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Amy Macdonald: Das Fehlen jeglichen Leichtsinns

05.07.2012 | 18:09 | von SAMIR H. KÖCK (Die Presse)

Amy Macdonald löste bei einer Show auf der Mariahilfer Straße einen Auflauf aus. Die 24-Jährige selbst gibt sich dennoch erstaunlich nüchtern.

Sie ist die etwas andere Amy. Nicht nur sind ihre Lieder ganz anders gestrickt, auch ihre Einstellung zum Ruhm ist seltsam nüchtern. Verdächtig nüchtern. Die 24-jährige Schottin Amy Macdonald findet die größte Freude daran, sich als ganz normaler Twen zu inszenieren, obwohl sie jetzt bereits ausgesorgt hat. Mehr als zwei Millionen Stück hat sie von ihrem Debütalbum „This Is The Life“ absetzen können, das sie am Mittwochabend auch in Wien präsentierte – in einem Shop auf der Mariahilfer Straße.

Ihre Konsens-Popsongs schreibt sie größtenteils selbst. Es ist Musik für empirisch festgestellte Gruppen. Macdonald schreibt aus Sicht eines Twens über „The Days of Being Young And Free“. Aber auch tote Hunde, der Klimawandel und selbst der amerikanische Unabhängigkeitstag können bei ihr zum Thema werden. Während eine Adele oder eine Amy Winehouse auch in den USA groß rauskamen, hat Macdonalds Karriere – zumindest wenn es nach manchem britischen TV-Moderator geht – Schieflage: Amy Macdonald hat seit ihrem zweiten Album im deutschsprachigen Raum mehr Erfolg als in ihrer Heimat. Sie muss seither mit Häme kämpfen. „European pop is a bit cheesy. You are a big star there“, warf ihr kürzlich ein Moderator in einer Livesendung vor. Macdonald parierte mit einem „Mag schon sein. Der Grund, warum sie meine Musik mögen, ist aber sicher, weil sie authentisch ist.“

Mit „4th of July“ schrieb Amy Macdonald nun einen ein bisserl gar patriotischen Song zum Thema Amerikanischer Unabhängigkeitstag. Unterfüttert von strammen „The Star-Spangled Banner“-Klängen schwärmt sie von feuerwerkserleuchteten Festen mit ganz viel Gemeinschaftsgefühl. Das zelebriert sie schließlich auch gern mit ihren Fans. Gastiert sie auf Festivals, kann es schon passieren, dass sie inmitten der Massen selbst im Zelt logiert. Noble Hotels sind ihr schließlich immer noch ein wenig unheimlich.

Die Fixierung auf eine einzige Staatsbürgerschaft wird ihr auch immer lästiger. Ginge es nach ihr, hätte sie gleich mehrere. Als Fan der schottischen Fußballmannschaft ist sie leidgeprüft wie die Österreicher. Bei großen Turnieren muss sie ständig zu anderen Nationen halten. Gar nicht so überraschend sind es jene, in denen sie selbst am erfolgreichsten ist. Trotz ein paar (erfrischend) negativer Äußerungen gegen Berti Vogts, der 2004 als schottischer Nationaltrainer spektakulär versagt hat, hält sie am liebsten Deutschland die Daumen.


Die österreichischen Fans verzeihen ihr einen solchen Fauxpas offensichtlich. Das Kreisch-Teenie-Aufkommen bei ihrem ersten Wiener Showcase war jedenfalls beträchtlich. Stramme Polizistinnen beobachteten das Treiben skeptisch. Die rotwangigen Teenies waren zwar ein bisschen nervös, aber außermusikalische Gründe für einen Einsatz gab es keinen. Und so fräste sich das bewusst unglamouröse Teenageridol mit sirenenartiger Stimme ungestört in die Gehörgänge. „Slow It Down“, ihre aktuelle Single, lockte in den Leichtsinn eines universellen Lebenseinverständnisses. Länger dienenden Wienern senkte es angesichts dieser positiven Attitüde das Grauen ins Herz. Sie mussten einmal mehr das Sich-Totstellen als Überlebenstechnik anwenden.

Resistentere Charaktere labten sich hingegen an den charmanten Spuren schottischen Akzents, den Amy Macdonald in Interviews von der Leine lässt. Leider ist das auch schon der einzige menschliche Zug dieser die „Normalität“ preisenden jungen Dame. Man kann sich gar nicht mehr vorstellen, dass ihr ein Konzert des wilden Pete Doherty Anlass war, selbst ins Musikbusiness einzusteigen. Das Fehlen jeglichen Leichtsinns macht Amy Macdonald letztlich doch ein wenig unheimlich.

Das neue Album heißt „Life in a Beautiful Light“. Seine Losung? Gedimmtes Licht für alle! Jawohl.


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