Im milchigen Dunst der Morgensonne schimmert in weißen, ein wenig verwitterten Balkenlettern der Hollywood-Schriftzug auf einem der Santa-Monica-Berge. Das Logo der Traumfabrik strahlt an dem Tag, an dem die Glitzerwelt ihren schillerndsten Star zu Grabe trägt, wie ein Zeichen der Unvergänglichkeit.
Unterhalb der Hollywood Hills, in unmittelbarer Nähe zu den großen Filmstudios, schmiegt sich das weitläufige Areal des Forest-Lawn-Friedhofs in eine wellige Parklandschaft. Viele Größen der Showbranche haben in dem Idyll ihre letzte Ruhe gefunden: Bette Davis, Buster Keaton oder Soulsänger Marvin Gaye.
Fernab von Großstadtlärm und Mediengetöse, abgeschirmt von Sicherheitspersonal, versammelte sich hier der von Fehden zerrissene Jackson-Clan, um Michael Jackson in einer privaten Trauerzeremonie das letzte Geleit zu geben. Eskortiert von einem Polizeikonvoi, begab sich die Familie in schwarzen Rolls-Royce-Limousinen hernach über einen abgesperrten Highway nach Downtown Los Angeles zum abgeriegelten Staples Center, begierig erwartet von unzähligen Kameras und beobachtet von Millionen TV-Zuschauern von Neuseeland bis Grönland. Die ganze Welt schaute zu, als Familie, Freunde und Fans Abschied nahmen von der Pop-Ikone.
Zigtausende Fans, viele eigens angereist aus Europa und Asien, sind in den Morgenstunden in den Straßen von Los Angeles zusammengeströmt, um einen Blick auf die Trauerprozession zu erhaschen – und in der unverhohlenen Hoffnung, vielleicht doch noch Zutritt in die Konzertarena zu erlangen. Michael-Jackson-Imitatoren tänzelten durch die Reihen, und Robert Weaver aus Jacksons Geburtsstadt Gary in Indiana wusste im Vorhinein: „Ich werde den ganzen Tag heulen.“ Für Joey Daniel stand fest: „Davon werde ich meinen Kindern und Enkeln erzählen.“
In Gary, am Times Square und in Harlem in New York, in Atlanta, in Dutzenden Kirchen und Kinos: Überall in den USA verfolgten Menschen die Live-Berichterstattung. Und irgendwo in Los Angeles saß auch Elizabeth Taylor, die sich dem Trara verschloss. Auf Twitter teilte die gebrechliche Diva mit: „Ich glaube nicht, dass Michael gewollt hätte, meine Gefühle mit einem Millionenpublikum zu teilen. Das bleibt zwischen mir und Michael.“ Auch Diana Ross und Nelson Mandela übermittelten der Familie ihre Kondolenz nur mündlich.
Trotz des Gezerres um das Procedere und der Riesenhalle nahm die Gedenkfeier einen intimen, würdevollen Charakter an. Als unter den Klängen eines Gospel-Chors die Jackson-Brüder, die Michael mit Sonnenbrille und Glitzerhandschuh ihre Reverenz erwiesen, den mit Rosen überhäuften Goldsarg in die Halle zogen, leuchtete über der blauen Bühne ein purpurnes Licht wie in einer Kathedrale.
Unter den Laufbildern, die die Karriere Michael Jacksons nachzeichneten, zollte eine vorwiegend afro-amerikanische Trauergemeinde dem Star ihren Tribut – und ließ ihn in einer bewegenden Hommage nochmals hochleben. Reverend Al Sharpton wühlte die Trauergäste auf, Martin Luther Kings Kinder spendeten Trost und Barry Gordy, der Gründer des Motown-Labels, flocht seinem einstigen Kinderstar unter johlendem Applaus einen Lorbeerkranz: „Er war der größte Entertainer, der je gelebt hat.“ Queen Latifah schwelgte in Kindheitserinnerungen, die Basketball-Stars Kobe Bryant und Magic Johnson würdigten den Großmut ihres Freundes und Brooke Shields rezitierte aus „Der kleine Prinz“.
Was aber wäre eine Michael-Jackson-Trauerfeier ohne Musik? Mariah Carey bot „I'll be there“ dar, Jermaine Jackson intonierte „Smile“, den Lieblingssong seines Bruders. Smokey Robinson, Lionel Richie und Stevie Wonder und der zwölfjährige Shaheen Jafargholi aus „Britain's Got Talent“ traten auf – und am Ende lagen sich alle bei „We Are The World“ in den Armen. Das letzte Wort hatten dann Michaels Geschwister und Tochter Paris. Von einem Heulkrampf geschüttelt, schluchzte sie ins Mikrofon: „I love you so much.“ Und rührte das Auditorium und die ganze Nation.
diepresse.com
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Jackson-Trauerfeier: Hommage an den King of Pop
07.07.2009 | 20:19 | VON THOMAS VIEREGGE (Die Presse)
In Los Angeles nahmen Familie, Freunde und Fans in einer bewegenden Zeremonie Abschied von Michael Jackson. Und die Welt schaute zu.
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