100 Euro für eine Massage, und dann ist es bloß eine unprofessionelle Streichelei. 125 für eine Gesichtsbehandlung, die dann eine nicht ausgebildete Kraft mehr schlecht als recht macht. 250Euro für eine Hotelübernachtung, und dann ist der Erdäpfelsalat aus dem Packerl. „Österreichs Wellnesshotels haben nachgelassen“, ortet Mag. Christian Werner, der seit elf Jahren den Relax Guide herausgibt, der kritisch durch die Hotellandschaft führt und mit Lilien und Punkten bewertet.
Billiges Personal & Preisschlacht
Der Relax Guide 2010 ist nicht gerade eine Lobeshymne, es gab einen Rekordverlust an Punkten und Lilien. Mit ein Grund dafür: eingangs erwähnte Missstände, die – so Werner – nicht Ausnahme, sondern Trend seien, hauptsächlich in weniger erfolgreichen Hotels. Von den 100 Massagen, die er erlebt habe, möchte er 93 am besten vergessen. Billiges Personal biete eben mindere Qualität. „Es ist eine Frechheit, so am Gast zu sparen.“
Andrerseits käme es zu einer ruinösen Preisschlacht: Der deutliche Umsatzrückgang vor allem bei weniger guten Wellnesshotels führe dazu, dass Übernachtung/Frühstück in einem Viereinhalbsternehaus um 29Euro möglich seien. Ein Blick auf die generelle Preispolitik: Die besseren Hotels sind gegenüber dem Vorjahr um 5,5Prozent teurer geworden, Doppelzimmer mit Halbpension kosten in der billigsten Saison und günstigsten Kategorie durchschnittlich 92,41Euro, der Durchschnittspreis aller heimischen Wellnesshotels liegt bei 77,28Euro.
Eine einzige Massage ist oft teurer! Wie kann sich der Gast vor massierter Scharlatanerie schützen? Der Relax Guide hilft da nur bedingt, „denn das ist ein Problem. Es gibt ja nicht nur einen Masseur und darüber hinaus eine große Fluktuation.“ Der Gast könnte zum einen konkret nach der Ausbildung des Masseurs fragen und zum anderen: „Grundsätzlich sollte man von exotischen Massagen wie Lomi Lomi oder Nuad Abstand nehmen, denn da gibt's noch mehr Möglichkeiten zu haarsträubendem Nichtkönnen“, rät Werner.
Häufig ist eine Massage ein bisschen so etwas wie ein Lotteriespiel, „im Vorhinein kann man nie wirklich sagen, wie's wird“. Detto bei Beautybehandlungen. Auch hier könnte man nach der Ausbildung der Kosmetikerin fragen, und „wenn mit hochwertigen Kosmetikmarken gearbeitet wird, ist die Chance auf eine gute Behandlung etwas größer, weil die guten Marken für Schulung und Weiterbildung der Kosmetikerinnen sorgen“, weiß Werner. Wenn mit Hotel-Eigenmarken geworben wird, sie meist Vorsicht angebracht.
Im Relax Guide 2010 werden 956 Hotels erwähnt, mehr als 150 wurden gegenüber dem Vorjahr zurückgestuft, 63 neue kamen dazu, insgesamt konnten nur 31Prozent mindestens eine Lilie erreichen. „Das ist der tiefste Wert in der elfjährigen Geschichte des Guides.“ Neu ist ein spezielles Ranking aller 60 Spa-Hotels für Babys, weitere Extras sind ein Ranking der Top60 bezüglich Poolwasser sowie Gourmet Top70.
Die Topbetriebe
Absolute Topbetriebe, also solche mit vier Lilien und 20 Punkten, gibt es fünf im aktuellen Relax Guide (im Handel um 17,90Euro erhältlich): Schalber Wellness Residenz in Serfaus („die Treatments werden äußerst professionell durchgeführt“); Reiters Supreme in Bad Tatzmannsdorf („größer geht's nicht; mehr Fläche in einem Hotel-Wellnessbereich gibt es nirgendwo: 8500m2 Spa sind bislang unübertroffen“); Balance Resort in Stegersbach („sehr kompetent durchgeführte Massagen in ansprechendem Raum“); Ronacher Thermenhotel in Bad Kleinkirchheim („mit großem Abstand die edelste Adresse der Region“); Hochschober („Der Zauber liebevoller Aufmerksamkeit wird hier derart verschwenderisch unter die Gäste gebracht, dass selbst chronisch Schlechtgelaunte ungeahnte Stimmungshöhen erleben“).