Vorausschauend lösen wir die Bremse, lassen das Auto eine Sekunde vor Grünlicht lautlos anrollen. Nun sachte aufs Gaspedal, der Elektromotor zieht die Fuhre mit sanftem Druck vorwärts. Ein Zentimeter zu viel am Pedal, und der Benzinmotor würde sich ins Geschehen mischen, das wollen wir nicht. An unserem Auspuff könnte jetzt ein Asthmapatient schnuppern, da kommt nix raus.
55 km/h erreicht? Da vorn eine Ampel in Sicht? Runter vom Gas, jeder Meter im Schubbetrieb füttert die Batterie. Hier wird kein Schwung hergeschenkt! Dank Leichtlaufreifen macht nicht einmal das Dahinrollen Lärm. Und wie dankt einem das die Umwelt?
Man spürt förmlich, wie der im Rückspiegel heißläuft. Schließlich bedrängen und schneiden sie einen, es ist, als führe man das Fahrschul-„L“ spazieren – zum Überholkandidaten abgestempelt, die Welt hat kein Interesse an Entschleunigung. Der Prius jedoch, der kann sich an den Ampelrennen an jeder Kreuzung der Stadt nicht beteiligen.
Nicht, dass mit 136 PS Systemleistung (wenn Benzin- und Elektromotor gemeinsam voll anschieben) nichts weiterginge. Doch dazu müsste man ganz tief ins Gas steigen, und das haben wir in zwei Wochen Prius-Fahren nur wenige Male gemacht (einmal zum Testen, ein paar Mal aus Reflex).
Hoher Unterhaltungswert
Es stimmt schon, man kann den Prius fahren wie jedes andere Auto auch, aber das würde am Thema vorbeiführen. Das Auto wäre in seiner Fortschrittlichkeit gekränkt, der Fahrer als rückständig bloßgestellt.
Die Belohnung ist zunächst ein hoher Unterhaltungswert. Ständig kontrolliert man die Energieströme, die das Display in Echtzeit anzeigt: Welcher Motor gerade läuft, wer wen antreibt oder lädt. Peinlich genau wird der Spritverbrauch überwacht. Wir liegen bei 5,7 Liter/100 km, bislang reiner Stadtbetrieb (die Prius-Domäne). Da sollte noch was drin sein, auch wenn sich in der kalten Jahreszeit kaum Rekorde erzielen lassen. Diesen Wert bekäme man auch mit einem Diesel oder neuzeitigen Benziner hin – vorausgesetzt, man hielte sich an die Prius-Fahrweise. Die wird einem in normalen Autos bald zu blöd. Schließlich wollen wir uns ja noch deutlich verbessern. Honda hat bei seinen Mildhybriden die Tamagotchi-Idee aufgegriffen: Wer besonders sparsam fährt, dem wachsen digitale Blumen im Cockpit, das löst (im Idealfall) zarte Glücksgefühle aus. Doch derlei braucht es gar nicht, um den Ehrgeiz anzufachen.
Besonders flott sind wir also nicht unterwegs, wie geht es uns sonst im Prius? Das Hybridauto ist nun über zehn Jahre auf dem Markt, aktuell in dritter Generation. Die windschlüpfrige Form ist längst Markenzeichen. Das Cockpit hat Raumschiffcharakter. Der Instrumententräger ist wie aus einem Stück gefertigt, die Materialanmutung ist kühl, aber hochwertig. Ein Head-up-Display zeigt das Tempo, berührt man die Lenkradtasten nur leicht, wird ihre Funktion ins Display eingespiegelt – ein hübscher Hightech-Effekt.
Der Wahlhebel der Automatik (ein stufenloses Getriebe) ist ein blau schimmerndes Stummelchen. Wir gut wir die Sitze finden – speziell im Lordosenbereich –, wollen wir erst nach einer längeren Ausfahrt protokollieren. Die Lenkradposition lässt keine sportlichen Ambitionen aufkommen. Die Übersicht in alle Richtungen ist gut, und der Prius parkt sich in kleinste Lücken wie von selbst ein.
Diese Dinge tut er zumeist lautlos, was den Fahrer entzückt. Man kann den reinen Elektromodus auch per Taste abrufen, aber nur, wenn die Batterie mitspielt und man unter 45 km/h schnell ist.
Der Benzinmotor schaltet sich im Normalfall regelmäßig dazu. Die Batterie ist kein Speicher, der irgendwann voll ist und sich dann langsam erschöpft, sondern mehr ein Puffer, der kurzfristig Energie aufnimmt und abgibt. Die Quelle allen Vorankommens ist immer noch Benzin. Aber es fühlt sich ganz anders an. Fortsetzung folgt.
