüngst in „Focus“ über die neueste Bewegung gegen Magermodels: „Da sitzen dicke Muttis mit der Chipstüte vorm Fernseher und sagen, dünne Models sind hässlich.“ Die Modewelt habe aber mit Träumen und Illusionen zu tun. Die können nach Ansicht Lagerfelds offenbar vor allem Frauen vermitteln, deren hervorspringende Hüften die Körbchengröße des Büstenhalters deutlich übertreffen.
Ein immer größerer Teil der Menschheit ist da jedoch anderer Ansicht (nicht nur „dicke Muttis“). Die Frauenzeitschrift „Brigitte“ – Karl würde vermutlich die Nase rümpfen – verzichtet z. B. ganz auf Magermodels: Ab 2010 werden normale Frauen oder Prominente (die auch selten Modelmaße haben) die Mode präsentieren. Ziel ist der Kampf gegen Bulimie (Ess-/Brechsucht) und Anorexie (Magersucht) bei jungen Frauen, die nicht zuletzt auf das Beispiel zu dünner Vorbilder zurückgeführt werden.
Man kann dem Thema auch mit Humor begegnen. „Playboy“-Gründer Hugh Hefner konterkariert das überlieferte Schönheitsideal sehr charmant: Er bat Trickfilmikone Marge Simpson, deren Alter auf 40 Jahre geschätzt wird, sich für das Männermagazin zu „entblättern“. Der November-„Playboy“ zeigt Homer Simpsons Ehefrau mit der turmhohen kobaltblauen Haarpracht nackt (aber leicht verdeckt) am Cover. Ziel ist es, mehr junge Leser zu gewinnen – und die sind es ja, die oft meinen, sie müssten es den wandelnden Gerippen am Laufsteg oder den am Computer nachbehandelten Werbeschönheiten nachmachen – manchmal bis zum Tod. Dann lieber Chips essen und „Simpsons“ schauen!