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Interview: Die Rückkehr zum Kern des Tanzes

03.07.2008 | 19:08 | ISABELLA WALLNÖFER (Die Presse)

Michael Stolhofers Sommerszene Salzburg watet über den „kreativen Sumpf“ der Heimat hinaus zur Wiederentdeckung der Bewegung.

Der Intendant der Sommerszene Salzburg sieht „Indizien für eine postkonzeptionelle Bewegung im Tanz“. Nachdem man in den vergangenen Jahren „alle Abstraktionsexperimente“ bis hin zum völligen Verlassen des Theaters oder zur kompletten Reglosigkeit auf der Bühne „lustvoll“ mitgemacht habe, kehrt das Festival in diesem Sommer „zurück zur Bewegung im Tanz“, sagt Michael Stohlhofer, aber auch zur Thematisierung gesellschaftlicher Bewegungen, etwa Tourismus oder Sport.

Zwar sind wieder unterschiedlichste Genres – auch Installationen, Filme oder die bewährten Dinner-Performances – im Einsatz, „im Kern steht aber die Bühne“. Bühnentechnik, Requisiten, Theaterflair seien wieder gefragt. „Wir haben unserem Publikum teilweise sehr viel zugemutet, haben uns sehr weit vorgewagt, sind sogar auf dem Fußballplatz gelandet – heuer werden wir uns dem Begriff Tanz, wie man ihn allgemein versteht, wieder nähern.“ Am Donnerstag wurde die Sommerszene eröffnet. Die Forsythe Company gab sich die Ehre („Three Atmospheric Studies“) im Republic, über dessen Fassade David Voggenhuber Flüchtlingsströme wandern lässt. Universalkünstler Thierry de Mey eröffnete seine Großinstallation in den Kavernen.

Bis 19.Juli dauert das Festival, bei dem Anne Teresa de Keersmaeker („Keeping Still“), Meg Stuart und Philipp Gehmacher („Solo/Duo/Works“), Lawine Torrèn und Hubert Lepka ihre Stücke zeigen. In der Argekultur, im Toihaus, im Mirabellgarten, im Seniorenheim Nonntal – die Sommerszene ist an vielen Orten. Wer nichts versäumen will, der muss, sagt Stolhofer, „gleich zwei Stücke an einem Abend anschauen“. Eine solche Programmierung habe es in dieser Form noch nicht gegeben, „insofern weiß ich nicht, ob uns das Publikum dann davonläuft“.

Wichtig ist für das Festival „dieser Bezug zum Außereuropäischen“. 2007 lag der Schwerpunkt auf China und Indien, heuer liegt er auf Afrika, auf Kongos Hauptstadt Kinshasa. „Tanz, Musik, Filme, bildende Kunst werden diese Megapolis dokumentieren. Das wird uns jedenfalls weiter beschäftigen, damit wir von diesem eurozentristischen Bild, vom rein westeuropäischen Umgang mit Bühnenkunst etwas wegkommen.“

Neben Berühmtem bekommen Wagemutige wie die Wiener Spitzentanz-Dilettantin Doris Uhlich eine Chance, oder 13 junge Choreografen und Choreografinnen mit ihrem „Movement Museum“: „Wir haben die ins Derra de Moroda Archiv geschickt. Da sind dann die verschiedensten Ideen dahergekommen.“ Die Sommerszene fördere ständig den Nachwuchs. Stolhofer schaut auch darauf, dass die Jungen über EU-Projekte und bei internationalen Festivals nicht zu kurz kommen: „Salzburg als kreativer Sumpf hat seine Grenzen – es ist ganz gut, wenn die Leute auch was anderes erleben.“

Finanziell stehe man gut da, „weil wir mehr als die Hälfte des Budgets selbst aufbringen. Wir haben eine Basis, die uns etwas unabhängig macht.“ Bei einem Jahresbudget zwischen 1,2 und 1,4 Millionen Euro ist die EU mit etwa 300.000 Euro der größte Subventionsgeber, auch Bund, Land und Stadt zahlen mit. Insgesamt habe man 2007 280.000 Besucher gehabt. 10.000 Besucher kamen zur Sommerszene – „und das wird wohl auch heuer in etwa so sein“.

Infos: www.sommerszene.net

Tickets: 0662/843-711


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