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Ben Becker: Rockstar, Rebell und Romantiker

03.09.2012 | 17:51 | von Christine Imlinger (Die Presse)

Zum Finale der Festspiele sorgt der Tod für einen Eklat, wird abgeführt und heiratet tags darauf ohne Pomp, dafür Qromantisch in Tracht am See - zwei Seiten des Ben Becker, die er par excellence vorgeführt hat.

Ben Beckers Polterabend – es wäre ja enttäuschend, wäre dieser anders verlaufen. Ohnehin war es in der heurigen Festspielsaison ungewöhnlich ruhig um den Tod, den Becker seit 2009 im „Jedermann“ gibt, gilt doch das Verhältnis zwischen Becker und Festspielintendant Alexander Pereira als spannungsreich. Es musste also so kommen. Schon eine Stunde vor Eröffnung des Festspielballs am Samstag drehte Becker Runden vor dem roten Teppich, schrieb Autogramme, hielt Fotografen seinen Mittelfinger vor die Linsen.

Während der Eröffnung war es so weit, das viel zitierte Enfant terrible wurde seinem Ruf gerecht: Drei Mal habe Becker Pereira „Gott sei Dank spielst du nicht, du Pfeife“, entgegengerufen, berichten Zeugen. Vier Securitys sollen Becker dann äußerst grob – von einem verdrehten Arm ist die Rede – abgeführt haben. Salzburg hat seinen Skandal. Von einem betrunkenen, torkelnden, polternden Star ist die Rede. Von jenem Bösewicht, dessen Image Becker selbst so gern pflegt. Tatsächlich dürfte Becker nicht ganz so wild gewesen sein. Weder sei er betrunken gewesen noch über eine Stiege gestürzt, das Abführen „wie einen Schwerverbrecher“ sei völlig überzogen gewesen, heißt es.

Aber doch, ohne Geschichten wie diese wäre Ben Becker nicht Ben Becker. Manch einer vergleicht ihn heute mit dem legendären Klaus Kinski, der ebenso gern den Exzentriker gab, mit Ausbrüchen und Entgleisungen von sich reden machte. Und dessen Werk Becker für ein Hörbuch gelesen hat.

Der Rebell der Festspielstadt – das Spektakel war nicht von Dauer. Am Sonntag hat Becker im Pongauer Örtchen Goldegg seine langjährige Partnerin Anne Seidel geheiratet. Er in Lederhose, sie im grünen Dirndl, auf einem Steg, am 12. Geburtstag der gemeinsamen Tochter. Begleitet von einer Trachtenkapelle, nach dem Jawort sangen Mädchen „Nie mehr ohne di sein“ der „Seer“. „Es war toll, es hat Spaß gemacht. Wir hatten Kaiserwetter. Uns geht's gut, wir sind glücklich“, so zitiert die deutsche „Bild“ Becker, wittert aber freilich einen neuen Skandal („Auf einem Badesteg!“ „Bier aus der Flasche!“ – macht: „Die schrägste Hochzeit des Jahres“, „völlig durchgeknallt!“).

„Sehr unaufgeregt, ohne Pomp und Trara, mit viel Rührung. So, wie er eben ist“, sei die Feier verlaufen, erzählt Hotelier Sepp Schellhorn, in dessen „Seehof“ die Hochzeit seines Stammgasts – Becker wohnt während der Festspiele stets dort – stattgefunden hat. Schön und romantisch, berichtet Bürgermeister Hans Mayr, der die Rolle des Zeremonienmeisters innehatte. Nur mit rund 20 Gästen, darunter auch Beckers Schwester, Schauspielerin Meret, sei die Feier schon vor Mitternacht zu Ende gegangen.

Es sind die zwei Seiten des Ben Becker, die er an diesem Wochenende par excellence vorgeführt hat: der Wilde, Exzentrische, Unkontrollierbare. Und der Sensible, Ruhige, Romantiker. Beckers Ehefrau, Anne Seidel, dürfte wissen, worauf sie sich einlässt: Seit 14 Jahren an seiner Seite (obwohl angesichts seines Lebensstils teils in getrennten Wohnungen) kennt sie die Exzesse, bis hin zu einer lebensbedrohlichen Überdosis Heroin 2007. Oder die Aufregung nach Beckers Behauptung, Franz Beckenbauer sei tot. Nach seinen Sympathiebekundungen für die Hells Angels oder über seine detaillierten Schilderungen amouröser Abenteuer.

Er fühle sich eben als Rockstar, als Punk, sagen Kenner, sei aber ein „herzensguter“ Mensch, einer, der sage, was er sich denkt, einer mit dem berühmten weichen Kern. Auch öffentlich. So hat sich Becker jüngst, in seiner letzten Saison als Tod mit Tränen in den Augen vom Publikum verabschiedet. Er hätte gern weitergemacht, heißt es. Wiewohl Becker selbst das Gegenteil zu Protokoll gab. Eine lange Ungewissheit, eine Art Gesprächsverweigerung der Festspielleitung soll für jene Spannungen gesorgt haben, die schließlich für den kleinen Eklat auf dem Ball sorgten. Aber auch dafür, dass Becker einen Polterabend genoss, der seinem Ruf gerecht wurde.

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