Ist die Opernball-Demo gestorben? Scheint so. Was einst - Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre - Tausende auf die Straße brachte, verleitet 2010 trotz Wirtschaftskrise nicht einmal mehr zu einem Demo-Aufruf auf Indymedia oder Facebook. "Welche Maßnahmen wir ergreifen werden, werden wir erst kurzfristig entscheiden. Derzeit gibt es einfach nichts", sagte dementsprechend Polizeisprecher Mario Hejl am heutigen Dienstag. Unklar bleibt damit auch, ob es überhaupt eine Sperrzone um die Oper gibt bzw. welche Verkehrsmaßnahmen getroffen werden, das werde man am Tag des Opernballs entscheiden, so Hejl.
Der Fokus hat sich verschoben
Dass noch ein Aufruf oder gar eine Anmeldung für eine Demonstration kommt, scheint auch sehr unwahrscheinlich, denn der Opernball hat sein Mobilisierungspotenzial offensichtlich verloren, wie mehrere Demo-Veteranen meinten. "Gegen ein Kasperltheater demonstriert man nicht", formulierte es Martin Margulies, heute Budgetsprecher der Wiener Grünen. "Das Zentrum der Auseinandersetzung hat sich verlagert. Was steht heute im Vordergrund beim Opernball? Wen bringt der Lugner als Stargast, was verdienen (Alfons, Anm.) Haider und (Dominik, Anm.) Heinzl?"
Opernball verliert an Bedeutung
Das mangelnde Mobilisierungspotenzial liegt für den Grünen Mandatar in der "schwindenden Bedeutung des Opernballs selbst", nicht in den schwindenden Problemen, gegen die man demonstrieren könnte. Es gebe andere Demos, etwa gegen das World Economic Forum in Davos und andere Veranstaltungen, die beispielsweise die Anti-Globalisierungsbewegung auf den Plan rufen. Und nicht zuletzt: "Die Leute von damals sind heute 40, 45", sagte Margulies.
Die Exekutive wollte nicht kommentieren, warum es keinen Protest mehr gibt. "Wir sind froh, dass es keine Opernball-Demo mehr gibt, und wir brauchen auch keine", so Hejl.