Masken sind im deutschen Hip-Hop nichts Neues, können in Kombination mit entspannten Sounds aber Erfrischendes zutage fördern: Mit Panda-Konterfei ausgestattet erobert der junge Rapper Cro derzeit die Charts, gibt mit seinem Hit "Easy" gleich das Motto vor und wird wohl spätestens mit dem Debütalbum "Raop" (ab 7. Juli im Handel) den Beweis antreten. "Hoffentlich wird es erfolgreich", lacht der sympathische Musiker, wenn er auf seine Erwartungen an die Platte angesprochen wird. Die Chancen dafür stehen gut.
Geheimnisvoller Panda
Denn was bereits Casper im vergangenen Jahr mit "XOXO" bewies (Gold-Status sowie "Echo"-Auszeichnung), könnte sich auch für seinen jungen Kollegen bewahrheiten. Spätestens mit seinen beiden im Vorjahr veröffentlichten Mixtapes schwimmt Cro auf einer Erfolgswelle. Seinen Teil dazu beigetragen hat wohl ein Geheimnis, das den Musiker umweht: Fotos ohne die ominöse Maske gibt es nicht, der Vorname Carlo ist schon alles, was an weiteren Infos bis dato durchgedrungen ist. Sein Alter liegt wahrscheinlich bei Anfang 20. "So um den Dreh", schmunzelt Cro Interview. "Man weiß es nicht. Ist auch völlig uninteressant."
Rap + Pop = "Raop"
Durchaus spannend dafür die dreizehn Tracks des Debüts: "Raop" - also eine Mischung aus Rap und Pop - erfüllt konsequent die Vorgabe durch den Titel. Nach dem Durchbruch von deutschem Sprechgesang in den 90ern und der Dominanz von Aggro-Rap in der vergangenen Dekade nun also wieder etwas Neues. "Ich glaube, das passiert im Zyklus", versucht sich Carlo an einer Erklärung. "Es gibt immer eine Richtung, auf die sich jeder stürzt - bis alle es machen. Dann wird es doof und es kommt wieder was Neues. Jetzt sind wir einfach an dem Punkt, an dem sich etwas dreht."
Wie aus einem Guss
Und zwar zugunsten von lustvollem Hip-Hop mit Sprachwitz und Melodie-Affinität, wenn Cro bei "Einmal um die Welt" Indie-Klänge einstreut, für "Wir waren hier" hymnisch wird oder jugendlichen Übermut bedient ("Du"). "Bei einem Album verklemmen sich viele, weil sie glauben, sie brauchen jetzt ein Liebeslied, ein Clublied und was Hoffnungsvolles. Dann wird es zu verkopft, das wollte ich nicht", sinniert Cro über die Ausgewogenheit. Einen zu hochtrabenden Gestus kann man ihm ohnedies nicht vorwerfen, viel mehr klingt "Raop" - trotz des kurzen Entstehungszeitraums von nur wenigen Monaten - leicht und wie aus einem Guss. "Hätte ich mir Druck gemacht, dann wäre es nicht so geworden, wie es jetzt ist. Ich habe beim Schreiben versucht, alles auszublenden und nicht darüber nachzudenken, wer es dann gut findet und wer nicht."
"Irgendwann muss die Maske fallen"
Bleibt noch die Frage nach dem eigenwilligen Erscheinungsbild: Wie kam es zur Panda-Maske? "Mein Label Chimperator hat mich im Internet entdeckt und dort gibt es keine Bilder von mir. Wir haben überlegt, wie wir das fortführen könnten. Deshalb die Idee mit der Maske. Die hab' ich einfach im Internet bestellt. Es gab auch viele andere - Comicfiguren, Helden, andere Tiere - aber keine sah so cool aus wie die." Ob seine Identität im großen Stile "gelüftet" werden soll, stehe derzeit noch nicht fest. "Man kann es nicht aufhalten, irgendwann muss die Maske fallen. Aber wir haben noch kein Datum, sondern werden es noch ein bisschen raus ziehen."

