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Carla Bruni: „Trotz meiner dreißig Geliebten“

03.07.2008 | 19:08 | RUDOLF BALMER, PARIS (Die Presse)

Für Frankreich wird es das Ereignis des Sommers: Selten hat dort eine CD vor Erscheinen solchen Wirbel ausgelöst wie jene von Frankreichs singender First Lady.

Als ob nichts gewesen wäre“, so der Titel ihrer dritten Chanson-Produktion, setzt Carla Bruni ihre Karriere als Sängerin nach der Heirat mit Präsident Nicolas Sarkozy fort. So banal ist eine singende First Lady aber naturgemäß nicht, noch bevor das Album auf den Markt kommt, ist es das Ereignis.

Um Werbung für ihre dritte CD muss sich Bruni nicht bemühen, seit sie die Gattin des Staatschefs ist. Ihre Künstlerkarriere ist durch diese Heirat fast zur Staatsaffäre geworden. Sarkozy, der ohnehin zu allem eine Meinung hat und diese notfalls auch ungefragt abgibt, ließ es sich nicht nehmen, öfters im Studio bei den Aufnahmen anwesend zu sein. Dass er auch noch mitsingt, zumindest das blieb den Franzosen erspart.

Aus Sicherheitsgründen muss die First Lady jedoch auf die sonst üblichen Promotion-Konzerttourneen verzichten. Das verriet sie in einem ihrer Interviews, in dem sie bestätigte, dass ihr prominenter Ehemann ihr für die Musik sonst jede Freiheit lasse. Man möchte ihr gern aufs Wort glauben. Den Umfragen zufolge ist sie weit populärer als ihr Gatte. 51 Prozent der Franzosen und Französinnen finden, dass sie ihre Rolle als Präsidentengattin sehr gut spielt, während umgekehrt 55Prozent meinen, Monsieur Sarkozy, der als Staatschef laut Popularitätsumfragen nur noch ein Drittel der Landsleute hinter sich weiß, nutze den Charme seiner Gemahlin für seine politische Öffentlichkeitsarbeit aus. Ihr gelang es bisher, ihre Rolle an der Seite des Staatsoberhaupts bei Empfängen und Auslandbesuchen perfekt zu spielen und dabei alle Dissonanzen zu vermeiden. So betrachtet, ist für die Franzosen ohnehin klar, wer in diesem Paar die „bessere Hälfte“, respektive die A- und die B-Seite der Schallplatte, ist.

 

„Unter der Haut ein linker Reflex“

Eigentlich ist Carla Bruni als Künstlerin nicht zu beneiden. Zwangsläufig wird es heißen, der Erfolg sei nur ihrer Stellung als First Lady zu verdanken, ganz zu schweigen von Ex-Fans, die sich in einem Anflug von ideologischer Sippenhaft von ihr abwenden, weil sie etwas gegen die Politik des Präsidenten haben. Was nutzt es da, wenn sie in einem über drei Zeitungsseiten abgedruckten Gespräch mit „Libération“ ihre Gesinnung betreffend beteuert: „Unter der Haut habe ich einen linken Reflex.“ Sie fügt immerhin an, falls sich ihr Nicolas 2012 für eine zweite Amtszeit bewerben sollte, werde sie für ihn stimmen.

Ursprünglich sollte der dritte Wurf der 40-jährigen italienisch-französischen Autorin, Komponistin und Interpretin ja erst am 21.Juli gleichzeitig in Frankreich und ganz Europa in den Verkauf gelangen. Das Interesse war aber so immens, dass die Produktionsgesellschaft „Naive“ („honni soit qui mal y pense“ oder: Schämen muss sich, wer aus diesem Firmennamen etwas Negatives über Bruni ableitet) beschloss, den Termin auf den 11.Juli vorzuziehen. An diesem Tag ist Carla Bruni Stargast im ersten französischen Fernsehen TF1, mit dessen Eigentümer Martin Bouygues Nicolas Sarkozy enge freundschaftliche Beziehungen pflegt.

Überhaupt dürfte der Einfluss des Staatschefs bei zahlreichen Medien die Promotion sehr erleichtern. Selten, so meinte „Le Figaro“, wurde eine französische Schallplatte so sehnlich erwartet, und dabei hätten diese Erwartung und dieser Medienrummel, wie man aufrichtigerweise gestehen müsse, mit dem musikalischen Aspekt so gut wie nichts zu tun! Diese zum größten Teil live in einem Pariser Studio aufgenommenen Chansons der Präsidentengattin werden das Ereignis des Sommers. Bereits bitten TV-Sender aus aller Welt um Interviewtermine, die ihr Medienberater spärlich und gezielt verteilt; die BBC produziert einen Dokumentarfilm über Sarkozy-Bruni, und das amerikanische Magazine „Vanity Fair“ hat für August eine vierzehnseitige Reportage über sie geplant.

 

Eklat mit Kolumbien

Obwohl die meisten der 14 Lieder vor der Heirat im Elysée-Palast entstanden sind, wird jetzt natürlich jeder Vers auf die Goldwaage gelegt und auf Doppeldeutiges, gar allzu Eindeutiges oder vieldeutige Anspielungen geprüft. Schon seit Tagen hatten nämlich einige wenige Auserwählte die Gelegenheit, sich die neuesten Lieder anzuhören. Ihre Indiskretionen sorgten bereits für Schlagzeilen. Fast zu einem diplomatischen Eklat kam es darum mit Kolumbien wegen einer Zeile im Song „Tu es ma came“ („Du bist meine Droge“), in der Bruni von ihrem Geliebten sagt, er sei gefährlicher als afghanisches Heroin oder kolumbianisches Kokain. Mehr zum Schmunzeln brachte die Franzosen ein anderes offenherziges Eingeständnis ihrer „Première Dame“: „Trotz meiner vierzig Jahre / trotz meiner dreißig Geliebten / bin ich ein Kind.“ Der Titel ihres dritten Liederalbums aber ist angesichts des Medienwirbels eine geradezu unglaubliche Verkehrung der Tatsachen: „Comme si de rien n'était“ („Als ob nichts gewesen wäre“). Noch ist eine Präsidentengemahlin, die gleichzeitig im Elysée-Palast und in der Hitparade zu Hause ist, alles andere als banal.


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