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Eine Nachricht für Allergiker: Die Impfung wirkt!

16.06.2012 | 17:55 | von Martin Kugler (Die Presse)

Die Ursachen für die dramatische Ausweitung von "Heuschnupfen" sind weitgehend unklar. Ein Impfstoff gegen Gräserpollenallergien verringerte nun in einer klinischen Studie die Symptome.

Heuschnupfen wächst sich immer mehr zu einer Pandemie aus: In den westlichen Industrieländern reagiert schon beinahe jeder Dritte mit Augentriefen, Juckreiz, Nasenrinnen oder Niesen auf Pollen. Die Tendenz ist steigend: In den nächsten Jahrzehnten, so erwarten Experten, wird die Zahl der Allergiker auf 50 oder sogar 60 Prozent steigen.

Die Ursachen für diese dramatische Ausweitung der Zivilisationskrankheit „Heuschnupfen“ sind weitgehend unklar. Doch es gibt Hoffnung für die Betroffenen: Impfstoffe, an denen seit vielen Jahren geforscht wird, zeigen nun in ersten größeren Tests am Menschen Wirkung. Das Wiener Biotech-Unternehmen „Biomay“ hat diese Woche die Resultate einer Phase-IIa-Studie mit einem Impfstoff gegen rund 70 Gräserpollen bekannt gegeben: Demnach ist das Vakzin sicher, gut verträglich und verringerte die allergischen Symptome signifikant.

Bei Biomay jubelt man über dieses Ergebnis – denn es zeigt, dass die Technologie dahinter funktioniert. Der getestete Impfstoff namens BM32 besteht nämlich aus einem künstlich hergestellten Protein, das zwei Teile umfasst: Ein Bereich stammt von den allergieauslösenden Pollen – es handelt sich dabei um jene Bereiche, die im Körper von B-Lymphozyten erkannt werden. Der zweite Bereich ist ein Trägerprotein, das eine immunologische Reaktion auslöst und für die notwendige Hilfe durch T-Lymphozyten sorgt.


Fusionsprotein. Diese beiden Proteine wurden im Labor fusioniert. Die Kombination bewirkt im menschlichen Körper die Bildung von spezifischen Antikörpern des Typs IgG, die sich gegen Antikörper des Typs IgE richten – Letztere sind für die allergischen Reaktionen verantwortlich, und genau ihre Wirkung wird durch den Impfstoff nun blockiert.

Das wurde in folgendem Versuch gezeigt: Die geimpften Versuchsteilnehmer wurden einer kontrollierten Menge an Gräserpollen ausgesetzt, dann wurden die Symptome untersucht. Zudem wurde ein Haut-Prick-Test durchgeführt. Bei beiden Untersuchungen zeigte sich gegenüber einer Kontrollgruppe, die ein unwirksames Placebo verabreicht bekam, eine deutliche Linderung der allergischen Reaktionen.

Der Weg zu einem marktreifen Impfstoff ist allerdings noch weit: Noch heuer beginnt an elf europäischen Allergiezentren eine Phase-IIb-Studie, bei der der Impfstoff an rund 180 Patienten während zwei Pollensaisonen bei natürlicher Pollenbelastung in der Umwelt getestet wird. Ergebnisse wird es im Jahr 2014 geben, vor der Marktzulassung ist dann noch eine große Phase-III-Studie erforderlich.

Biomay arbeitet bei der Forschung und Entwicklung sehr eng mit der Medizin-Uni Wien und der Uni Salzburg zusammen. Zudem ist Biomay der Industriepartner von nicht weniger als vier Christian-Doppler-Labors, die sich mit Fragen der Immunologie beschäftigen (siehe links).

Biomay kooperiert bei seiner Forschung und Entwicklung mit vier Christian-Doppler-Labors (CD-Labors):

Allergieforschung, angesiedelt an der Med-Uni Wien, geleitet wird es von Rudolf Valenta.

Immunmodulation, Med-Uni Wien, Barbara Bohle.

Allergiechips,
Med-Uni Wien, Susanne Vrtala.

Allergiediagnose und -therapie, Uni Salzburg, Fatima Ferreira.


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