George Benson brachte mit „Songs & Stories“ eben sein stärkstes Album seit seiner Blütezeit in den Siebzigern heraus. Am 29. 11. tritt er in der Wiener Stadthalle auf. Zu diesem Anlass bat das „Schaufenster“ den Jazz- und R & B-Superstar vors Mikrofon.
Ihr neues Album klingt stark nach Ihren so erfolgreichen Alben der Siebzigerjahre. War das intendiert?
Der Schlüssel sind einfach die starken Songs. Ich klapperte meine Komponistenfreunde ab und schaute einfach, dass die das Beste rausrückten. Ich suchte diesen speziellen Vibe, der meine Platten in den Siebzigern so populär machte.
Sie nennen Ihr Album „Songs & Stories“. Ist der geschichtenerzählende Aspekt im modernen R & B etwas zu sehr in den Hintergrund gedrängt worden?
Finde ich schon. Gerade in den Siebzigern verstand man es, nur mit leisen Andeutungen zu erzählen. Da war weniger einfach mehr. Deshalb habe ich auch wieder Künstler wie Rod Temperton und Bill Withers kontaktiert. Die haben einfach die Poesie, die es braucht.
Waren die Siebziger von der Stimmung her besonders?
Vom neutralen Standpunkt aus gesehen wahrscheinlich nicht, aber für mich waren sie etwas ganz Besonderes. Wissen Sie, meine Karriere entwickelte sich in den Siebzigern exponentiell. 1976 gewann ich meinen ersten Grammy für „Breezin’“, das sich bis heute 10 Millionen Mal verkauft hat.
Wie haben Sie es geschafft, Bill Withers einen Song abzuluchsen, der ist doch seit Langem im Ruhestand?
Das war wahnsinnig schwer. Wir sind zwar seit 30 Jahren Freunde, aber ihn zu bewegen, wieder zu komponieren, war ganz schön tricky. Gemeinsam mit dem Produzenten John Burk gingen wir etwas essen, und Bill meinte, er wüsste nicht, ob er überhaupt noch fähig sei, etwas zu schreiben. Ein paar Wochen später rief er mich an und meinte, er hätte da was für mich. Es war „A Telephone Call away“, ein Lied, in dem er seine alte Klasse aufblitzen lässt.
Dieses Lied legten Sie als Duett mit Lalah Hathaway an, der Tochter des legendären Donny Hathaway, dessen Hit „The Ghetto“ sie schon als Kleinkind würzte. Wie war das?
Ich kenne Lalah von Kindheit an, weil ich mit ihrem Vater befreundet war und auch mit ihm komponiert habe. Viele Jahre später war ich sogar dazu auserkoren, ihr ihr Diplom an der Berklee School zu überreichen. Seit damals hat sie sich gesanglich sehr verfeinert. Heute ist sie wirklich eine Künstlerin.
Aktuell interpretieren Sie auch Donny Hathaways „Someday We’ll All Be Free“. Hat sich die Botschaft der Freiheit in den letzten Dekaden verändert?
Nicht unbedingt. Das ist einfach ein Lied, das den Menschen Hoffnung schenkt, dass sich Dinge zum Besseren verändern. Das ist ein wahnsinnig guter Song, den niemand jemals besser gesungen hat als Donny selbst. Ich bewundere total seine Phrasierungen. Dennoch wollte ich mich an diesem Juwel erproben. Beim Gesang kann ich ihm nicht das Wasser reichen, deshalb gab ich dem Song einige Würze mit meiner Gitarre.
Sie sangen ja schon als Kind; wieso entschlossen Sie sich Mitte der Siebziger, es professionell zu tun, nachdem Sie höchst erfolgreiche Fusion- und Jazzfunkalben auf den Markt gebracht hatten?
Beim Label CTI hatte ich trotz einigen Erfolgs das Gefühl, meine Karriere würde bald versanden. Das machte mir ein wenig Angst. Creed Taylor bin ich sehr dankbar dafür, wie er mich als Instrumentalisten herausgebracht hat. Er war aber jemand, der es mit Stimmen nicht so hatte. Als ich dann Tommy LiPuma traf und er mich auf mein Singen ansprach, wusste ich, dass ich mit diesem Mann arbeiten müsste. Das war eine Begegnung, die mein Leben total veränderte. Einfach wunderbar.
Auf „Songs & Stories“ arbeiten Sie auch mit Rod Temperton, der Ihnen den Überhit „Give Me The Night“ schrieb. Wie haben Sie ihn eigentlich kennengelernt?
Das habe ich dem großen Quincy Jones zu verdanken. Rod hat ja so viele erfolgreiche Songs produziert und geschrieben. Ich denke da nur an „Boogie Nights“ mit seiner Gruppe Heatwave und all die tollen Songs, die er Quincy Jones, Aretha Franklin, James Ingram und Michael Jackson beschert hat. „Rock with You“, mein Lieblings-Jackson-Song, ist auch von ihm. Mit ihm im Studio zu arbeiten ist nicht immer leicht, aber das Resultat überzeugt immer.
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George Benson: Erzählkunst
20.11.2009 | 15:14 | von Samir H. Köck (Die Presse - Schaufenster)
Der Jazzgitarrist und Sänger George Benson im Gespräch über Nostalgie und Zukunftsangst.
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