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Dom-Bierignon

19.11.2009 | 18:00 | von Sepp Wejwar (Die Presse - Schaufenster)

Bier als Ausgangsmaterial für schaumige Spielereien: Variationen wie Schampus, Brew-secco oder ein Jahrgangsbier sind das Ergebnis.

Werden wir einmal an Bier denken, während wir die Champagner-Arie summen? Unsere Welt von heute ist viel weniger schwarz-weiß als jene, die wir noch vor ein paar Jahrzehnten kannten. Längst gibt es viel mehr Sowohl-als-auch als Entweder-oder. (Schaum-)Wein oder Bier ist für Genießer keine Grundsatzfrage mehr, sondern eine Frage der Gelegenheit. Dem hat der Bierbrauer Hans Gmachl mit seinem jüngsten Streich eine weitere Facette hinzugefügt.

Anfang November präsentierte er in Salzburg seinen ersten Weißbier-Schampus. Für die Herstellung des spritzigen Bieres hat das Bräu den richtigen Partner gefunden: Der Langenloiser Karl Steininger, Österreichs Spezialist für feine, schäumende Getränke, hat das Bier durch Versekten veredelt. Steininger sieht sich selbst als „Prediger für alles, was aus sich heraus schäumt, also nicht einfach aufgespritzt ist“. Er hat sich des Weißbier-Schampus angenommen, weil er „die verrückten Sachen liebt und besonders für Neues zu haben ist – auch wenn es, so wie in diesem Fall, nicht wirtschaftlich ist“. Gerade einmal 1500 Flaschen werden heuer erzeugt.

Korkenknallen. Agraffe (die Drahtvorrichtung, die mithilft, den Stoppel in der Flasche zu halten) runter, der Korken knallt. Schampusartig schäumt es aus dem Glas . . . Ist so etwas noch „Bier“? Sicher. Nur wenige kennen die enorme Bandbreite des Gebräus aus Hopfen und Malz. Das Besondere am Weißbier-Schampus ist allerdings, dass er – im Unterschied zu früheren, sogenannten „Champagner-Weizenbieren“ – tatsächlich versektet wird. Das dafür verwendete Grundbier entspricht Steiningers Grundsatz „je kräftiger, je reifer, je besser das Ausgangsprodukt, desto besser der Schaumwein – oder in diesem Fall der Weißbier-Schampus“. Um ihn zu erzeugen, wurde ein gereifter Weizendoppelbock mit Champagnerhefe vergoren. Der bierige Schampus hat 16 Grad Stammwürze und 8 % Vol. Alkohol. (Zum Vergleich: Ein Vollbier, z. B. Märzen, hat rund zwölf Grad Stammwürze bzw. rund 5 % Vol. Alkohol). Verschlossen wird das Bier, wie es sich für einen anständigen Schampus gehört: mit einem Sektkorken und einer Agraffe.

Bereits im dritten Jahrgang gibt es den „Brew-secco“ aus der Steiermark. Gerhard Forstner, seines Zeichens Handbrauer aus Kalsdorf bei Graz, hatte die Idee zu diesem Apero-Bier. Es sollte leichter werden als Prosecco, aber besser. „Mehr Geschmack“ war eine der wichtigsten Devisen im Brauplan. Heraus kam ein moussierendes Bier mit 8,5 % Vol., also deutlich leichter als Prosecco, der meist rund elf Prozent Alkohol ins Glas bringt. Das exklusive Bier wird zweimal jährlich gebraut und dann in rund 400 Flaschen (0,7 und 0,375 Liter) gefüllt. Anfang November kommt die neue Charge auf den Markt. Brew-secco ist allein schon köstlich, im Mix mit Tonic (1/3 Tonic und 2/3 Brew-secco) mundet es aber auch sehr gut.

Trumer Diamond wird im Vergleich zum Weißbier-Schampus und zum Brew-secco in größerer Menge eingebraut, jährlich 25.000 Flaschen. Axel Kiesbye hat es für die Biergenießer entwickelt. Allein der Brauvorgang liest sich wie ein Märchen: Die Schüttung (das Malz) besteht aus Imperialgerste, einer Urgetreideform. Goldgelber Hopfenblütenstaub des neuseeländischen Jadehopfens wird zugesetzt, er wird durch Sieben bei –38°C gewonnen. In die Gärung kommt nur Vorderwürze, der edelste Teil der Würze. Nämlich jener, der von selbst, also ohne späteres Auswaschen, abfließt. Zwei Monate Lagerung und doppelte Filtration machen den Diamanten unter den Bieren für mindestens sieben Jahre haltbar. Dabei wird ordentlich Druck aufgebaut. Deshalb ist die Rotglasflasche, die das Trumer Diamond birgt, ebenfalls mit Sektkorken und Agraffe verschlossen.

Kein Schampus, aber ein seltenes Bier wurde jüngst vom Mühlviertler Biererlebnis gemeinsam mit dem Team der Zeitschrift „bier.pur“ eingebraut: Barley Wine. Ein Bierstil, der womöglich in Österreich erstmals hergestellt wurde. Die „Edition 09“ eröffnet eine Serie von außergewöhnlichen Jahrgangsbieren.

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