Pro Woche 45 Stunden Frühstück, Tee und Kaffee kredenzen, Kleider aufhängen, Anzüge abbürsten, Koffer packen und tragen, Post sortieren und (mit weißen Handschuhen auf dem Silbertablett) zustellen – und das für einen Stundenlohn von weniger als sieben Euro. Klingt nicht nach einem Traumjob, aber bei diesem Arbeitgeber dürfte die Stelle trotzdem heiß begehrt sein: Der königliche Haushalt, sprich die Queen, sucht einen neuen Butler.
Laut Stellenausschreibung auf der Website der britischen Monarchie soll der ideale Kandidat „engagiert und enthusiastisch“ sein, Erfahrung in und Leidenschaft für Gastronomie und Hotelwesen mitbringen, belastbar und teamfähig sein, harte Arbeit nicht scheuen und sich bemühen, in puncto „persönlicher Präsentation“ und „Umgangsformen“ den „allerhöchsten Standard“ zu erreichen.
Und damit wären zwei entscheidende Qualitäten noch gar nicht erwähnt, meint Sebastian Hirsch, Chef der Agentur „Butler For You“ mit Büros in London und Berlin zur „Presse“. „Der Butler der Queen muss unbedingt loyal und natürlich sehr diskret sein. Was der Butler im Buckingham Palace hört, ist nicht für bürgerliche Ohren bestimmt“ – auch wenn Hirsch natürlich weiß, dass nicht alle seiner Kollegen der Versuchung widerstehen können, aus den aufgeschnappten Indiskretionen Kapital zu schlagen.
Bekanntes Beispiel ist Paul Burrell, der mit 18 Jahren erst Lakai von Elisabeth II. und später Butler von Prinzessin Diana wurde. 2003, sechs Jahre nach dem Tod seiner Chefin, schrieb Burrell den internationalen Bestseller „A Royal Duty“ („Im Dienste meiner Königin“) und beschrieb darin detailliert die nicht immer glücklichen Familienverhältnisse der Windsors. Hirsch hat dafür nur ein Wort: „Verabscheuungswürdig“. Burrell habe den gesamten Berufsstand in Verruf gebracht: „Der kriegt nie wieder einen Job als Butler.“
Doch für interessierte Bewerber für eine der 1200 Stellen im königlichen Haushalt könnte die Lektüre hilfreich sein – denn Burrell beschreibt nicht nur Mit- und Gegeneinander der Royals, sondern auch den Alltag der Dienstboten: Jedes Mitglied der königlichen Familie muss mit Knicks oder Bückling begrüßt werden. Augenkontakt ist verpönt, ein guter Diener möglichst unsichtbar (um das zu leisten, hilft laut Burrell manchmal nur der Sprung in den Wandschrank). Und das Intrigenspiel des Personals im Dienstbotentrakt soll noch mörderischer sein als beim Adel darüber.
Immerhin, um Wohnung und Verköstigung muss sich der „Trainee-Butler“ keine Sorgen machen: Kost und Logis sind inbegriffen, zudem kann der Nachwuchsbutler nach zwei Jahren im königlichen Haushalt ein international anerkanntes Diplom erwerben.
Auch wenn Butler traditionell ein Männerberuf ist – laut Ausschreibung dürfen sich Frauen gleichberechtigt bewerben. „Mittlerweile“, sagt Butler Hirsch, „sind weibliche Butler durchaus üblich. Manche Familien bevorzugen sie sogar.“
Eins kann sich der künftige Butler aber abschminken: ein normales Privatleben. Persönliche Beziehungen zwischen Angestellten der Royals sind nicht gern gesehen. Und auch mit einem Partner außerhalb des Palastes wird es schwierig. Schließlich muss der Butler mitkommen, wenn es die königliche Familie für ein paar Wochen in eines ihrer anderen Schlösser, etwa in Windsor oder Schottland, zieht.
Dass ausgerechnet eine der reichsten Familien der Welt ihrem Butler weniger bezahlt als eine Londoner Durchschnittsfamilie ihrem Babysitter, findet Hirsch nicht weiter verwerflich. „15.000 Pfund im Jahr ist zwar wirklich nicht viel“, sagt Hirsch. „Aber der Pay-off kommt hinterher – wer Butler der Queen im Lebenslauf stehen hat, kann später im sechsstelligen Bereich verdienen, vor allem in den USA und in Russland. Und in Istanbul – dahin habe ich gerade jemandem vermittelt, der verdient jetzt zwischen 100.000 und 120.000 Euro.“
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Großbritannien: Die Queen sucht einen neuen Butler
11.09.2011 | 20:30 | von unserer Korrespondentin Julia Kastein (Die Presse)
Die Arbeit im königlichen Haushalt ist nicht gut bezahlt, auf ein normales Privatleben muss man verzichten. Dafür macht sich ein Job im Buckingham-Palast später sehr gut im Lebenslauf.
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