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Richard Starks: Parker, Vorname unbekannt

07.11.2009 | 18:25 | von Florian Asamer (Die Presse)

Richard Starks Serienheld Parker bricht in "Das große Gold" aus dem Gefängnis aus, um bei einem Juwelier einzubrechen. Was sollte er auch sonst tun: Schließlich ist das sein Beruf.

Kaum ist Parker drinnen, schaut er auch schon, wie er wieder rauskommen könnte. Denn er weiß, wenn er erst verurteilt und aus dem Untersuchungsgefängnis in eines der sicheren Bundesgefängnisse überstellt worden ist, wird das nur schwerer. Doch zum Ausbrechen braucht er Partner. Parker lässt von Ed Mackey, der glaubt, ihm einen Gefallen zu schulden, einige Mithäftlinge von draußen auf ihre Zuverlässigkeit checken. Williams und Marcantoni, die die Prüfung bestehen, machen mit, doch Marcantoni nur unter der Bedingung, dass die beiden ihm bei einem Job helfen, wenn sie erst draußen sind. Parker stimmt zu. Obwohl er kein gutes Gefühl hat. Und sein Gefühl täuscht Parker nur selten.

Parker, der vornamenlose Held von Donald E.Westlake vulgo Richard Stark, der zwischen 1962 und 1974 in 16 Romanen und in der Verfilmung „Point Black“ mit Lee Marvin Furore gemacht hat, ist nach einer langen Pause im Jahr 1998 zurückgekehrt. Mit „Das große Gold“ ist soeben der vierte Teil der fünf aktuellsten Parker-Romane auf Deutsch erschienen. Es werden auch die letzten sein, denn Autor Westlake, der unter verschiedenen Pseudonymen über hundert Bücher verfasst hat, ist vergangenes Jahr im Alter von 76 Jahren gestorben.


Mord erhöht die Motivation. Mit Parker hinterlässt er einen gestandenen Berufsverbrecher. Doch das Profihafte seines Tuns zeigt sich nicht etwa darin, dass Parkers Coups wie am Schnürchen klappen. Im Gegenteil: Der Juwelier, bei dem Parker mit seinen Kumpanen nach dem Gefängnisausbruch durch einen Tunnel einbricht, wird nach dem Einbruch des Tunnels zum Gefängnis, aus dem es auszubrechen gilt, bevor der Morgen anbricht. Der Profi zeigt sich in der Abgeklärtheit und Ruhe, in der Parker auf alle Widrigkeiten reagiert, von denen es genug gibt in so einem Gaunerleben. Er adaptiert seine Vorhaben ständig, geht dabei mit großem psychologischen Gespür, aber ohne überflüssige Emotionen vor. Er tötet, ohne zu zögern, wenn es nötig ist. Aber nur dann, denn Parker weiß: Morde erhöhen die Motivation der Polizei.

Die Faszination der Figur liegt in ihrer inneren Logik. Parker begeht seine Bankraube, Überfälle und Einbrüche nicht etwa, um sich danach zur Ruhe zu setzen oder mit dem Geld etwas Bestimmtes zu machen, sondern schlicht, weil das sein Beruf ist. So geht in „Das Geld war schmutzig“ schon einmal ein großer Batzen Geld, der unter hohem Risiko bei einem abenteuerlichen Raubzug erbeutet wurde, für eine neue Sozialversicherungsnummer samt Pass drauf, um die alte Identität zu ersetzen, die durch eben jenen Raub unbrauchbar geworden ist. Nach dem Überfall ist also immer auch vor dem Überfall.

Starks Sprache ist präzise, aber nie langweilig, die Dialoge kleine Kunstwerke und oft sehr, sehr witzig. Typisch dafür ist Parkers Reaktion auf die Todesangst eines gegnerischen Bandenmitglieds: „Wenn ihr mich hier liegen lasst“, sagt der Typ auf dem Boden, „bringt er mich morgen früh um.“ Parker sah ihn an. „Dann hast du ja noch die ganze Nacht“, sagt er.

Ehrliche Krimis also, in der hard-boiled Tradition, die ohne moralisch zu werten einen schnörkellosen, nicht unsympathischen, oft strauchelnden, aber nie fallenden Helden begleiten, der ständig auf der Hut ist. „Nichts per Telefon, auf keinen Fall – außer Pizza“ ist auch so ein typischer Parker-Satz. Aber wer als Leser einmal so weit drinnen ist, wird es schwer haben, wieder herauszukommen.

Richard Stark, Das große Gold, Zsolnay Verlag, 288 Seiten, 17,40 Euro.

Richard Stark, Keiner rennt für immer, Zsolnay Verlag, 288 Seiten, 17,40 Euro.

Richard Stark, Das Geld war schmutzig, Zsolnay Verlag, 256 Seiten, 17,40 Euro.

Richard Stark, Fragen Sie den Papagei, Zsolnay Verlag, 256 Seiten, 17,40 Euro.


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