Eine österreichische FDP hätte das BZÖ werden sollen, wenn es nach Josef Bucher gegangen wäre. Doch es ging nicht ganz nach ihm. Nun sieht das BZÖ eher nach SVP aus. Christoph Blochers Schweizerische Volkspartei ist zwar ebenfalls wirtschaftsliberal, gibt sich aber auch ländlich-heimatbewusst, verficht die direkte Demokratie und ist in der Ausländerfrage restriktiv. Die urban-liberale FDP hingegen postuliert Deutschland als Einwanderungsland.
BZÖ-Obmann Bucher hat sich, nicht zuletzt wegen des Drucks aus Kärnten, sehr dem Schweizer Modell angenähert. Wobei man ihm anmerkt, dass ihm etwa die Ausländerfrage nicht wirklich ein Anliegen ist. Skurrile Themen wie die Asylwerber auf der Saualm oder die Südkärntner Ortstafeln schnitt er bei seiner gestrigen Grundsatzrede nicht einmal an. Bucher redet lieber über anderes, die Flat Tax zum Beispiel. Er möchte das BZÖ zu einer antietatistischen Partei machen. Dem Unternehmersohn ist so gut wie alles suspekt, was mit dem Staat zu tun hat oder von diesem kommt. Beinahe aggressiv wurde der sonst so beherrschte, umgängliche Bucher gestern, als er auf die Gewerkschaften zu sprechen kam.
Damit er das BZÖ nun zur Partei der Leistungsbereiten ausrufen kann, muss Bucher allerdings Zugeständnisse an die Traditionalisten in seiner Partei machen: Er muss die Verlängerung der Hacklerregelung ebenso verteidigen wie ein zweites Erstaufnahmezentrum für Asylwerber ablehnen. Kein leichter Spagat auf Dauer.