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Disziplin in tausend Blättern

21.11.2009 | 18:47 | von Heide rampetzreiter (Die Presse)

Für den neuen Uni-Campus im Prater baut Architekt Hitoshi Abe einen Komplex für Büros, Bibliothek und Institute. Ein Spiel mit Licht, Luft und ein wenig Konditorkunst.

Die Universität der Vergangenheit förderte die Disziplin“, sagt Architekt Hitoshi Abe. Für den neuen Campus der Wirtschaftsuniversität Wien im Prater baut der Japaner nun mit an einer „Universität der Zukunft“. Er entwarf einen Gebäudekomplex, in dem Büros, eine Fachbibliothek und mehrere Institute untergebracht werden und der sich von herkömmlichen Universitäten stark unterscheiden soll. Mit dem Gebäude will Abe mehr als eine hübsche Hülle schaffen, er will vor allem die Kommunikation stimulieren, die „Interaktion zwischen Menschen maximieren“. Damit sich Studierende und Lehrende austauschen und sich so mittels „informeller Kommunikation“ in Begegnungen weiterbilden. Denn: „Eine Universität der Zukunft sollte diese Eigenschaften haben“, meint Abe.

Wie das aussehen soll? Der Architekt vergleicht sein Gebäude gerne mit dem französischen Kuchen „Mille-feuille“. Wie sich Creme- und Teigschichten übereinanderstapeln, so sollen sich auch an der Kaiserallee die Gebäudeteile und Stockwerke über- und nebeneinander reihen, in „tausend Blättern“. Die Menschen darin sollen sich aber nicht in Bahnen aneinander vorbeibewegen, sondern Raum für Begegnungen finden. Viel Glas prägt den Bau, auch innen – zwischen Atrium und Büros beispielsweise. Trotzdem: In Sachen Transparenz musste sich Abe auch ein Stück zurücknehmen. Das sei ein Wunsch des Bauherren gewesen. In Wien tendiere man eben dazu, private und öffentliche Bereiche strikt zu trennen.


Gebäude der Gegensätze. Als Lehrender hat der Architekt Erfahrungen in und außerhalb seines Heimatlandes gesammelt, etwa an der UCLA in Kalifornien. Ihm sei eine Mischung aus Disziplin und Kreativität wichtig – zwei Dinge, die sich nicht widerstandslos ineinanderfügen. „Ich glaube an die Balance“, sagt der 47-Jährige. Auch sein Gebäude soll Gegensätzliches verbinden. Am Rotundenplatz und am Ende der Kaiserallee kommt dem Bau nämlich eine zentrale Funktion zu: Er soll den Lernort Campus und den Erholungsort Prater verbinden. Für Abe ein Heimspiel: Die Verschmelzung von Natur und Kultur machte ihn als Architekten international bekannt. Er baute in Japan das „Miyagi Stadium“, in dem 2002 Fußball-WM-Spiele ausgetragen wurden. Fast 50.000 Menschen fasst die Sportstätte. In einem Hügel versteckt dient sie auch als Erholungsort und Parklandschaft. In Wien sollen Passagen und eine Gasse für Durchlässigkeit sorgen.

Mit Österreich verbindet den Japaner eine besondere Beziehung. Er habe das Gefühl, er bewege sich in einer Art geografischen Dreiecks aus Japan, Los Angeles und Wien, sagt er. Als junger Architekt arbeitete er in Kalifornien für das Wiener Architektenbüro Coop Himmelb(l)au. 1992 eröffnete er sein eigenes Büro, das Atelier Hitoshi Abe. Sein momentan größtes Projekt entsteht nun in Wien – in der Stadt, deren „massive körperliche Architektur“ ihn erstaune. Richtig leicht wirkt dagegen sein Entwurf für das Universitätsgebäude. Ist das die Prägung durch ein Land, in dem Häuser aus Papier und Holz gebaut werden? „Ich versuche nicht, japanische Architektur zu machen“, sagt Abe. Vielmehr gehe es ihm darum, eine bestimmte Atmosphäre und Räume zu schaffen, in denen die „großartige und starke Energie der Universität“ erhalten bleibt.

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