Sie wirkten so unwirklich, dass selbst die Organisatoren der Gedenkfeier nicht mit ihrem Erscheinen gerechnet hatten. Abgeschirmt von Paparazzi und hinter grotesken Masken und Schleiern versteckt, führten Prince Michael I, Paris und Prince Michael II, genannt Blanket, seit dem Auszug aus der Neverland-Ranch ein Nomadenleben in Nobelhotels und wechselnden Luxusdomizilen in Bahrain, Las Vegas und Los Angeles. Spätestens seit Michael Jackson Blanket als Baby vom Balkon des Berliner Hotels Adlon baumeln ließ, betrachtete eine entsetzte Weltöffentlichkeit die Jackson-Kinder als exotische Staffage eines Superstars, der sich zuvor mit dem Schimpansen Bubbles umgeben hatte.
Und da saßen sie nun in Fleisch und Blut, ins Rampenlicht getaucht, eingerahmt vom Oma Katherine und Tante Janet in der ersten Reihe des Staples Center, vor ihnen der Goldsarg mit dem Leichnam ihres Daddy. Die beiden Söhne (zwölf und sieben Jahre) kauten während der Zeremonie an ihren Kaugummis, Blanket verbarg sich hinter einem Trauerheft und klammerte sich an einer Michael-Jackson-Puppe fest.
Die elfjährige Paris war indes ganz bei der Sache, sprang bei Standing Ovations auf und sang beim großen Finale auf der Bühne im Chor zu „We Are the World“ und „Heal the World“ gelöst mit. Ganz am Ende, als alles gesagt war, schob Janet Jackson sie nach vorne ans Mikrofon. Überwältigt von ihren Emotionen, schluchzte sie: „Daddy war der beste Vater, den man sich vorstellen kann. Ich wollte nur sagen: Ich liebe ihn so sehr.“
Es war der Moment, in dem der Mutant, der sich als Wesen von einem anderen Stern gerierte, wieder zum Menschen materialisierte. „Es hätte mich nicht gewundert, wenn Michael Jackson plötzlich auf die Bühne gehüpft wäre“, sagte ein Fan. Eine perfide Inszenierung des Jackson-Clans oder tief empfundenes Gefühl? Die Szene, Höhepunkt der Trauergala, rührte das Publikum zu Tränen, und die TV-Sender wiederholten sie in einer Endlosschleife.
„Vielleicht lassen sie Michael nun endlich in Ruhe.“ Der Appell seines Bruders Marlon sollte allerdings ein frommer Wunsch bleiben. Während sich die Trauergäste im mondänen Beverly- Wilshire-Hotel zum Empfang einfanden, verfolgten Hubschrauber die Fahrt des Leichenwagens, verloren jedoch die Spur. Das Verwirrspiel ist längst nicht zu Ende.
Eine Beisetzung am Forest-Lawn-Friedhof stand vorerst aus, was neuerliche Spekulationen über eine Bestattung auf der Neverland-Ranch anheizte. Angeblich will die Familie die Rückgabe des Gehirns abwarten, dessen Obduktion noch nicht abgeschlossen ist. Eine toxikologische Analyse soll Aufschluss über die Todesursache des Popstars geben. In Internetforen tauschen sich mittlerweile manche bereits darüber aus, ob auf dem Anwesen der Neverland-Ranch Michael Jacksons Geist herumspuke, seit bei einer TV-Sendung ein Schatten durchs Bild huschte.