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Vom Lebens- und Todeshunger im Irak

26.10.2009 | 18:40 | BURKHARD BISCHOF (Die Presse)

Die verheerenden Terroranschläge vom Sonntag in Bagdad zeigen: Für fröhliche Partys am Tigris ist die Zeit noch nicht gekommen.

Der Spiegel“ hat zuletzt von wilden, feuchtfröhlichen Partys am Tigris berichtet und einen feiernden Turkmenen aus Kirkuk zitiert: „Das ist Irak, aus diesem Land wird nie ein Gottesstaat.“ Es wird tatsächlich so sein, dass nach Jahren der Diktatur, des Krieges und des Terrors heute wieder „ein ungeheurer Lebenshunger“ die Masse der irakischen Bevölkerung ergriffen hat. Nur, ihr steht weiter eine entschlossene Minderheit gegenüber, deren ungeheurer Todeshunger noch nicht gestillt ist. Am Sonntag haben sich erneut zwei Todessüchtige aus ihren Reihen in Bagdad in die Luft gesprengt und über 150 Menschen mit in den Tod gerissen.

Die Sehnsucht der Iraker nach einem normalen Leben kontrastiert total mit dem Willen der Extremisten zu töten und zu zerstören. Zunehmend ungeduldig wird die Bevölkerung dabei mit ihrer politischen Elite, die es nicht schafft, für ausreichende Sicherheit in den Straßen der Städte zu sorgen. Die Politiker verwenden ihre Energien für kleinlichen politischen Hickhack, anstatt etwa den Kampf gegen die Korruption entschlossen zu führen, die sämtliche Bemühungen um verbesserte Sicherheit durchlöchert. So wird die Lage für Regierungschef Nuri al-Maliki immer brenzliger.

Ziemlich eindeutig waren die zwei Bomben vom Sonntag auch gegen die im Jänner vorgesehenen Wahlen gerichtet. Und es werden bis zum Wahltag am 16. Jänner wohl noch weitere hochgehen. Deshalb: Für heiße Partys in Bagdad ist es einfach noch zu früh.


burkhard.bischof@diepresse.com


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