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"Glamping": Campieren in der Komfortzone

11.08.2012 | 18:03 | von Sabine Mezler-Andelberg (Die Presse)

Wenn das Kingsize-Bett im Zelt schon bezogen ist, dann ist es Glamping - die Kombination von Glamour und Camping. Jetzt etabliert sich der Trend aber zunehmend auch in den USA und in europäischen Ländern.

Alle wollen zurück zur Natur, aber keiner zu Fuß“, empörte man sich in der Protestkultur der 1980er-Jahre. Dieser Anspruch wird jetzt ausgeweitet, neben der friktionsfreien Anreise soll der neueste Trend auch noch Stil und Komfort am Ende der Welt bieten. „Glamping“ heißt das dann, ein kleines Wortspiel aus „Glamour“ und „Camping“. Oder wie es das „Oxford Dictionary“ definiert: „Glamping is likely to satisfy any city slicker seeking a little refuge in nature without foregoing any of life's luxuries.“

Diese Erfüllung für Stadtkinder, die auch in der Natur auf keinerlei Annehmlichkeiten verzichten mögen, beginnt schon bei der Ankunft des Reisenden. Undenkbar, selbst mitgebrachtes Gerät eigenhändig aufzubauen. Das Quartier erwartet den Glamper in voller Pracht, das Kingsize-Bett bezogen, die Handtücher im persönlichen Bad drapiert. Nichts erinnert mehr an komfortfreie Isomatten und muffelige Schlafsäcke. Und der Gedanke an Gemeinschaftsduschen ist dem Glamper so fern wie dem Camper das Damasttischtuch.

Ganz neu ist die Idee des Luxuscampings freilich nicht: Safarireisende in Afrika und Asien kommen schon seit Anfang des 20.Jahrhunderts in den Genuss der Luxuszelte im nirgendwo. In Ermangelung entsprechender Infrastruktur blieb Lodgebetreibern oft gar nichts anderes übrig, als ihre verwöhnte Klientel in (möglichst üppig ausgestatteten) Zelten unterzubringen.


Prominente Anhänger. Jetzt etabliert sich der Trend aber zunehmend auch in den USA und in europäischen Ländern, immer mehr Glamping-Refugien entstehen in den Mittelmeerländern und Großbritannien (siehe Kasten). Und in Holland, dem Mutterland des Wohnwagens, gibt es bereits eigene Glamping-Sektionen auf Touristikmessen, wie das „Manager Magazin“ kürzlich berichtete. Auch Prominente wie Kate Moss, Jamie Oliver und jüngst Justin Bieber – der „diese neue Sache“ unter hysterischer Zustimmung minderjähriger Mädchen vor wenigen Wochen als „cool“ bezeichnete – sorgen dafür, dass der Trend frischen Aufwind bekommt.

Wobei es dem klassischen Glamper nicht so sehr um den Status des hochpreisigen Urlaubsvergnügens geht, sondern eher um Genießen auf ganz persönliche Art. „Beim Glamping wird eine Zielgruppe sichtbar, die als ,hybrider Kunde‘ bezeichnet wird“, sagt Harald Pechlarner, Inhaber des Lehrstuhls für Tourismus an der Universität Eichstädt-Ingolstadt. „Hier wird eine Kombination aus Nähe zur Natur, Freiheit und Einfachheit auf der einen, und Luxus, Sicherheit und Geborgenheit auf der anderen Seite gesucht.“ Eine Entwicklung, die mit dem wachsenden Trend zur Individualisierung einhergeht, mit dem Wunsch der Menschen, ihr persönliches Ambiente auch im Urlaub zu haben.


Jurte, Tipi, Baumhaus. Und da ist die Auswahl groß. Als standesgemäße Unterkünfte gelten den Glampern nicht nur Zelte – von der Jurte über das Safarizelt bis zum Tipi –, sondern auch Baumhäuser mit teils spektakulärer Architektur. Im nordschwedischen Luleå lockt das „Treehotel“ nicht nur Naturfreunde, sondern auch Anhänger guten Designs in die Wälder. Und auch der gute alte Caravan gilt als angemessene Nächtigungsmöglichkeit. Wobei klassische Caravan-Produzenten wie Westfalia oder Dethleffs in der Glampercommunity ein Image haben wie Esprit bei den Chanel-Schauen, es braucht schon einen silberglitzernden Airstream, um vom Camper zum Glamper zu avancieren.

Zwei Menschengruppen, die überhaupt eher wenig miteinander gemein haben, wie auch Birgit Frischhut vom Tirol Tourism Research beobachtet hat. „Ich glaube nicht, dass das der gleiche Gast ist. Der Glamper ist eher der Vier- bis Fünf-Sternekunde.“ Das sollte er auch sein, denn preislich liegen die Übernachtungen absolut auf Sternehotelniveau, je nach Ausstattung und Lage müssen pro Nacht im Zelt drei- bis vierstellige Beträge auf den Tisch gelegt werden. Pechlarner prognostiziert für die Zukunft sogar eine heimliche Zweiklassengesellschaft auf manchen Plätzen: „Ich kann mir vorstellen, dass einige Campingplatzbetreiber ein abgegrenztes Areal mit Luxusangeboten haben werden, und der normale Campinggast das möglicherweise gar nicht mitbekommen wird.“ Schließlich hätten schon in der jüngeren Vergangenheit viele Betreiber ihre Plätze mit luxuriöseren Attraktionen aufgerüstet, da sei die „Wellnessinsel mitten im Wald“ lange kein Einzelfall mehr.


Was trägt man am Lagerfeuer?
Bleibt die Frage, was der gepflegte Glamper am Lagerfeuer trägt, die blauweißen Adiletten an den Füßen der klassischen Camper sind jedenfalls indiskutabel. „Auch im Zelt pflegt man Stil“, weiß Harald Pechlarner, „da soll auch das Dinner entsprechend eingenommen werden.“

Eine Marktlücke, mit der in Großbritannien jetzt das Kaufhaus Very seine Umsätze ankurbeln will. Zum V-Festival in Hylands Park im August bietet man ein Extraservice für Glamper, die in Nobelzelten rund um das Rockfestival residieren: Die passende Garderobe können sie sich direkt an die Zelttür liefern lassen. Was die „Daily Mail“ mit einem Artikel würdigte – der Titel lautete: „Jetzt ist es wirklich Glamping!“

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