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Social Design: "Was heißt hier sozial?"

07.11.2009 | 18:24 | von Anna Burghardt (Die Presse)

Ob Frankfurter Küche oder Waschmaschine: Gestaltung prägt die Gesellschaft mit. Eine Ausstellung von Jungkuratoren fragt, was Social Design eigentlich ist.

Wie nähert sich ein Mensch einem Bücherregal an? Welche Bewegungsradien, welche Rhythmen spielen dabei eine Rolle? Diese Fragen standen bei Friedrich Kiesler am Anfang der Entwurfsarbeit für seine Mobile Home Library, ein Bibliothekssystem für so unterschiedliche Ansprüche, wie sie etwa innerhalb einer Familie unter einen Hut zu bringen sind. Schwer unter einen Hut zu bringen waren auch die Ideen der 21 Kuratoren, die sich für die Ausstellung „Der Traum einer Sache – Social Design zwischen Utopie und Alltag“ mit dem Gestalten mit sozialer Verantwortung beschäftigten, wie es Kiesler vorgemacht hat.


Interdisziplinär. Die Zahl der Beteiligten mag verblüffen: Die Schau wurde im Rahmen des ecm-Masterlehrgangs auf der Angewandten konzipiert, der Ausbildung zu Kuratoren. Seit Februar 2009 arbeitet das 21-köpfige Team an der Ausstellung, Designerinnen sind ebenso dabei wie Biologen oder Historiker. „Unsere Herangehensweisen waren naturgemäß sehr breit gefächert“, erzählt die Kunsthistorikerin Agnes Hannes. Bereichernd, aber nicht immer leicht sei die Arbeit gewesen. Jeder der Teilnehmer nahm zwei Aufgaben wahr, einen inhaltlichen und einen organisatorischen Part, wie Vermittlung oder Projektkoordination. So unterschiedlich teamfähig oder einsatzfreudig die Kuratoren auch waren: Gerade der Vielfältigkeit der Gruppe ist es zu verdanken, dass die visuelle Umsetzung der fünf Themenstränge so gut gelungen ist: Diese ziehen sich wie die fünf Wiener U-Bahn-Linien durch den Raum, die Eintrittskarte ist wie der gute alte Streifenfahrschein gestaltet.


Einmal umsteigen. Die rote Linie behandelt moderne Utopien; Kieslers Büchersystem oder die Frankfurter Küche von Margarete Schütte-Lihotzky sind hier anzutreffen. Nimmt man die grüne Linie, passiert man Stationen wie „Versammeln“ oder „Offenlegen“, alltägliches Handeln wird hinterfragt: Welche sozialen oder politischen Forderungen nehmen wir unreflektiert auf? Wie kann man diese Alltagswahrnehmung durch Design verändern?

Die orangefarbene Linie widmet sich mit Haltestellen wie „Präsentieren“ oder „Verkaufen“ den Produktionsbedingungen. Welche Menschen stehen hinter den „Social Design“-Produkten? „Natürlich kann man wie in der wirklichen U-Bahn auch umsteigen“, erklärt Agnes Hannes das Konzept. An der Station „Waschen“ etwa von der grünen Linie in die violette, die Fortschrittsversprechen wie die Waschmaschine unter die Lupe nimmt. „In den Siebzigern hatte noch nicht jeder Haushalt eine Waschmaschine, heute ist sie eine unglaubliche Erleichterung. Dass diese technologische Entwicklung aber auch Konsequenzen für die Umwelt hat, hat man damals noch nicht bedacht.“

Die U-Bahn-Linien laufen in der Ausstellung sowohl auf dem Boden entlang als auch an den Wänden und über Podeste. Zu sehen sind kulturhistorische Objekte ebenso wie Designentwürfe, Modelle und künstlerische Arbeiten. Die Ausstellung wird von einem Diskussions- und Vortragsprogramm begleitet. „Was heißt hier sozial?“, fragt etwa Nicolas Beucker, Professor für Social Design an der Hochschule Niederrhein. Die kuratorischen Rundgänge zu verschiedenen Schwerpunkten zeigen abermals die Vielfältigkeit der Lehrgangsteilnehmer: So wird die Frankfurter Küche auf Koreanisch erklärt.


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