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Mercedes SLS: Fahrerischer Combatmodus

21.03.2010 | 21:52 | Von Kristian Davidek (DiePresse.com)

Nicht nur in der Formel 1 gehen Mercedes und McLaren getrennte Wege. Für den SLS durfte sich Haus-Tuner AMG des Flügeltürenerbes annehmen.

Vorab ein paar Worte zur DNA des Fahrzeugs: 1952 - erfolgreicher Einsatz des 300- SL-Rennwagens, SL für „Sport leicht“. Von diesem ultrakonsequenten Leichtbaufahrzeug wurde eine zivile Variante abgeleitet, der legendäre 300 SL Flügeltürer. Die „Gullwings“ gingen als hoch elegante Notlösung in die Geschichte ein, notwendig geworden durch einen hoch in die Karosserie reichenden Gitterrohrrahmen, der keinen Platz für die Befestigung herkömmlicher Türen ließ. Von 1954 bis 1957 wurde der 300 SL angeboten, seine Seltenheit garantiert exorbitante Sammlerpreise.

Damals zeichneten die Ingenieure der Rennabteilung von Mercedes verantwortlich. 2010 heißt diese Einheit AMG, der Haus-Tuner aus dem schwäbischen Affalterbach hat mit dem SLS AMG erstmals in über 40 Jahren Firmengeschichte das gesamte Fahrzeug konstruiert. „Karosseriepartner“ ist übrigens Magna Steyr.

InlineDiashow (b2429670)

Es ist ein exzellentes Werkstück. Ingredienzen und Leistungsdaten entsprechen der beinahe christkindlichen Wunschliste von Menschen, die mit Stil in den fahrerischen Combatmodus langen wollen. Der 6,3-Liter-V8-Frontmittelmotor hat eine Trockensumpfschmierung für einen tiefen Schwerpunkt, 650 Newtonmeter reicht die Antriebsachse aus Karbon zum Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe in Transaxle-Anordnung (also hinten liegend).

Der recht konsequente Alu-Leichtbau ergibt ein Leistungsgewicht von 2,84 Kilogramm für jedes der 571 PS, deren Auswirkungen man in einem der schönsten Cockpits auf dem Markt erlebt. Vier Fahrstufenmodi ändern das Setup von Brötchenholen bis Rennstrecke, nichts aber an der grundsätzlichen Gewaltbereitschaft des Gesamtpakets. Machbar sind 3,9 Sekunden auf 100 km/h, machbar sind auch 317 km/h Höchstgeschwindigkeit, begleitet vom satten Brüllen aus der erstaunlich unzensuriert brüllenden Abgasanlage.

Geschlossen unterscheiden sich die Flügeltüren übrigens nicht von herkömmlichen Öffnungen, das Aus- und Einsteigen aber wird jenen leichter fallen, die auf ihren Bewegungsapparat geachtet haben: Es ist ein markanter Seitenschweller zu überwinden.

Fahrtraining und Abstecher auf die Rennstrecke seien empfohlen, es gibt einfach zu viel zu versäumen, wie wir ansatzweise erleben durften: zum Beispiel, wie die Automatik aufgeregt Zwischengas gibt, wie die Traktion nicht enden will und, nicht zuletzt, wie das Auto bremst, auch ohne optionale Keramikbremsanlage. Dass diese High-End-Ingenieurskunst nicht martialisch, sondern ästhetisch auf Räder gestellt wurde, das ist der eigentliche Kick des Mercedes-Benz SLS AMG.

Aufmerksamkeitsfaktor: kommt gleich nach einer UFO-Landung. Das Publikum lächelt und verfällt in kollektives Handyfotografieren, spätestens beim Öffnen der Türen liegt Applaus in der Luft. Die Exklusivität wird ob des Anschaffungspreises von 213.100 Euro über die nächsten Jahre hoch bleiben, wiewohl künstliche Verknappung nicht vorgesehen ist.

Wer einen SLS AMG haben möchte und bezahlen kann, bekommt auch einen. Verkauf ab sofort, Österreich traut man gleich einmal 50 Stück zu.


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