Um den Hals baumelt ein schweres Amulett, am Handgelenk prangt eine Goldkette und im Ohr ein Flinserl. Am Kopf trägt Papa Joe einen schwarzen Hut und über der perlweißen Zahnreihe ein gepflegtes Menjoubärtchen. Vor dem von Reportern und Fans belagerten Familiendomizil in Encino, im San Fernando Valley bei Los Angeles, stellt Joe Jackson das Gehabe eines gealterten Popstars zur Schau, dessen Auftritte immer erratischer werden. Das hat er mit seinem Sohn gemein, der ihn wegen seines Drills verschmäht hat.
Nach dem Tod Michael Jacksons sieht der 79-jährige Patriarch seine Stunde als Nachlasswalter gekommen. „Ich wünschte, er könnte das hier alles erleben. Ich wünschte, die Welt hätte ihm zeit seines Leben die Anerkennung gezollt, die ihm gebührte“, sagte er am Rande einer Gala schwarzer Showstars im Shrine Auditorium in Los Angeles. Bei der Preisverleihung, bei der sich Filmstar Jamie Foxx im Moonwalk versuchte, erwies die Branche Michael Jackson ihren Tribut.
Dem Clanchef ist dies indes nicht genug. Er möchte den Nachruhm seines Sohnes für alle Ewigkeit sichern – und möglichst viel Kapital für seine Familie herausschlagen. Er wittert das große Geschäft und gab bereits die Gründung eines neuen Plattenlabels bekannt, um die Karriere seiner Söhne und Töchter neu zu starten. „Dome Project“, ein eben noch fertiggestelltes Video Michael Jacksons, soll möglichst rasch auf den Markt kommen. Angeblich warten noch an die 100 Songs aus dem Nachlass auf eine Veröffentlichung. Überdies sind nun auch die Fotos von den Proben für das große Comeback in London aufgetaucht, die den mythenumrankten Popstar wenige Stunden vor seinem Tod als quicklebendig erscheinen lassen.
Die Modalitäten für das Begräbnis sind nicht geklärt, doch soll es nach dem Willen des Clans als riesiges Spektakel samt Feuerwerk und einer VIP-Parade inszeniert werden, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Abschiedsfeiern in mehreren Metropolen der Welt stehen im Raum. Ungewiss ist vor allem noch, ob Jackson auf seiner Ranch Neverland bestattet wird. Als Freunde der Familie hat Joe Jackson die beiden schwarzen Pastoren und Politiker Al Sharpton und Jesse Jackson in die Beratungen miteinbezogen. Sie stehen Joe Jackson als Einflüsterer bei Interviews zur Seite. „Michael war ein Genie und kein Freak“, erklärte Sharpton, besorgt um den posthumen Ruhm des Stars.
Inzwischen hat der Jackson-Clan im Erbstreit mit den unzähligen Anwälten und angeblichen Vertrauten einen ersten Sieg errungen. Ein Gericht sprach Großmutter Katherine das vorläufige Sorgerecht über die drei Kinder Prince Michael I und II und Paris zu. Die leibliche Mutter Deborah Rowe sowie die anonyme Leihmutter des zweiten Sohnes halten sich derweil bedeckt. In einem Testament aus dem Jahr 2002 hat Michael Jackson seine drei Kinder und seine Mutter als Erben bedacht. Sie erben Schätzungen zufolge eine halbe Milliarde Dollar an Schulden. Samt Songrechten (The Beatles) soll sich das Vermögen aber auf eine Milliarde Dollar belaufen.
