Krise? „Das heißt für uns nur, härten arbeiten zu müssen“, kontert Gemäldehändler Alexander Giese. Die Früchte dieser Mehrarbeit der Kunsthändler können ab diesem Wochenende in der Hofburg begutachtet werden – bei „Giese & Schweiger“ etwa findet man als Besonderheit eine Kröte, die einst Kapernhändlerin war und vor Gericht mit nackten Tatsachen beweisen konnte, dass sie schöner sei als Aphrodite. Der Klassizist Heinrich Friedrich Füger hat die Sage der ehemaligen Kapernhändlerin Phryne (Kröte), die in Athen ob ihrer Schönheit berühmt wurde, um 1810 gemalt. Eine Schönheit, die man kaufen kann – um 160.000 Euro.
Eines der preislichen Highlights der Messe ist dagegen Hundertwassers „Garten ohne Grund“ aus einer österreichischen Privatsammlung, den Kovacek und Zetter anbieten. Ein relativ frühes Gemälde des international immer noch nachgefragtesten österreichischen Künstlers, das gerne zu Ausstellungen verliehen wurde, von Südamerika bis Japan. 1961 gemalt, kommt es hier auf 320.000 Euro.
Die Damen der Kunstgeschichte werden vergleichsweise günstig abgegeben: Ein frisch auf den Markt gekommenes, seltenes Expansion-Bild von Kiki Kogelnik etwa kommt auf 128.000 Euro, es füllt eine ganze Kojenwand der Galerie bei der Albertina mit Leinwänden und daraus entsprungenen schwarzen Keramikteilen. Zwei älteren Herren, Josef Dobrowsky und Willy Eisenschitz, hat der Kunsthandel Schütz seinen Stand gewidmet – beide würden heuer immerhin 120. Geburtstag feiern.
„Zu viele Gemäldehändler“, lautet die leise Kritik der Kollegen, die man bereits zu Beginn der immer unübersichtlicher werdenden Messe hört. Grund dafür scheint, wie bei vielen Antiquitätenmessen, die immer stärker werdende Öffnung in Richtung Zeitgenossen.
Wobei unter den Erstausstellern keine dezidierten Gemäldespezialisten sind: „Lilly's Art“ zum Beispiel, konzentriert auf historische Uhren – obwohl auch hier dazwischen, immerhin, ein Waldmüller hängt, die „Kranzljungfer“; oder die junge Händlerin Anja Ritter, die im Thüringer Wald ihr Geschäft betreibt, von wo sie überraschenderweise drei Rokokoschränke aus dem Familienbesitz von Engelbert Dollfuß mitbrachte. sp
Hofburgmesse bis 15.11., täglich 11–19 Uhr, Eintritt: 13 Euro.