Die sanfte Norah Jones, Singer/Songwriter zwischen Country und Pop, legt mit „The Fall“, das am 13.November erscheint, ihr viertes, erwartungsgemäß superbes Album vor. Der Akzent liegt – zumindest bei einigen Songs – verstärkt auf dem Rhythmus, ansonsten entzückt sie mit gewohnter melodischer Raffinesse und zartem Schmelz in der Stimme. Bereits der Opener „Chasing Pirates“ fasziniert mit interessantem Groove und hinreißender Melodie. Daneben gibt es Lieder, die arrangementmäßig sehr abgespeckt sind, etwa das attraktiv karge „Man of The Hour“. Als Koautoren standen Jones bei diesem Album ihr alter Freund Jesse Harris sowie Ryan Adams und Will Sheff von Okkervil River zur Seite.
Was war Ihr primäres ästhetisches Ziel mit dem neuen Album?
Norah Jones: Ich wollte einmal neue Sounds ausprobieren, ein bisschen mehr experimentieren. Die neuen Lieder hatte ich schon vor dem Aufnahmetermin komponiert, damit ich mich dann voll auf die klanglichen Aspekte konzentrieren konnte.
Was schwebte Ihnen da vor?
Es sollte grooviger sein und irgendwie abgespeckter. Ich habe die neuen Lieder auf der Gitarre komponiert, das machte sie automatisch lebhafter. Und was den Sound anbelangt, da hat mir immer das Tom-Waits-Album „Mule Variations“ imponiert. Deshalb wollte ich mit dem gleichen Toningenieur arbeiten, was letztlich auch gelang.
Ihre Alben verkaufen sich millionenfach. Nimmt das die Unbelastetheit beim Komponieren?
Nein, in meinem Fall nicht. Wenn ich mich mit Musik beschäftige, dann verliere ich mich so darin, dass ich an gar nichts Außermusikalisches mehr denken kann. Man ist so mit der Geburt des Songs beschäftigt, dass man sich keine Gedanken macht, welchen Weg er dann in der Welt nehmen wird.
Der Opener „Chasing Pirates“ hat enorme Ohrwurmqualität. Wie kam der Song zustande?
Es war einer der ersten Songs, die ich fertig hatte. Zunächst der rohe Groove auf der Gitarre, danach spielten wir uns mit Keyboardsounds. Als ich dann hörte, wie das zusammen wirkt, musste ich einfach lächeln. Es war einer jener Glücksmomente für die man Musik macht.
Welche Bedeutung hat Liederschreiben für Sie persönlich?
Es ist natürlich eine Art Obsession. Mir geht es aber nicht nur darum, das auszudrücken, was mich persönlich beschäftigt. Oft schreibe ich Lieder aus der Perspektive anderer Menschen. Das hält frisch. Zu viel Selbstbezogenheit scheint mir, ungesund zu sein.
Als Star Ihres Kalibers ist man wohl in einer Art Hamsterrad gefangen. Womit halten Sie Ihre Fantasie wach?
Ich liebe es, nachts zu lesen. Da schleichen sich viele neue Ideen in meinen Kopf.
Auf Ihrem neuen Opus spielen Könner aus den unterschiedlichsten Genres, etwa R&B-Keyboarder James Poyser und der schräge Jazzgitarrist Marc Ribot. Nach welchen Gesichtspunkten haben Sie die Musiker auf Ihrem neuen Album ausgewählt?
Nachdem ich mich dazu entschlossen hatte, unterschiedliche Stilrichtungen auszuprobieren, war klar, dass ich ein paar außergewöhnliche Musiker engagieren musste. Das Wichtigste aber war, einen Produzenten zu finden, der mich machen ließ, der nicht versuchte, mir seinen Stempel aufzudrücken. Mit Jacquire King, der schon für Tom Waits tätig war, hatte ich ihn nach längerer Suche auch gefunden. Er half mir, diese Leute zu engagieren.
Was ist das Wichtigste an einem Lied?
Dass man es wiederholt hören möchte. Alle guten Songs haben einen Sog, der einen ein wenig süchtig macht.
Ihre Aufnahmen bezauberten immer mit dieser bestimmten Leichtigkeit. Kann es nicht quälend werden, diese immer wieder aufs Neue zu erzeugen?
Ach, da denke ich gar nicht viel darüber nach. Jede Aufnahme ist wie ein Polaroid, bloß die Bestandsaufnahme eines Augenblicks. Die Zeit der Bewährung folgt dann auf den Tourneen.
Sie sind mit Ihren stillen Songs in einer Zeit, in der im Pop das Grelle Hochsaison hat, wahnsinnig erfolgreich. Wie erklären Sie sich das?
Ich hab keine Ahnung. Meine Songs stellen sicher so etwas wie Intimität her. Das Ruhige wird in der Musik oft mit dem Profunden gleichgesetzt, was wohl zumeist gerechtfertigt ist. In stillerer Kunst kann man weniger faken.
Es gibt auf YouTube dieses schöne Video, in dem Sie gemeinsam mit Bob Dylan auf der Bühne stehen und „I Shall Be Released“ singen. Waren Sie sehr nervös?
Wahnsinnig eingeschüchtert war ich. Das war in Seattle, bei einem Event für Amazon, wo ich auch ein paar Lieder sang. Da kamen Leute auf mich zu und meinten, Dylan würde es gern haben, dass ich für einen Song auf die Bühne zu ihm käme. Ich konnte es nicht glaube – ich dachte, die Securitys würden mich sicher aufhalten.
Das Cover von „The Fall“ zeigt Sie inmitten von Hunden. Haben Sie eine spezielle Beziehung zu dieser Art Tier?
Hunde machen mich glücklich. Seit dem Vorjahr hab ich endlich wieder einen.
Diese vorbehaltlose Liebe eines Hundes scheint mir gefährlich. Nicht selten verstehen sich Frauen mit Hunden besser als mit Männern...
Das stimmt wohl, was den Schmusefaktor anbelangt. Aber geht es um Dressur, dann verstehen sich auch Männer sehr gut mit Hunden. Was in jedem Fall gilt, ist, dass du mit einem Hund nicht streiten kannst, egal, ob du nun männlich oder weiblich bist.