WIEN. Soll man sich gegen die Neue Grippe (auch: Schweinegrippe) impfen lassen, auch wenn man nicht zur Risikogruppe der chronisch Kranken zwischen sechs Monaten und 49 Jahren oder Schwangeren zählt? Österreichs Minister halten wenig davon, und auch die Österreicher selbst erklärten sich in einer Umfrage nur zu 18 Prozent zur Impfung bereit. Ob allerjüngste Erkenntnisse die Entscheidung erleichtern?
Studien legen nämlich nahe, dass auch eine Impfung reichen könnte. Nach derzeitigem Stand muss der für Österreich zugelassene Impfstoff „Celvapan“ der Firma Baxter zweimal im Abstand von mindestens drei Wochen verabreicht werden. „EU-weit und mit den Firmen wird darüber gerade heftig diskutiert“, sagt Marcus Müllner, Leiter der AGES PharmMed, der nationalen Zulassungsstelle für Arzneimittel im Gespräch mit der „Presse“: „Vordergründig sehen die Daten so aus, als würde einmal reichen.“
Allerdings, räumt Müllner ein: „Wir sind noch nicht ganz überzeugt.“ Deshalb liege es jetzt an den Firmen, zu beweisen, dass eine einmalige Impfung ausreichend ist. Bis zu einer Entscheidung könne es „zwei Wochen oder auch drei Monate dauern“.
Die Änderung ist deshalb möglich, weil – obwohl der Impfstoff Celvapan bereits zugelassen ist – im Hintergrund weitere Studien laufen. Schließlich handle es sich um einen „pandemischen Impfstoff“, der innerhalb kurzer Zeit entwickelt werden musste.
Einerseits sammle Baxter, so Müllner, mit Beginn des klinischen Einsatzes in einer Beobachtungsstudie Sicherheitsdaten bei 9000 Impflingen. Andererseits gebe es bereits seit einigen Wochen sogenannte „Dosisfindungsstudien“, mit denen herausgefunden werden soll, ob man auch mit weniger als der vorerst zugelassenen Dosis auskommen könne. „Das könnte bedeuten, dass vor allem Kinder, aber auch Erwachsene weniger brauchen.“ Und eben auch, dass eine Impfung reicht.
Die Ergebnisse könnten, wie gesagt, noch bis zu drei Monate auf sich warten lassen. Eines lasse sich aus der Studie, im Zuge derer der Wirkstoff in Österreich an insgesamt 600 Erwachsene und 400 Kinder verabreicht wird, aber schon ablesen: „Die Nebenwirkungen sind die gleichen wie vorhergesagt“, sagt Müllner. Und treten auch in der selben Rate auf wie bei bekannten Grippeimpfungen. Häufigste Nebenwirkung sind dabei Schmerzen an der Einstichstelle (bei zehn bis 20 Prozent), gefolgt von Kopfschmerzen und Fieber.
Für Kinder „gut verträglich“
Bedenken gegen den Impfstoff Celvapan kam indessen etwa vom deutschen Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, der kritisiert, dass der Stoff vor der Zulassung an Kindern nicht erprobt worden war. Das liege in der Natur einer „pandemischen Zulassung“, so Müllner. Arnold Pollak, Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, gibt hier vorsichtig Entwarnung. „Die bisherigen Studienergebnisse zeigen, dass die Verträglichkeit wie erwartet sehr, sehr gut ist.“ Allerdings: „Wo wir noch Daten brauchen, ist die Gruppe der Säuglinge ab sechs Monaten.“
Für chronisch kranke Kinder, die etwa unter Lungen- oder Herzerkrankungen leiden, sei, so Pollak, die Impfung zu empfehlen. Zu einer generellen Empfehlung könne er im Moment nichts sagen. Er selbst lasse sich jedoch „selbstverständlich“ impfen.
Start im Gesundheitsbereich
Für Personen wie ihn, jene im Gesundheitswesen, läuft die Impfaktion ab Dienstag. Wie viele Mitarbeiter sich impfen lassen, sei schwer abzuschätzen, meint Susanne Drapalik vom Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV). Bei der saisonalen Grippe seien es 20 bis 30 Prozent. Mehr als im Durchschnitt der Bevölkerung, von der sich zwölf Prozent gegen die „normale“ Grippe impfen lassen. Im KAV ist die Impfung für Mitarbeiter gratis, generell werde auf Länderebene entschieden, ob die Rezeptgebühr bezahlt werden muss, so Thomas Geiblinger, Sprecher von Gesundheitsminister Alois Stöger. Die restliche Bevölkerung, die sich ab 9. November impfen lassen kann, muss 4,90Euro Rezeptgebühr bezahlen.