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Eine Visitenkarte namens AUA

29.10.2009 | 18:29 | FRANZ SCHELLHORN (Die Presse)

Die Austrian Airlines beenden ihre Ära der Eigenständigkeit mit einer desaströsen Bilanz.

Hat der frühere Bundeskanzler Alfred Gusenbauer mit seiner Einschätzung, wonach die AUA „eine Visitenkarte Österreichs in der ganzen Welt“ sei, tatsächlich recht, dann sollten wir in den nächsten Monaten besser zu Hause bleiben. Unsere „Visitenkarte“ namens AUA hat nämlich gerade verlautbart, in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres 242 Millionen Euro Verlust eingeflogen zu haben. Eine Summe, die bis Jahresende auf 300 Millionen Euro anwachsen dürfte. Womit das Kunststück gelungen wäre, in wenigen Jahren 1000 Millionen Euro zu versenken. Für eine „sanierte“ Fluglinie (© Ex-AUA-Chef Alfred Ötsch) eine ganz schöne Summe.

Angesichts derartiger Zahlen kann man sich freilich nicht mehr ganz sicher sein, ob die Verwendung des Begriffs „Eisenbahn der Lüfte“ nicht etwas ungerecht gegenüber den (ebenfalls schwer defizitären) ÖBB ist. Fest steht, dass die immer wieder anfallenden Verluste der AUA kein Ergebnis unfreundlicher Naturgesetze sind – sondern Ausfluss eines kolossalen Versagens der Eigentümer. Im Falle der AUA hatte der Staat als größter Aktionär alle Zeit der Welt, dem Management über die Aufsichtsräte den klaren Auftrag zu erteilen, aus einer aufgeblasenen und gewerkschaftsnahen Fluglinie ein schlankes Unternehmen zu formen. Stattdessen wurde beschwichtigt und weggeschaut.

Wenigstens entblödet sich heute niemand mehr, die „Verscherbelung“ der „Perle“ AUA an die Lufthansa anzuprangern. Das ist leider das einzig Erfreuliche an den aktuellen Zahlen. (Bericht: S. 17)


franz.schellhorn@diepresse.com

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