Vor Jahren bewunderten viele außenpolitische Journalisten einen Mitarbeiter der damaligen österreichischen Außenministerin, der selbst neben einem laufenden Flugzeugtriebwerk mit dem Handy Gespräche führen konnte, ohne dass sich ein Härchen seiner Frisur bewegte.
Wenn es einen Mann mit noch makelloserem Haarschnitt gibt, dann ist es der Manchester United-Stürmer Cristiano Ronaldo, der nach 90 Minuten Fußball im strömenden Regen immer noch ausschaut wie aus einem Werbeprospekt für Haargel. Selbst die Sektduschen seiner Kollegen nach dem Meisterschaftstriumph von Manchester United am Sonntag überstand Ronaldos Haarpracht völlig unbeschadet.
Dass Manchester United im strömenden Regen beim Nachbarverein Wigan am Sonntag zum 10. Mal die englische Premier League gewann, haben die „Red Devils“ zu großem Ausmaß dem Köpfchen und den Beinchen des portugiesischen Superstars zu verdanken.
Mit bisher 42 Toren hat er in dieser Saison nicht nur den Rekord der ManU-Legende George Best von 33 Toren förmlich pulverisiert – im Champions-League-Finale in einer Woche in Moskau gegen Chelsea kann er seine Mannschaft auch noch zur begehrtesten Trophäe im europäischen Club-Fußball schießen. Oder köpfeln – ohne dass seine Frisur Schaden erleidet.
Der von den Manchester-United-Fans mittlerweile vergötterte Spieler von der Ferieninsel Madeira wird ab der kommenden Saison auch der bestbezahlte Fußballer in England sein: Für eine Vertragsverlängerung bis 2014 erhält der 23-Jährige sagenhafte 44 Millionen Pfund. Das sind 7,3 Millionen Pfund im Jahr oder 140.000 Pfund (fast 180.000 Euro) in der Woche. Manager Alex Ferguson hat trotz der immensen Summe überhaupt keine Bedenken: „Er ist jeden Groschen wert.“
So viel Geld muss erst ausgegeben werden. Seiner Mama hat der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Ronaldo, der als Elfjähriger seine professionelle Fußballerkarriere begann, soeben einen Mercedes um 30.000 Euro gekauft.
Für sich selbst liebt er es noch ein wenig schneller: Nicht nur ein Bentley Cabriolet und einen Audi R8 besitzt er, kürzlich bestellte er sich auch einen Bugatti Veyron um stolze 825.000 Pfund – immerhin fast sechs Wochen Arbeit für ihn. Einen Lamborghini, wie ihn sich sein Teamkollege Wayne Rooney kürzlich zugelegt hat, hält Ronaldo dagegen schon für „so gestrig“.
Mit den schnellen Autos durch das Umland von Manchester zu flitzen, wo die Fußballstars ihre Paläste stehen haben, ist eine der Lieblingsbeschäftigungen von Ronaldo und seinen Freunden.
David Beckham, der vor ihm die legendäre Nummer 7 tragen durfte, hatte einen eigenen Rechtsanwalt nur für seine Geschwindigkeitsübertretungen. Dass Ronaldo trotz seines Reichtums, seines Erfolgs und seines blendenden Aussehens dennoch nicht unbedingt der Traumschwiegersohn aller englischen Mütter ist, hat mit einer anderen Lieblingsbeschäftigung des Spielers zu tun: Neben zahlreichen Affären, die ihm nachgesagt werden, gibt Ronaldo sehr viel Geld für Prostituierte aus.
Vor zwei Jahren wurde er in London nach einer Liebesnacht wegen angeblicher Vergewaltigung vorübergehend festgenommen. Im Vorjahr buchten er und seine Teamkollegen Nani und Anderson fünf Prostituierte für eine Orgie in seinem Haus.
Heuer belohnte er sich für einen Hattrick im Spiel gegen Aston Villa mit einem Kurzbesuch im Rotlichtviertel in Rom. Im Bett scheint der Star freilich weniger beeindruckend als auf dem Fußballplatz: „Er hat nicht einmal gesprochen und war völlig lieblos“, berichtet eine der Damen ernüchtert. Man darf aber davon ausgehen, dass seine Frisur unversehrt blieb.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2008)