Jeder hat eine 24. Chance verdient“, sagt Charlie Sheen im TV-Spot mit einem Augenzwinkern, das seinen selbstzerstörerischen Amoklauf evoziert und zugleich vergessen machen soll. Vor seinem dieswöchigen Comeback in der TV-Serie „Anger Management“ ließ sich der Star für eine orchestrierte PR-Kampagne einspannen. Im Vorjahr hat er ein Drehbuch in eigener Sache abgeliefert, wie man seine Karriere als hoch dotierter Serienheld in „Mein cooler Onkel Charlie“ spektakulär begräbt. Nun prangte er – augenscheinlich fitter, aber nicht zwangsläufig als geläuterter Sünder – auf dem Cover von „Rolling Stone“ und „Newsweek“.
In einer Promotion-Tour tingelte er von Talkshow zu Talkshow. „Was soll ich sagen?“, gestand er Jimmy Fallon. „Ich habe meinen Job verloren, mein Geld, meine Kinder, meinen Verstand.“ Für einen frechen Spruch war Charlie Sheen immer gut. Für seinen nächsten Absturz hat er sich auch bereits eine Strategie zurechtgelegt – „einen Bart wachsen lassen und nach Mexiko gehen“. In den Interviews lässt Hollywoods 46-jähriges Enfant terrible keinen Zweifel daran, dass Unberechenbarkeit eine Konstante in seinem Leben bleibt. Von den Drogen wolle er die Finger lassen, nicht jedoch vom Alkohol und den Frauen. Das wäre auch seinem Image abträglich.
Als er vor wenigen Wochen mit seiner Entourage ein Eishockey-Match der Los Angeles Kings besuchte, sorgte er erneut für einen Eklat. Die Plätze hinter der Bande waren besetzt, als er nach einer Zigarettenpause zurückkehrte. Grund genug für eine Szene, einen Wutausbruch.
Dass er in der Serie „Anger Management“ – „Wuttherapie“ –, die lose auf dem gleichnamigen Film mit Jack Nicholson und Adam Sandler basiert, ausgerechnet einen Therapeuten mimt, mutet wie eine ironische Pointe an. Darin spielt er einen Baseball-Trainer namens Charles Goodson, der sich zum Therapeuten umschulen lässt. Die Serie greift aus Sheens Leben: Sein Vater Martin und seine Exfrau Denise Richards agieren in Gastrollen – und sie sind es auch, die ihm Halt geben in seinem Leben, das seit Teenagerjahren immer wieder von Skandalen aus den Angeln gehoben wird. Sie nehmen es auch hin, dass er nach Rehabilitationskuren rückfällig wird.
Neidisch blickte er auf seinen älteren Bruder Emilio Estevez und dessen Freunde Sean Penn und Rick Lowe, denen als Hollywood-Jungstars der Ruf als „Brat Pack“ vorauseilte. Mit 15 stahl Charlie die Kreditkarte seines Vaters, um sich in Las Vegas eine Prostituierte aufs Zimmer zu bestellen. Das Faible für Callgirls und Porno-Starlets blieb ihm erhalten, eine selbstzerstörerische Ader durchzieht seine Karriere. In den Oliver-Stone-Filmen „Platoon“ und „Wall Street“ erreichte Charlie Sheen früh seinen Zenit. In den 1990er-Jahren stürzte er in zweit- und drittklassigen Filmen in ein Tief, als Klient des berühmt-berüchtigten Callgirl-Rings von Heidi Fleiss machte er Schlagzeilen. Danach erfand er sich als Serienstar im Fernsehen neu.
Nach Eskapaden und Exzessen feuerte ihn Produzent Chuck Lorre in der Erfolgserie „Mein cooler Onkel Charlie“, die er ihm einst auf den Leib schneiderte. Sheen ist indes nicht so leicht aus der Bahn zu bringen: Jüngst bekam er ein Angebot, in „Machete kills“ den US-Präsidenten zu spielen.
