Wien (awe). Unter Österreichs Jugendlichen herrscht dicke Luft. Jeder vierte 15-Jährige raucht täglich. Unter den 16-Jährigen sind es 42 Prozent, in der Gruppe der 17-Jährigen konsumiert gar jeder Zweite regelmäßig Tabak. Das, so die Initiatoren der Antirauchkampagne der Europäischen Union, sei ein europaweiter Spitzenwert. Wirksame Gegenmaßnahmen, so die Kritik, seien jedoch nicht in Sicht. Ärzte befürchten drastische Langzeitfolgen für das Gesundheitssystem.
„Mit derart hohen Raucherquoten unter Jugendlichen liegt Österreich sogar über den Werten von Grönland oder den Balkanstaaten“, ätzt Manfred Neuberger. Die EU-Kommission hat den streitbaren Rauchgegner und Präventivmedizner der MedUni Wien in Österreich für die Präsentation der Antirauchkampagne „Help“ engagiert. Die bemängelt nun, dass hierzulande immer noch zu wenig für die Prävention bei Kindern und Jugendlichen getan werde.
Auf 60,5 Millionen Euro beläuft sich jene Summe, die die Republik aus dem Verkauf von Tabakprodukten an Minderjährige aus der Tabaksteuer einnimmt. Kein einziger Cent davon ist zweckgebunden, die gesamten Einnahmen fließen direkt in das Gesamtbudget des Finanzministers. Für Neuberger ein veritabler Skandal, könnte doch, so seine Vermutung, mit einer Zweckbindung für gesundheitspolitische Antirauchermaßnahmen viel mit dem Geld bewegt werden.
Der Gedanke dazu stammt aus der Schweiz. Ebendort fließen aus jeder verkauften Packung Zigaretten 0,026 Franken (0,017 Euro) in einen Präventionsfonds. Und der, das ließen sich die schweizerischen Behörden mit Studien bestätigen, hätte durch die Finanzierung von Aufklärungskampagnen den Anteil der Raucher in der Bevölkerung signifikant gesenkt. Insbesondere unter Jugendlichen. In dieser Gruppe sank der Anteil der Raucher binnen fünf Jahren von 31 auf 25 Prozent.
Kinderärzte wie Tamás Fazekas würden das so lukrierte Geld in Österreichs am liebsten in die Präventionsarbeit bei Volksschulkindern investieren. Eine anonyme Befragung unter 2000 Schülern hätte nämlich ergeben, dass der Einstieg in die Raucherkarriere derzeit mit knapp elf Jahren geschieht.
Warnung vor Wasserpfeifen
Als besonders bedenklich nennt „Help“ den starken Trend zur Wasserpfeife („Shisha“). Gerade unter Jugendlichen ist diese Form des Tabakkonsums derzeit populär. Die Gastronomie bietet hierfür spezielle Rauchabende in „geselliger Runde“ an. Mediziner warnen davor, dass wegen des stark parfümierten Tabaks (von Pfefferminze über Pistazie bis hin zu Erdbeergeschmack ist alles möglich) die schädliche Wirkung unterschätzt wird. Tatsächlich aber ist die Nikotinkonzentration im Blut nach dem Konsum einer Wasserpfeife genauso hoch wie nach dem Rauchen von 20 Zigaretten innerhalb von sieben Stunden.
Obwohl die tabakkritische und millionenschwere Kampagne der EU direkt auf die Kommission zurückgeht, hat man in Brüssel Angst vor dem Engagement der „Help“-Proponenten sowie Respekt vor dem Gegner, der Tabakindustrie. Die Informationsblätter zum Thema sind mit dem Hinweis gekennzeichnet, dass sie „nicht notwendigerweise die offizielle Position“ der Kommission wiedergeben.
