Vor dem Eingangstor der Neverland-Ranch im hügeligen Hinterland von Santa Barbara, bewacht von einem Einhorn und einem gekrönten Löwen im Fantasy-Wappen, stapeln sich Herzen in Ballonform und von der Sonne verwelkte Blumen. Trucks fahren vor, über dem Gelände kreisen die Hubschrauber der TV-Teams. Und auch die ersten Michael-Jackson-Fans haben sich bereits auf den Weg gemacht in das rund 200 Kilometer nördlich von Los Angeles gelegene, inzwischen großteils demontierte Fantasyland des Popstars, um sich einen Platz in der ersten Reihe zu sichern.
Die Investmentfirma Colony Capital LLC, Koeigentümer des zehn Quadratkilometer großen Areals, hat die Bewohner von Santa Barbara County um Verständnis gebeten für das „Drama epischen Ausmaßes“, das sich in den kommenden Tagen hier abspielen wird: die geplante öffentliche Aufbahrung des Popstars und die Abschiedszeremonie im familiären Kreis. Auch danach wird der Zustrom der Touristen und Fans nicht abreißen. Die Geschäftsleute von Santa Barbara versprechen sich eine eklatante Umsatzsteigerung, die Bewohner hat angesichts des Totenkults und des Massenansturms zu dem als Mausoleum à la Elvis Presleys Graceland umfunktionierten Neverland jedoch das Grauen gepackt.
Angeblich hatte sich Michael Jackson ja geschworen, seinen Fuß nie wieder auf sein einst so heiß geliebtes Refugium zu setzen, das er mit einem Zoo und einem Vergnügungspark ganz nach seinen exzentrischen Vorstellungen ausstaffieren ließ. Der Prozess wegen Kindesmissbrauchs 2005 hatte ihm den Spaß an seinem Privatparadies gründlich verdorben, in dem er Kinderscharen bei Laune gehalten und einige Auserwählte auch in seine Gemächer gebettet hatte. Seine prekären Finanzverhältnisse zwangen ihn dazu, einen Großteil seiner 150 Mitarbeiter zu entlassen, den Tierpark aufzulassen, die Karussells abzubauen und das Anwesen zum Teil zu veräußern. Eine Versteigerung der Ranch und eine Auktion seiner Memorabilia hat er jedoch im letzten Moment verhindert.
Die Begräbnisfeierlichkeiten waren freilich weiterhin Gegenstand teils bizarrer Spekulationen. Dass Jackson in seiner Fantasieuniform samt Insignien – weißem Handschuh und weißen Socken, schwarzer Hose und schwarzem Armband – bestattet werden soll, dürfte noch am meisten dem Wahrheitsgehalt entsprechen. Die Pastoren und Bürgerrechtler Al Sharpton und Jesse Jackson sollen sich in die Haare geraten sein, wer die private Trauerfeier auf der Neverland-Ranch abhalten soll. Der Bürgermeister von Gary, der von der Krise gebeutelten Geburtsstadt Jacksons in Indiana, hat den Ort als letzte Ruhestätte für den berühmtesten Sohn angeboten. In Los Angeles kursierte indessen das Gerücht, dass die Jackson-Familie den Leichnam des Popstars wie einen Märchenprinz in einem gläsernen Sarg, gezogen von einer Kutsche, durch die Stadt paradieren lassen wolle. Danach sollten die Fans im Staples-Center von ihm Abschied nehmen – jener Sport- und Konzertarena, in der Jackson noch Stunden vor seinem Tod für sein Comeback probte. Es ist nur eine Frage von Tagen, bis ein Videomitschnitt auftaucht. In Absprache mit dem Jackson-Clan erwägt der Londoner Konzertveranstalter Randy Phillips eine Konzertreihe mit Familienmitgliedern und Freunden.
Zugleich mehren sich die Indizien, dass Michael Jackson nicht der biologische Vater seiner Kinder war. Als Samenspender gilt der Hautarzt Arnold Klein, bei dem Jackson in Behandlung war. Deborah Rowe, die Mutter zweier Jackson-Kinder, arbeitete als dessen Assistentin.
Auf CNN meldete sich derweil die Krankenschwester Cherilyn Lee zu Wort. Vier Tage vor seinem Tod habe Jackson sie telefonisch um eine Spritze des starken Betäubungsmittels Propofal angefleht, die bei Operationen zum Einsatz kommt: „Auf der einen Seite ist mir heiß, auf der anderen kalt.“