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Art Salzburg: "Man lässt sich hinreißen!"

18.08.2012 | 17:57 | von BARBARA PETSCH (Die Presse)

In ihrem sechsten Jahr hat sich die Kunstmesse "Art Salzburg" in der Residenz etabliert, sagen die Händler. Sie sind mit denAbschlüssenzufrieden. Käufer bevorzugen Stilmischungen.

Leuchtend rote Anemonen geben dem Gemälde Marc Chagalls den Namen und eine fröhliche Note, doch es offenbart auch Melancholie: Tote Vögel liegen zu Füßen der Vase. Das Bild aus dem Jahr 1956 ist mit 1,45 Mio. Euro eines der teuersten, die die Kunsthandlung Salis & Vertes bei der sechsten „Art Salzburg“ anbietet. Festspielgäste sind die wichtigste Käufergruppe. Doch dass die Hoffnungsträger des Kunstmarktes, Russen und Chinesen, auf Messen besonders oft „zuschlagen“, kann Kunsthändler Thomas Salis nicht bestätigen: „Russen und Chinesen sind Auktionskäufer, sie lieben die Gesellschaft, das Spiel und das Gefühl, nicht allein zu sein mit ihrer Leidenschaft.“ 300.000 oder 500.000 Euro seien „kein Taschengeld“, trotzdem erfolgen Kunstkäufe oft spontan. „Natürlich lässt man sich hinreißen“, sagt Salis und erinnert sich, wie er im Dorotheum für Alexej Jawlenskys „Wasserburger Landschaft“ das selbst verordnete Limit überschritt und 500.000 statt 400.000 Euro bezahlte.

Einen Stil verfolgt heute keiner mehr: „Die Leute hängen einen Poliakoff über einen Renaissance-Tisch und stellen einen Buddha neben eine afrikanische Maske. Ich finde das schön so.“ Weniger erfreulich ist, was Salis jüngst von einem Dekorateur erfuhr: „Tapeten sind wieder ganz stark im Kommen.“ 40 Galeristen präsentieren sich bei der Art Salzburg, die sich nach anfänglichen Schwierigkeiten etabliert hat, findet Alfredo Reyes von der Kunsthandlung Röbbig in München, die auf Porzellan sowie französische und deutsche Möbel spezialisiert ist. „Kommerziell sind wir zufrieden und überlegen nicht mehr, ob wir in Salzburg weiter mitmachen“, sagt er.


Meißner Kostbarkeiten. Zwei Objekte wurden gleich zu Beginn der Messe verkauft: Eine Meißner Wärmeglocke von Johann Friedrich Eberlein (1740) wechselte für 150.000 Euro den Besitzer, eine Tabatiere mit Seeschlachtszene brachte 65.000 Euro. Die Wirtschaftskrise spürt man nicht, aber Kunst mittlerer Qualität findet kaum noch Käufer: „Man muss sich spezialisieren und Hochklassiges anbieten“, ist Reyes überzeugt. Auch die Wiener Kunsthandlung Giese & Schweiger verkaufte bereits am Anfang drei Bilder: ein Stillleben von Anton Faistauer, einen Romako und einen Thomas Ender. „Es gibt die großen Unbekannten, die viel Geld ausgeben“, meint Alexander Giese. Darum muss man nicht nur in Maastricht oder Basel, sondern auch auf kleineren Veranstaltungen präsent sein, darf nicht gleich die Geduld verlieren, „wenn weniger Leute kommen, weil das Wetter schön ist“, sondern man hält sich am besten an die alte Devise: „Es gibt keine Messe, wo alle nichts verkaufen.“ Eines der Prunkstücke von Giese & Schweiger ist Schieles „Stehende junge Dame im Profil nach links von 1914“ (290.000 Euro).

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