Der mausgraue Herr Blöhmann aus Loriots „Eheberatung“ will seine Lieblingsfarbe partout nicht verraten: „Ich kenne diese psychologischen Tricks! Man sagt irgendeine Farbe, und schon wird man schuldig geschieden!“ – Nikolaus Harnoncourt gibt ihm indirekt recht. Denn dieser entdeckungsfreudige musikalische Psychologe holt zielsicher jene kleinen, aus seiner Sicht verräterischen Details ans Licht, die Joseph Haydn über die Partitur seiner vermeintlich komischen Oper „L'infedeltà delusa“ als charakterisierende Gemmen ausgestreut hat, und betrachtet sie durchs Vergrößerungsglas.
Die heitere Burleske kippt dadurch auf faszinierend schlüssige Weise in blanken Zynismus. Etwa in der Gestalt des Filippo, über dessen Charakter Harnoncourt keine Sekunde zweifelt, wie er in seiner launigen Ansprache vor Beginn der konzertanten, mit halbszenischen Details verdeutlichten Aufführung betonte: „Nach drei Tönen wissen wir: Der Vater prügelt seine Frau.“ In der Tat sind, wenn Werner Güra mit wendigem, doch schwerer gewordenem Tenor seine Tochter Sandrina auf den von ihm gewünschten Schwiegersohn einschwören will, im Orchester jene Tachteln präsent, die er ihr widrigenfalls anträgt. Mit zierlichem Sopran schmachtet und leidet sie (Martina Janková), weil sie nicht ihren Nanni, sondern Nencio heiraten soll. Auch wenn Harnoncourt „irgendwie alle unsympathisch“ findet, ist dieser windige reiche Jungbauer (Kenneth Tarver mit schlankem, leichtem Tenor) der eigentliche Unhold, weil er sich von Vespina lossagt, die begüterte Sandrina nehmen will – und eine boshafte Lacharie anstimmt, als ihm vorgegaukelt wird, Sandrina müsse statt seiner einen Küchenjungen heiraten.
Pauken schmettern zum Ehekrieg
Während Nanni (pointiert: Florian Boesch) mit zusammengebissenen Zähnen seine Wut artikuliert, besitzt seine Schwester Vespina genug Mutterwitz, die Sache trickreich zurechtzubiegen. Ihre Auftritte in allerlei Verkleidungen waren die Höhepunkte des Abends – und das gar nicht in erster Linie der komödiantisch-wandlungsfähigen Juliane Banse, sondern des genialen Orchestersatzes wegen: Als komische Alte schildert sie allerlei Zipperlein, die Haydn zum klingenden Pschyrembel ausarbeitet. Wenn sich zum Finale die „richtigen“ Paare finden, donnern die Pauken, schmettert das Blech martialisch: Der Ehekrieg kann beginnen! wawe