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Danny Boyle: Der Regisseur und das Mädchen

19.08.2012 | 18:23 | von Teresa Schaur-Wünsch (Die Presse)

Olympia-Regisseur Danny Boyle bekam nicht nur Lob, sondern auch das engagierte Mädchen: Salzburg- und Opernball-Gast Rosario Dawson. Kennengelernt hatten sich die beiden über Boyles aktuellen Film „Trance“.

Die Olympischen Spiele sind vorbei – und Danny Boyle bleibt in den Nachrichten. Nicht, weil man immer noch von seiner Inszenierung der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele schwärmen würde – das hat man zeitgerecht ausgiebig getan, inzwischen ist das Thema erledigt. Dafür ist der Regisseur unvermutet in die Celebrity-Spalten der britischen Medien geraten.

Nicht, weil er selbst besonders viel Glamour versprühen würde – der 55-jährige Brite mit den Geheimratsecken hat die Aura eines Technikprofessors; er ist gern im grauen Sakko unterwegs und wenn er gestikuliert, kann man sich vorstellen, er erkläre einem die Geheimnisse der Physik und nicht jene seines Filmerfolgs. Es ist die Frau an seiner Seite, die den Oscarpreisträger plötzlich auch privat spannend macht. Die Hauptdarstellerin seines jüngsten Films, Rosario Dawson.

Ende Juli war die Amerikanerin, die man vor allem aus „Sin City“ kennen könnte, später als die ebenfalls eingeladene Teri Hatcher bei den Salzburger Festspielen aufgetaucht, wo sie Gast der Premiere des Young Directors Projects war, und flog auch früher wieder ab – zurück nach London. Zwei Tage später wurden Boyle und die um 20 Jahre jüngere Dawson, frei von der Anspannung vor der Olympia-Eröffnung, beim gemeinsamen Shopping-Spaziergang durch die Küstenstadt Brighton fotografiert, die „Daily Mail“ machte die Bilder publik.


Kennengelernt hatten sich die beiden über Boyles aktuellen Film „Trance“, einen Thriller, der Ende des Jahres ins Kino kommt und bei dem sich Dawson gegen Kandidatinnen wie Scarlett Johansson und Zoe Saldana durchgesetzt hatte. Es ist Boyles erster Film seit seinen beiden jüngsten Erfolgen, „127 Hours“, in dem James Franco in einer Felsspalte hängt, und seinem achtfach oscarprämierten Werk „Slumdog Millionaire“, der seinen Namen nach dem Neunziger-Heroin-Trip „Trainspotting“ endgültig geläufig machte.

Boyle, der drei Kinder aus einer 20-jährigen Beziehung hat, die 2002 in die Brüche ging, stammt aus einer Arbeiterfamilie in Manchester. Der Vater arbeitete in einem Kraftwerk, die Mutter in einer Cafeteria. Er wurde katholisch erzogen und wollte eigentlich Priester werden, bis ihn ein Schulausflug zur Royal Shakespeare Company und ein Kinobesuch in Kubricks „A Clockwork Orange“ auf andere Ideen brachten. Boyle studierte Englisch und wurde Regisseur – unter anderem am Londoner Royal Court Theater.

Dawson wiederum, im heurigen Februar Gast auf dem Wiener Opernball, stammt aus New York, hat puerto-ricanisch-afrokubanische, irische und indianische Wurzeln; ihre Mutter war 17, als sie geboren wurde. Rosario Dawson wuchs mit aidskranken Verwandten „unter hungrigen und frustrierten Künstlern“ in einem Apartment ohne Strom und fließendes Wasser in der rauen Lower East Side auf und wurde auf der Straße für den Film „Kids“ entdeckt. Der ermöglichte ihr eine Ausbildung am Lee Strasberg Theatre Institute – wofür sie ihre Pläne, Meeresbiologin zu werden, ad acta legte. Sie lernte bei Spike Lee und Oliver Stone und taucht seither immer wieder in Hollywoodfilmen auf, demnächst etwa in der Highschool-Komödie „10 Years“, wo sie die einstige Flamme von Nachwuchsstar Channing Tatum gibt.

Dementsprechend lebt sie berufsbedingt in Los Angeles. Nach London, wo Boyle in Olympia-Stadion-Nähe im East End wohnt, will sie nicht ziehen – obwohl ihre letzte Beziehung zum französischen DJ Mathieu Schreyer an der Distanz scheiterte. „Ich teile meine Zeit zwischen England und LA“, sagt sie. Derzeit konzentriere sie sich allerdings auf die US-Wahl, reist zu den Conventions. Seit mehreren Jahren engagiert sich Dawson neben der Schauspielerei sozial und politisch. Vor acht Jahren hat sie die Organisation „Voto Latino“ gegründet, die junge Latinos zum Wählen motivieren will. „Das“, sagt sie, „hat jetzt Priorität.“

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