Ja, wenn ein Papst gestorben wäre. Dann wäre der ORF tiptop vorbereitet gewesen, vom Dompfarrer aufwärts hätten sich die Kommentatoren eingereiht und qualifizierte Aussagen gemacht. Aber dem wichtigsten Toten der Populärkultur der letzten und nächsten Jahrzehnte war der ORF am Dienstag nicht gewachsen. Die Trauerfeier für Michael Jackson wurde von Roman Rafreider moderiert, zusammen mit Kulturredakteur Klaus Totzler und dem unvermeidlichen Peter L. Eppinger. In Anbetracht der spärlichen Informationen über das Programm erging sich Rafreider erstmal in Spekulationen über die Megamegamegaheit des „Spektakels", für „das es gar keinen adäquaten Begriff" gäbe. Und dann passierte erstmal nichts. Und zwar sehr lange. Versprochene Bilder kamen nicht, andere technische Probleme verzögerten den Beginn der Übertragung.
Das nennt man eine Live-Sendung. Das ist das, wo man vorher nicht weiß, was passieren kann. Hätte Rafreider auch einmal in Wikipedia nachschlagen können. Er hingegen vertrieb sich die Zeit damit, beleidigt darauf hinzuweisen, dass „wir hier verhungern". In solchen Fällen soll es helfen, wenn man sich ein bisschen vorbereitet. Mit Fakten und so. Stattdessen holte Eppinger ein Klischee nach dem anderen aus der Boulevardkiste und stellte Gerüchte (vom entnommenen Gehirn bis zu „man weiß aus dem Autopsiebericht, wie er ausgesehen hat" - man weiß als seriöser Journalist auch, dass solche Angaben zurückgewiesen wurden von der betreffenden Gerichtsmedizin) als Tatsachen hin. Wenn man nicht nur „Österreich" lesen würde, wüsste man übrigens auch, das es nicht „Armarda" sondern „Armada" heißt. Das hat mit dem gemeinen Autokabeldurchbeißer nämlich gar nichts zu tun.
Ein Michael-Jackson-Phänomen nach dem anderen
Man weiß jetzt auch, dass Peter L. Eppinger meint, Michael Jackson habe nie Geld bei sich gehabt. Ja, das ist schon eine erstaunliche Wendung in all den unbeantworteten Fragen rund um den Popstar. Wenn alles nicht mehr half, erzählte der sogenannte Experte, wie er einmal eine Michael-Jackson-Doku gesehen hatte. Es fiel auch der unglaubliche Satz: „Das war ein Michael-Jackson-Phänomen, wie vieles ein Michael-Jackson-Phänomen in seinem Leben war." Kunststück, es WAR ja auch Michael Jacksons Leben.
Während auf ORF 1 zur Überbrückung also nur unqualifiziert dahingeplappert wurde, zeigte CNN zwar zugegeben groteske TV-Bilder vom Weg eines Leichenwagens auf einer Autobahn, hinterlegte diese aber mit Informationen, von denen der weichgequatschte ORF-Konsument nur träumen konnte. Und wenn man über Gerüchte sprach, dann sagte man das dazu. Die drei Tratschonkel vom ORF übersahen dann vor lauter Jammern darüber, dass sie so viel reden müssen, dass gerade eine Schweigeminute im Gange war. Immerhin der erste öffentliche Auftritt der Tochter von Jackson, der zweifellos bewegendste Moment der Feier, brachte Eppinger zum Schweigen. Da waren aber wohl schon viele auf berufenere Sender gewechselt. Bis zum nächsten Papstbegräbnis dann.