Das Haus erzählt schon ohne jede Ausstellung deutsch-deutsche Geschichte: 1843 wurde es im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. von dessen Hausarchitekten Ludwig Persius für Kurd Wolfgang von Schöning, den Hofmarschall des Prinzen Carl, gebaut. Es sei, sagt der heutige Miteigentümer Mathias Döpfner, „aus einer ästhetischen Laune des Königs heraus“ entstanden: „Der König hat gesagt, der Blick dort drüben stört mich, da steht etwas Hässliches“, weshalb er den Hofmarschall gebeten habe, dort mit dem Architekten seines Vertrauens, „letztlich auch mit seinem Geld“, ein Haus zu bauen. „Wenn man so will, war das eine nur als Privathaus getarnte feudale Geste“, meint Döpfner.
Später wurde es von der Familie des Mitgründers der Deutschen Bank, Hermann Wallich, gekauft. Eine jüdische Familie, die dort über hundert Jahre Eigentümer war „und sozusagen beispielhaft eine jüdische Assimilationsgeschichte in Deutschland erzählt“, wie Mathias Döpfner meint, und zwar bis zum Ende: Hermann Wallichs Sohn Paul hat sich am Tag nach der Reichspogromnacht umgebracht und einen Abschiedsbrief hinterlassen, in dem er schrieb, dass die Nazis „jetzt die Hakenkreuzfahne auf unserem Haus hissen“ könnten – was dann auch passierte. Nach den Nazis kamen die Russen, das Haus wurde zum KGB-Büro, an der nahe gelegenen Glienicker Brücke, die für den normalen Verkehr gesperrt war, wurden zwischen West und Ost Spione ausgetauscht. 1950 wurde das Haus zum DDR-Kindergarten.
Nach der Wende wurde die Villa von einem westdeutschen Immobilieninvestor gekauft, der es abreißen wollte, um auf dem Grundstück mehrere Häuser zu errichten. In diesem Moment kamen Döpfner, der seit 1998 in Potsdam wohnt und jeden Tag über die Glienicker Brücke nach Berlin und zurückfährt, und sein Freund Leonhard Fischer ins Spiel. Sie kauften das Haus, sanierten es und machen es ab heute der Öffentlichkeit zugänglich.
Im unteren Teil des Hauses wird vor allem mit dem Medium Video deutsch-deutsche Geschichte dokumentiert. Im oberen Stock sind Wechselausstellungen geplant, in denen diese Geschichte aus der Perspektive der zeitgenössischen Kunst reflektiert werden sollen. Den Anfang macht „1989“, eine Kooperation mit der Kunsthalle Wien, wo Gerald Matt derzeit eine ziemlich eindrucksvolle Ausstellung mit demselben Titel zeigt. Zur Eröffnung wird am Vorabend des 20. Jahrestags des Mauerfalls die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet.